„Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube“, sagt Landrat Günther-Martin Pauli. Natürlich sei es der breiten Öffentlichkeit angesichts der Corona-Gesamtsituation im Zollernalbkreis nur schwer zu vermitteln, warum in Albstadt ein Mountainbike-Weltcup stattfindet, während sich die Bevölkerung weiterhin an strenge Maßnahmen im Alltag zu halten hat.

Bundespolitisch so erlaubt

„Es ist aber keineswegs so, dass ich als Landrat die Großveranstaltung einfach so durchgewunken habe“, so Pauli. Es sei schlicht und einfach zu erlauben, weil man politisch auf Bundesebene beschlossen hat, Profisport mit entsprechendem Hygienekonzept zu akzeptieren. Und genau dieses Hygienekonzept liege dem Landkreis vor. „Das hat mir vor wenigen Tagen auch Albstadts Oberbürgermeister Klaus Konzelmann noch einmal bestätigt“, betont Landrat Pauli.

Pflichttests für notbetreute Kinder?

Es ist aber nicht der einzige Corona-„Brand“, den der Albstädter OB aktuell zu löschen hat. Es „brennt“ auch in Kindergärten- und Kindertagesstätten. Es geht um die Frage, ob es von Eltern nicht erwartet werden kann, dass deren Kinder, so sie denn berechtigterweise in Notbetreuungen untergebracht sind, verpflichtenden Coronatests unterzogen werden. Inzwischen laufen in Albstadt entsprechende Umfragen unter den Kindergarteneltern.

Weiterhin Ausbrüche in Firmen

Welchen Einfluss nicht getestete, womöglich coronapositive Kindergartenkinder in Notbetreuung auf das hohe Infektionsgeschehen im Landkreis haben, wird von Seiten des Landratsamts nicht thematisiert. Dagegen wird auf Nachfrage bestätigt, dass „weiterhin Corona-Ausbrüche in mehreren Firmen auftreten“. Anders ausgedrückt: In den betroffenen Firmen bekommt man demnach die Situation nicht in den Griff.

Appell an die Vernunft

„Wir können derzeit nicht viel mehr tun, als immer wieder an die Vernunft aller Zollernälbler zu appellieren, sich weiterhin an die vorgegebenen Corona-(Hygiene)-Maßnahmen zu halten“, resümiert Pauli.

(Noch) kein öffentliches Alkoholverbot

Mögliche weitergehende Maßnahmen, wie ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit an neuralgischen Punkten plant die Landkreisverwaltung nicht. Genau dies hat der benachbarte Landkreis Tübingen bis einschließlich 16. Mai – wohl auch im Hinblick auf den bevorstehenden Vatertag – verfügt. Der offizielle Grund, dies im Zollernalbkreis nicht zu tun: „Die Situation von größeren, unerlaubten Menschenansammlungen stellt sich im ländlichen Raum anders dar als in Großstädten.“

In Kontakt mit (Ober-)Bürgermeistern

Ganz ausschließen möchte Kreissozialdezernent Georg Link solch eine verschärfte Maßnahme aber nicht: „Wir stehen in engem Kontakt und Austausch mit den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern. Wenn dabei die Notwendigkeit eines Alkoholverbots auf öffentlichen Plätzen festgestellt wird, wird dies erneut geprüft.“ Immer mehr Regelungen und Verbote führten seiner Meinung nach aber „nicht automatisch zu einer rückläufigen Inzidenz“.