Scharfer Verstand, brillante Rhetorik, wirtschaftliche Kompetenz und politischer Weitblick – all das kennzeichnet Edzard Reuter. Bis heute. Trotz – oder wäre es sogar besser zu sagen wegen – seiner mittlerweile 91 Jahre. Denn gerade sein langes Leben ist gezeichnet von vielen Begegnungen, Tiefen, Höhen und Veränderungen. Und somit geradezu prädestiniert, den Lauf der Deutschen Geschichte zu reflektieren.

Mitgestalter der Deutschen Einheit

Edzard Reuter gilt durchaus als einer der Architekten der Deutschen Einheit; er, der einst als Vorstandsvorsitzender der Daimler AG über die wirtschaftlich-politische Schiene Einfluss nahm, um im Berlin der 1990-er-Jahre seine Ideen zu verwirklichen. Der Potsdamer Platz geht mit auf sein Konto und ist nicht nur ein bauliches Symbol der deutschen Wiedervereinigung schlechthin. In der neuen, alten Hauptstadt, die einst auch sein Vater als Bürgermeister regierte.

Kein Schongang der Worte

Als bekennender Sozialdemokrat war er am Einheitstag Gast der CDU. Gar als Revoluzzer stellte er sich selbst vor, als er unter großem Beifall ans Rednerpult im bis auf den letzten Platz gefüllten Margrethauser Klostersaal trat. Dass er selbst im hohen Alter das Weltgeschehen noch äußerst kritisch betrachtet, zeigte sich schnell. Ob mit spitzen Worten zu überzogenen Aktionen wie Fridays for Future, spöttischen Bemerkungen zu twitternden Präsidenten oder den Populisten auf deutschen Straßen.

Nie ging es Deutschen besser als heute

Internet, Digitalisierung und soziale Medien fördern laut Reuter nicht nur die Globalisierung, sondern sorgen durch eine latente Revolution der Grundwerte auch für Verunsicherung bei den Menschen. Gerade bei einer Generation wie heute. Jener, der es besser gehe als bislang allen Generationen zuvor in Deutschland und vielerorts auf der Welt. Trotzdem würden deren Ängste vor einer ungewissen Zukunft geradezu einen fruchtbaren Nährboden bilden für die politischen Menschenfänger. Hier und anderswo.

Als Sprüche der Volksverdummung bezeichnete Edzard Reuter all das, was er samt bissigen Parolen am rechten und linken Rand in der Gesellschaft erlebe. Nein, diese fanatischen Zeitgenossen seien nicht das Volk, auch wenn sie es noch so laut schrieen. Klare Kante gegen rücksichtslose Hetzer, die nichts weiter wollten, als die Werteordnung auszuhöhlen. „Das wird ihnen nicht gelingen...“ hebt Edzard Reuter mahnend den Zeigefinger und blickt fordernd in den Saal „...wenn wir ihnen Hürden in den Weg stellen, Mut haben, Probleme beim Namen zu nennen und die Basis unserer Demokratie leben!“

Ein bekennender Europäer

Zu seinen klingenden Ausführungen mit vielen Facetten gehörte auch das klare Bekenntnis zur Europäischen Union. Es sei hier höchste Zeit, sich zu besinnen und aus der Geschichte zu lernen. Dass Deutschland durchaus eine besonders dankbare Rolle einzunehmen habe und auch das Teilen obersten Gebot sein müsse, stand für den SPD-Politiker außer Frage. All seine spannenden Gedanken und Ausführungen mündeten in einem Credo: Der dritte Oktober ist ein Geschenk der Geschichte. In Freiheit und in einem Rechtsstaat zu leben muss unantastbar bleiben für jeden Menschen. Egal welchen Hintergrund sein bisheriges Leben bisher hatte.

„Wir haben blühende Landschaften“

Aber nicht nur Edzard Reuter skizzierte mit prägenden und einfühlsamen Worten den Feiertag und dessen Geschichte. Ebenso Roland Tralmer, der Stadtverbandsvorsitzender der CDU Albstadt, und unser CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Thomas Bareiß. „Demokratien sterben nicht an ihren Feinden, sondern daran, dass sich zu wenige darin einbringen“ formulierte Tralmer überaus trefflich. Der Bundestagsabgeordnete setzte als status quo, was einst Bundeskanzler Helmut Kohl nach Öffnung der Grenzen versprochen hatte: Blühende Landschaften. „Dies haben wir jetzt und seit Jahren wachsen die Wirtschaft und der Wohlstand in Deutschland. Nie stand unser Land besser da!“ stellte Bareiß fest.

Flughafen-Begegnung mit Folgen

Ihm war es übrigens zu verdanken, dass der zugleich bescheidene und beeindruckende Edzard Reuter den Weg nach Albstadt, in dessen gute Stube gefunden hatte. Auf dem Flughafen habe er ihn getroffen und einfach angesprochen, erzählt Bareiß eingangs. Prompt habe der Sozialdemokrat zugesagt, die CDU-Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit zu bereichern. Wenn das kein Gemeinsinn ist.

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