Rund 150 Besucher nehmen am Wochenende des 24. und 25. Oktobers an zwei Gottesdiensten in Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) teil. Zwei Stunden dauern die Gottesdienste, in denen kräftig gesungen wird. Masken tragen die Besucher an ihren Plätzen nicht, das sieht das Hygienekonzept der Freikirche nicht vor. Und ganz generell nehmen es die Gläubigen mit den Corona-Regeln an jenem Wochenende nicht so genau.

Fantasienamen und Fake-Adressen

Knapp die Hälfte der Besucher trägt Fantasienamen, falsche Adressen und Telefonnummern in die Besucherliste ein. Im Gesundheitsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises werden sie einige Tage später daran verzweifeln. Als klar wird, dass ein Besucher der Gottesdienste Corona-positiv ist, beginnt die Kontaktverfolgung der Behörden – wie schwierig sich diese gestaltet, zeigt sich am Beispiel von sechs Gottesdienstbesuchern aus dem Zollernalbkreis: Erst am Montag dieser Woche erfährt das hiesige Gesundheitsamt von den Kontaktpersonen. Sie alle werden als heikle K1-Kontakte eingestuft.

Falsche Angaben verhindern schnelle Kontaktverfolgung

„Der zeitliche Ablauf hat sich aufgrund der unvollständig vorgelegten Listen verzögert“, sagt Heike Frank, Sprecherin des Landratsamts in Villingen-Schwenningen, auf Anfrage. Dabei wäre die Verfolgung der Kontakte ganz offenkundig dringend geboten gewesen: Stand heute Nachmittag zählt man im Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises rund 40 Menschen, die sich allesamt in den beiden Gottesdiensten angesteckt haben dürften.

Viel Gesang, wenig Abstand, keine Masken

Dem Gesundheitsdezernenten im Landkreis Rottweil, Dr. Heinz-Joachim Adam, bleibt an dieser Stelle nur Sarkasmus: „Man muss davon ausgehen, dass das Gottvertrauen dieser Menschen mehr zählt als das Regelwerk des Infektionsschutzgesetzes“, sagte er der Neuen Rottweiler Zeitung. Auch im Kreis Rottweil gibt es Kontaktpersonen, wie im Zollernalbkreis erfuhr Adam erst in dieser Woche davon. „Am Montag um 17 Uhr wurden wir hinzugezogen.“ Er kritisiert: In diesen Gottesdiensten werde viel gesungen – mit wenig Abstand und ohne Masken. Aktuell gestalte sich die Kontaktnachverfolgung bei einem von fünf Betroffenen im Kreis Rottweil besonders schwierig. Die Person sei „wenig einsichtsbereit“ – ein Fall für die Ortspolizeibehörde. Die anderen vier habe man zunächst telefonisch nicht erreichen können. „Hier müssen wir dann vor Ort“, so Adam.

Betroffene im Zollernalbkreis kooperieren

Im Zollernalbkreis hingegen seien die Betroffenen kooperativ, heißt es auf Anfrage. Das Gesundheitsamt ordnete für sie noch am Telefon Quarantäne an. „Die Information hierüber geht den jeweiligen Wohnortgemeinden zu, die die schriftliche Verfügung erlassen“, teilt das Landratsamt mit. Im Zollernalbkreis selbst seien bislang keine besonderen Häufungen aus dem Umfeld der Freikirchen bekannt. Bundesweit hingegen geraten diese immer wieder in die Schlagzeilen, wie in Euskirchen, wo 500 Gemeindemitglieder in Quarantäne mussten. Eine Freikirche in Rotenburg mutierte erst kürzlich zum Corona-Hotspot.

Freikirchler spricht vor „Querdenkern“

Und bei der „Querdenker“-Demo in München sah man am Sonntag nicht nur Fernsehprediger Jürgen Fliege auf der Bühne sprechen, auch der Pfarrer einer evangelischen Freikirche trat gegen die Corona-Maßnahmen auf den Plan. Weil die Stadt angesichts der beunruhigenden Corona-Lage nur 1000 statt der angemeldeten 5000 Teilnehmer zugelassen hatte, deuteten die Veranstalter den Auflauf kurzerhand um. Zu einem Gottesdienst.

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