WAHLKRIMI CDU nominiert Nicole Hoffmeister-Kraut

 Nicole Hoffmeister-Kraut machte das Rennen.
Nicole Hoffmeister-Kraut machte das Rennen. © Foto: HARDY KROMER
Zollernalbkreis / HARDY KROMER 10.07.2015

Was für ein Krimi bei der CDU im Wahlkreis Balingen! Erst nach drei Wahlgängen stand am Freitagabend fest, dass Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut das Erbe von Günther-Martin Pauli als Landtagskandidatin antritt.

Kurz vor halbelf stand  in der Tailfinger Zollern-Alb-Halle das Ergebnis fest: Die 42-jährige Balingerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut führt die CDU im Wahlkreis 63 Balingen in den Landtagswahlkampf und wird aller Voraussicht nach Günther-Martin Paulis Direktmandant im Landtag erben.

Das Schicksal der Burladinger Kandidatin Dörte Conradi: In den ersten beiden Wahlgängen war sie noch knapp in Führung gelegen. Doch nachdem der drittplatzierte Roland Tralmer aus Albstadt für den dritten Wahlgang zurückziehen musste, wurde die Frau aus dem Hohenzollerischen von der Spitze verdrängt. Am Ende fehlten ihr 13 Stimmen. Hoffmeister-Kraut gewann mit 239 zu 226 (oder 51,4 zu 48,6 Prozent). Von den 134 Tralmer-Befürwortern hatten sich schließlich doch mehr der Balingerin als der Burladingerin angeschlossen. So wurde es ein ganz bitterer Abend für die 47-jährige Ministerialrätin, die in einer engagierten Bewerbungsrede am schärfsten und pointiertesten mit der grün-roten Landesregierung abgerechnet hatte.

Die CDU-Kreisvorsitzende Conradi, die sich als Frau präsentiert hatte, für die die CDU seit 28 Jahren „eine Herzensangelegenheit“ ist, die in Stuttgart im Landesvorstand und in Programmkommissionen mitarbeitet, „sehr gute Kontakte“ hat und die auf der Zollernalb „ganz nah an den Menschen“ ist, musste am Ende einer politischen Newcomerin das Feld überlassen. Nicole Hoffmeister-Kraut, Gesellschafterin und Aufsichtsrätin bei Bizerba in Balingen, ist erst seit 2009 auf kommunaler Ebene in der CDU aktiv. Seit 2009 ist sie Balinger Gemeinderätin, seit 2014 gehört sie dem Kreistag an, inzwischen ist sie stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Balingen.

Hoffmeister-Kraut, verheiratete Mutter von drei Töchtern, stellte sich als Kandidatin vor, die „mitten im Leben steht“, die sich im neuen Profil der CDU wiedererkennt und die ihre Motivation zur Kandidatur aus ihrem Lebensalltag schöpft: „Meine jüngste Tochter geht in die erste Klasse. Mir wird himmelangst, wenn ich die Bildungspolitik der Landesregierung anschaue.“ Sie präsentierte sich als Frau, „die nicht nur die Stammwähler binden kann“ und die „mit Herzblut die Interessen unseres ganzen Wahlkreises vertreten wird“.

Knisternde Spannung hatte von Beginn an geherrscht: Fast 500 stimmberechtigte CDU-Mitglieder von Meßstetten bis Haigerloch, von Bisingen bis Winterlingen (und ein paar Dutzend Zaungäste aus dem Raum Burladingen) hatten sich versammelt. Nach drei engagierten 15-minütigen Vorstellungsreden zeichnete sich bereits ab, dass am Ende alles auf ein Frauenduell hinauslaufen würde: Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut aus Balingen, die vom Los als erste Rednerin bestimmt worden war, und Dörte Conradi aus Burladingen, die als letzte ans Pult trat, ernteten ähnlich viel Beifall und mussten sich von ähnlich vielen Fragern auf den Zahn fühlen lassen. Bei Roland Tralmer hakte dagegen keiner nach.

Während sich die beiden Frauen erkennbar darum bemühten, als Vertreterinnen einer modernen CDU, einer Volkspartei der Mitte, zu erscheinen, hatte der Albstädter Rechtsanwalt deutlich konservativere Positionen bezogen – beispielsweise mit der Forderung, den „Missbrauch des Asylrechts zu bekämpfen“ oder der Polizei „verdachtsunabhängige Personenkontrollen zu ermöglichen“. Mit der grün-roten Landesregierung gingen alle drei Bewerber hart ins Gericht, am schärfsten Dörte Conradi, die dem Kretschmann-Kabinett eine „desaströse“ Bilanz bescheinigte. Sie geißelte den „Stillstand“ in der Verkehrspolitik und nannte Winne Hermann einen „Verhinderungsminister“, kritisierte die „grün-rote Gleichmacherei“ in der Bildungspolitik und forderte dringend Korrekturen der Polizeireform: „Es kann nicht sein, dass hier in Tailfingen Einbruchsserien stattfinden und wir stundenlang auf die Polizei aus Tuttlingen warten müssen.“

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