Geislingen Banker der alten Schule sagt Adieu

Mit dem Umzug in das neue Bankgebäude im Herzen der Stadt haben Helmut Gonser und sein Team nach Jahrzehnten in beengten Verhältnissen nicht nur moderne Arbeitsplätze bekommen, sondern auch einen Traumblick über die Stadt.
Mit dem Umzug in das neue Bankgebäude im Herzen der Stadt haben Helmut Gonser und sein Team nach Jahrzehnten in beengten Verhältnissen nicht nur moderne Arbeitsplätze bekommen, sondern auch einen Traumblick über die Stadt. © Foto: Rosalinde Conzelmann
Geislingen / Rosalinde Conzelmann 05.06.2018
Über seine 45 Berufsjahre, davon 28 Jahre als Vorstandssprecher der Raiba Geislingen-Rosenfeld, könnte Helmut Gonser ein Buch schreiben.

Nahezu ein halbes Jahrhundert ist Helmut Gonser Banker. Über die Erlebnisse und Erfahrungen in dieser Zeit könnte der 61-Jährige ein Buch schreiben. So groß waren die Veränderungen, so rasend schnell der Wandel im Bankensektor.

Als der gebürtige Laufener sich nach seiner Schulzeit dafür entschieden hat, eine Lehre zum Bankkaufmann zu machen, war das Image der Branche noch ein anderes, erzählt er. Das sollte sich mit der Finanzkrise, die 2007 begonnen hat, ändern. Dennoch hat Helmut Gonser seine Berufswahl nie bereut. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt er überzeugt.

Richtig, weil er in seiner langen Berufszeit Erfüllung gefunden hat. Nach seiner Lehre bei der damaligen Kreissparkasse Balingen im Jahr 1973 machte der zielstrebige und ehrgeizige Zahlenmensch im Jahr 1984 seinen ersten Karrieresprung, als er ins genossenschaftliche Lager wechselte und bei der damaligen Laufener Bank zum Vorstand bestellt wurde. Zwei Jahre später wechselte Helmut Gonser als Vorstandssprecher zur Geislinger Bank. Ein Amt, das er bis zu seinem letzten Arbeitstag am 29. Juni ausführen wird. Dann ist Schluss und ab August beginnt für den Vater von zwei erwachsenen Söhnen ein neuer Lebensabschnitt ohne Bilanzen. In der Summe war er dann 33 Jahre als verantwortlicher Vorstand für die genossenschaftliche Finanzgruppe verantwortlich und ist zum eingefleischten Genossenschaftler geworden.

Als Banker der alten Schule hat Helmut Gonser in den ersten Jahren noch alles gemacht. „Heute ist jeder mit seinem Aufgabenfeld ausgefüllt“, sagt er. Und seines ist das Kreditgeschäft. Ein sensibler Bereich. „Natürlich hatte ich auch oft schlaflose Nächte“, sagt Gonser. Es habe jedoch immer eine Lösung und einen Weg gegeben. Dank seiner langjährigen Erfahrung habe er ein Gespür für Menschen entwickelt. „Und da gibt es wirklich alle Arten“, sagt er lachend, wird aber gleich wieder ernst. „Denn Konten sind Schicksale.“ Dieser Verantwortung sei er sich stets bewusst gewesen. Ebenso der Verantwortung gegenüber der Bank. „Deshalb bin ich immer auf sachlicher Ebene unterwegs.“

Helmut Gonser ist als Chef von über 30 Mitarbeitern auch ein Teamplayer. In seiner Geislinger Zeit hat er gemeinsam mit den Vorständen Kurt Link, Walter Schatz, Wolfgang Jauch und Karl-Heinz Schlotter zusammengearbeitet. Aktuell führt er mit Thomas Merz die Geschäfte. Das Vieraugenprinzip wird hochgehalten. Zudem werden auch der Aufsichtsrat und die Mitarbeiter bei großem Entscheidungen ins Boot geholt. Prokurist Dietmar Müller und Revisor Hermann Welte sind die beiden Kollegen, die Gonser seit Anbeginn begleiten und noch im Hause sind.

Dass die Raiffeisenbank Geislingen-Rosenfeld die Finanzkrise ohne Blessuren überstanden hat, macht Gonser schon ein wenig stolz. Ebenso, dass er mit seinem Team stets einen guten Job gemacht hat und sich die Bilanzen von Jahr zu Jahr steigerten. Das ist keine Selbstverständlichkeit. „Wir sind hier verwurzelt und haben die Nähe zum Kunden“, nennt er einen Grund für die Standhaftigkeit der Bank, die dank ihrer Größe flexibel sei und schnell reagieren könne. Deshalb ist dem Banker auch um die Zukunft der Raiba nicht bange. „Trotz Digitalisierung wird man die Menschen weiter brauchen“, ist er überzeugt.

Die Gier der Großbanken, die die Finanzkrise verursacht und eine ganze Branche in Verruf gebracht hat, verurteilt Gonser aufs Schärfste. „Man hat den Pfad des redlichen Bankgeschäftes verlassen“, ist seine Meinung. Eine Folge davon sei eine regelrechte Regulierungswut, die alle Banken treffen würde. Generell seien die Spielräume kleiner geworden. „Früher durften wir mehr entscheiden.“

Ganz seinem Naturell entsprechend hat der Familienvater, der auch handwerklich begabt ist, auch privat immer schwäbisch-sparsam gewirtschaftet und für den Ruhestand vorgesorgt. Dies gibt ihm und seiner Frau nun die Freiheit, sich Wünsche zu erfüllen. An erster Stelle stehen Reisen mit dem Wohnmobil.

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