Balingen Betten Prinz schließt

Seit 30 Jahren gehört Betten Prinz zur Balinger Bahnhofstraße. Ende Mai 2019 schließt Unternehmer Ralph Prinz seine Filiale in der Kreisstadt jedoch.
Seit 30 Jahren gehört Betten Prinz zur Balinger Bahnhofstraße. Ende Mai 2019 schließt Unternehmer Ralph Prinz seine Filiale in der Kreisstadt jedoch. © Foto: John Warren
Balingen / John Warren 13.10.2018
Der Betten- und Matratzenhändler Ralph Prinz macht sein Fachgeschäft in Balingen Ende Mai kommenden Jahres zu.

Ralph Prinz ist wehmütig. Seit 30 Jahren leitet er das Betten- und Matratzengeschäft in der Balinger Bahnhofstraße. Im ehemaligen Postamt und im Nebengebäude hat der Wahl-Balinger, der selbst in der Bahnhofstraße in einem anderen Gebäude wohnt, seine Existenz aufgebaut.

„Es tut weh, jetzt aufhören zu müssen“, sagt der 55-Jährige. „Ich habe viel Herzblut in das Geschäft in der Bahnhofstraße gesteckt. Wir gehören seit 30 Jahren dazu.“ Aus wirtschaftlichen Gründen sei es allerdings nicht mehr sinnvoll, die Filiale weiterhin zu betreiben.

Gründe gibt es mehrere: Der Einzelhandel und besonders die Möbel- und Bettenbranche tun sich generell schwer damit, mit dem Onlineversandhandel mitzuhalten. „Selbst Ikea tut sich schwer und eröffnet in den nächsten Jahren keine neuen Standorte mehr in Deutschland“, weiß Prinz. Außerdem läuft sein Mietvertrag Ende Juni 2019 aus. „Die Situation ist jetzt schon schwierig, die Verlängerung des Mietvertrags wäre ein zu großes Risiko.“

Die große Unbekannte in der wirtschaftlichen Planung von Betten Prinz: Der Querbau, dessen Bau der Gemeinderat im September beschloss. „Wir wissen einfach nicht, wo es hingeht“, sagt Prinz. Die Parkplatzsituation, ein möglicher riesiger Baukran, Lärmbelastung – all das sind große Unwägbarkeiten, die das Geschäft belasten werden. „Wir haben den Umbau der Bahnhofstraße ja schon miterlebt. In guten Zeiten, kann man das wegstecken. In schwierigen sieht es anders aus.“ Betroffen ist zunächst nur die Filiale in Balingen. In Schiltach, Jestetten und Zimmern o. R., wo die Firmenzentrale mit Verwaltung, Lager, Reinigung und Internetversandhandel ist und wo die meisten der insgesamt 45 Mitarbeiter beschäftigt sind, bleibt Betten Prinz bestehen. Die Filiale in Albstadt schloss Prinz bereits vor zwei Jahren.

„In Balingen habe ich mein erstes Geschäft aufgebaut, nachdem ich vor 30 Jahren mit nichts angefangen habe. Über viele Jahre habe ich die Firma hier ausgebaut und die angrenzenden Geschäfte übernommen“, erinnert sich Prinz, dessen Großvater in Stuttgart früher selber ein großes Bettenhaus hatte. Er wollte jedoch auf eigenen Beinen stehen und kaufte damals als 25-Jähriger die Firma Betten Eppler auf.

Die drei Mitarbeiterinnen, die heute am Standort Balingen noch beschäftigt sind, haben die Option, in Zimmern weiterzuarbeiten, eine weitere Mitarbeiterin ging vor kurzem in den Ruhestand. Schon vor zwei Jahren konnten alle Mitarbeiter, die in Ebingen beschäftigt waren, nach Balingen wechseln.

„Es gibt derzeit leider keine Aussicht auf eine Besserung der Lage. Wir müssen schauen, wie sich die Branche des Einzelhandels verändert und die richtigen Maßnahmen ergreifen. Anders geht es nicht“, sagt Ralph Prinz. Auch wenn es ihm weh tue, das Geschäft aufzugeben, möchte er in der Bahnhofstraße wohnen bleiben. „Ich bin Balinger geworden, die Bahnhofstraße bleibt mein Zuhause.“

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