Wo Chris Tall drauf steht, steckt ausverkauft drin: Der Comedian begeistert seine stets wachsende Fangemeinde. So auch in der Balinger Volksbankmesse, wo er mit seiner Tour „Jetzt ist Papa dran!“ Station machte. Im Gepäck: beste Laune und ein Kracher nach dem anderen. Chris Tall, mit bürgerlichem Namen Christopher Nast, ist ein Schwergewicht in der deutschen Comedyszene. Und das im doppelten Wortsinn. Zum einen kann der 1991 geborene Hamburger die fiesen, aber auch ganz feinen Gags, zum anderen spielt er gekonnt mit seinem umfangreichen Körperbau. Das Publikum liebt ihn dafür.

Eins schickte der aus dem Fernsehen bekannte Tall voraus: „Ich liebe meinen Vater, er ist ein Ehrenmann. Und er kann tolle Kinder zeugen.“ Trotzdem bekommt im aktuellen Programm der Papa das Fett ab, nachdem bei der letzten Tour Talls Mutter dran glauben musste. Bevor der 27-Jährige allerdings seinem Vater den Rost runterließ, groovte er sich in der Kreisstadt ein. Oder besser gesagt: in der schwäbischen Sprache.

Den Techniker nämlich hatte er bei den Gesprächen in den Proben für grenzdebil gehalten. Dabei war der ein Schwabe. Tall ist fix, macht Gags aus dem Stehgreif und lernt binnen kürzester Zeit so essenzielle Vokabeln wie „Du Schofseggl.“ Tall improvisiert mühelos. Aus einem korpulenten Tobi in der ersten Reihe macht er einen Verbündeten. Die beiden Brüder Kevin und Elias, samt Eltern nach Balingen gereist, nimmt er liebevoll während des gesamten Programms immer wieder auf die Schippe.

„Bei den Namen weiß man, wen die Eltern nicht wollten“, grinst Tall. „Wer will denn schon Elias heißen?“ Das Publikum grölt. Szenenapplaus, immer wieder. Und Lachanfälle vom Star selbst, dem man anmerkt, dass er liebt, kann und mit Leidenschaft tut, was er macht. Und dann ist tatsächlich Papa Tall dran. In dessen Schublade findet der Filius ein steinaltes Handy. Darauf ein antiquiertes Spiel. Chris tauscht mit dem Vater. Der fängt erst mal nichts mit dem hochmodernen Gerät des Sohnes an. Einloggen? Fehlanzeige. „Papa, das geht nur mit Gesichtserkennung. Meinem Gesicht“, grinst der Sohn. Der Dad holt eine Bockwurst. Zack – Handy entsperrt.

Das Familienoberhaupt spielt begeistert Memory. Was der Sohn gar nicht installiert hat. Der Vater fand sich auf einer Dating-App wieder. 67 Treffen vereinbarte er in Blitzzeit. Tja, ein paar davon ackerte der Sohn ab. Im Kino zum Beispiel. Aber er und eine Frau, die salziges Popkorn in der Minitüte isst, das passt genau so wenig wie eine Dame, die ihn in das vegane Restaurant „Die wilde Sprosse“ einlädt.

Dort empfiehlt der Kellner Kohlrabischnitzel. Würde ja schließlich fast wie Schnitzel aussehen. Für Tall schmeckt es wie Pappe und Staub. Weswegen er den dreistelligen Betrag mit Papierservietten bezahlt. „Sieht ja auch fast wie Geld aus.“

Tall kann auch ernst. Sein Date mit einer Fitnesstrainerin treibt ihn zum Begriff der „Fitnessnazis“. Die würden nur mit dem rechten Bein rennen, geradewegs nach Chemnitz. „Die brauchen wir in unserem Land nicht.“ Viel Applaus für einen jungen Künstler, der in seiner Karriere schon so manchen Seitenhieb ob der eigenen einstecken musste. Darf man Witze über Behinderte machen? „Er darf das!“ steht seit der kontroversen Diskussion auf seinen Shirts und Mützen.

Und so zieht Tall auch munter über Hartzer her. Bei einem seiner vom Vater organisierten Dates landete er in einem Ghettohochhaus bei Werner. Der Kettenraucher war nach eigenen Angaben Barkeeper. Im Homeoffice. Prost. Mit der Dame hat es auch nicht geklappt. Dafür war der Vater fleißig. Die restlichen 60 Treffen absolvierte dieser selbst und dem Sohn bleibt nur die Lebensphilosophie: „Runter vom Mofa, rauf aufs Sofa.“