Balingen Bahnhof-Querbau hat Fans und Feinde

Gelbe Punkte markieren den Grundriss des Querbaus, der auf demBalinger Bahnhofsvorplatz entstehen könnte. Am Donnerstagabend wurde auf Einladung der SPD kontrovers darüber diskutiert.
Gelbe Punkte markieren den Grundriss des Querbaus, der auf demBalinger Bahnhofsvorplatz entstehen könnte. Am Donnerstagabend wurde auf Einladung der SPD kontrovers darüber diskutiert. © Foto: Nicole Leukhardt
Balingen / Nicole Leukhardt 04.05.2018
Die Balinger SPD-Fraktion hat am Donnerstag zum Dialog rund um die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes eingeladen.

Braucht Balingen einen Querbau? Um der Antwort auf diese Frage näher zu kommen, hat die SPD-Fraktion des Balinger Gemeinderats am Donnerstagabend interessierte Balinger ins Alte Landratsamt eingeladen.

Innerhalb kurzer Zeit waren die Stuhlreihen gefüllt und damit klar: Die Zukunft des Platzes rund um den Bahnhof liegt den Balingern am Herzen. Auch Fraktionschef Ulrich Teufel freute sich über den großen Zuspruch. „Wir wollen die Bürgermeinung aufnehmen“, erklärte er die Intention der Veranstaltung.

Um den Besuchern die Pläne und den Siegerentwurf des Preisgerichts bis ins kleinste Detail erklären zu können, hatten die Balinger Sozialdemokraten Baudezernent Michael Wagner als Referenten ins Boot geholt. Auch er betonte: „Wir wollen den Dialog mit den Bürgern.“ Und noch etwas will die Stadtverwaltung: Die Besucher spätestens zur Gartenschau mit einem attraktiven Bahnhof in der Eyachstadt empfangen.

Der Wettbewerb im Frühjahr 2017 habe über 20 Arbeiten von Architekten hervorgebracht, holte Wagner noch einmal aus. Schon damals seien alle Arbeiten öffentlich ausgestellt worden. Aufgrund von personellen Engpässen seitens der Verwaltung hätten es die Entwürfe jedoch erst Anfang des Jahres in die Gremien geschafft. „Dann hat die Diskussion in der Bürgerschaft eine Eigendynamik entwickelt“, spielte Wagner auf die kritischen Stimmen in Sachen geplantem Querbau an. Denn der Siegerentwurf sieht ein neues Gebäude auf dem jetzigen Vorplatz vor. „Der Bahnhof ist bisher eher eine Randerscheinung, dabei soll er doch das prägende Gebäude sein“, erklärte Wagner den Sinn eines zusätzlichen Baus, der den Vorplatz in Richtung Süden hin einengen soll. „Er würde die große, ungeordnete Fläche strukturieren“, betonte der Fachmann.

Denn bislang sei für den Betrachter aus Norden optisch nicht klar, wo der Stadteingang ist. „Der Blick zerfließt in die große Öffnung zum alten Holzverladeplatz“, argumentierte Wagner.

Ebenfalls im Plan: Die Bahnhofsgaststätte soll verschwinden und den Zugang zu den Gleisen ermöglichen. Der Steg über die Schienen soll versetzt, verbreitert und mit einem Aufzug versehen werden. Die Bahnhofsstraße, die optisch dem neuen Platz angeglichen werden soll, wird schmäler, ebenso die Karlstraße. „Sie wäre dann nur noch von der Bahnhofstraße her befahrbar. Die Ausfahrt liefe über die Olgastraße“, so Wagner.

Wichtiger als der Blick stadtauswärts in Richtung Bahnhof sei ihm die Perspektive von Norden her. „Es muss klar sein, hier beginnt die Innenstadt“, betonte Wagner. An dem Punkt entfachte sich die Diskussion mit den Gästen. Besucher kämen überhaupt nicht von Norden her in die Stadt, so das Argument eines Gastes. Der Baudezernent erklärte: „Es geht uns dabei auch nicht so sehr um Touristen.“

Auch die Parkplätze am Bahnhof waren ein Thema, das mehrfach aufkam. Die verkehrsfreie Zone vor dem denkmalgeschützten Bahnhof kam zwar bei allen gut an. „Aber wir dürfen die Schönheit nicht über die Funktionalität stellen“, argumentierte Helga Zimmermann-Fütterer. Dass ein Neubau anstelle der alten Bahnhofsgaststätte kommen soll, war ein oft geäußerter Wunsch. Auch ihre Erhaltung wünschte sich ein Besucher.

Heinz Schwab, Vorsitzender des Balinger Bürgervereins, hinterfragte kritisch die Notwendigkeit der neuen Bebauung und vermutete gar, dass der Plan „ein Steigbügelhalter für einen Grundstückstausch“ zwischen dem Eigentümer der Bahnhofswirtschaft und der Stadt sei. „Sind wir auf dem richtigen Weg?“, fragte er und bekam Szenenapplaus.

Der Querbau hatte jedoch auch ausgesprochene Befürworter. „Der Platz war in der Geschichte des Bahnhofs sowieso noch nie so frei“, so das Argument eines Querbau-Fans.

Mehr Aufenthaltsqualität sollen Bäume und Bänke auf dem Vorplatz mit sich bringen, wenngleich ein Balinger anmerkte: „Der Bahnhof ist ein Platz, von dem ich möglichst flott wieder weg will.“

„Es ist noch überhaupt nichts entschieden“, betonte Michael Wagner abschließend. Er habe Verständnis für unterschiedliche Meinungen. „Es müssen auch nicht alle glücklich sein mit dem Ergebnis, es reicht, wenn es die meisten wären“, erklärte er. Generell sei schlicht zu bedenken: „Mit dem, was wir heute entscheiden, müssen wir die nächsten 50 Jahre leben.“

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