Wer im Urlaub zu Hause geblieben ist und seine Freizeit gern schwimmenderweise im Naturfreibad verbringen wollte, dem haben oft herbstliche Temperaturen den Spaß vermiest. "In den vergangenen Jahren war das Naturfreibad oft die Hälfte der Zeit geschlossen", berichtet Betriebsleiter Jürgen Perschke. Deshalb geht man in Winterlingen einen neuen Weg, der wirklich außergewöhnlich ist: Während anderswo die meisten Hallenbäder in der warmen Jahreszeit für mehrere Wochen zu machen, bleibt das Bad auf der Alb offen - als Notnagel sozusagen. Denn sollte das Wetter unbeständig und kühl sein, kann im Hallenbad zu den Öffnungszeiten des Naturfreibades geplanscht und geschwommen werden. Die Eintrittspreise sind gleich wie im Naturfreibad.

Wie immer beginnt die Freiluftsaison am 1. Juni. Anders als bisher steht das Freibad außerhalb der Ferienzeit von Montag bis Freitag jeweils von 13 bis 20 Uhr offen, samstags und sonntags von 10 bis 20 Uhr. Ab Donnerstag, 28. Juli, also zu Beginn der Schulsommerferien, macht das Bad täglich um 10 Uhr auf. Um spätestens 20 Uhr müssen die Badegäste das Gelände verlassen. Wer sich bei unsicherem Wetter darüber informieren möchte, welches Bad offen steht, kann auf die Internetseite www.winterlingen.de gehen oder bei den Bädern anrufen. Bis Dienstag, 31. Mai, hat das Hallenbad zu den üblichen Zeiten geöffnet. Und die lauten wie folgt: montags bis donnerstags von 17 bis 21 Uhr, samstags von 13 bis 20 Uhr und sonntags von 7 bis 13 Uhr.

Zur Zeit wird das Naturfreibad sommerfit gemacht. Der Bauhof hat das Wasser abgelassen und bringt demnächst auf dem Boden der Becken neuen Kies ein. Tatkräftige Männer des Fußballclubs Winterlingen haben im Vorfeld in mehreren Arbeitseinsätzen den alten Kies zu großen Haufen zusammengerecht. "Und damit unseren Bauhof entlastet", freut sich Jürgen Perschke. Neu ist außerdem die Einzäunung im Eingangsbereich.

Weil Sicherheitsauflagen des Gesundheitsamtes umgesetzt werden mussten, waren die Gemeindearbeiter in den vergangenen Wochen ganz schön gefordert. Die Duschen zum Schwimmerbereich und zum Kinder- und Nichtschwimmerbecken, die alle neu sind, wurden mit so genannten Durchschreitebecken und einer Umrandung aus Pflastersteinen versehen. Gleichzeitig erfolgte der Anschluss dieser Becken an die Kanalisation. Zu diesem Zweck rückten die Bauhofleute mit schwerem Gerät an. Zwischenzeitlich haben sie an den Stellen, wo gegraben werden musste, Rasen eingesät und die Platten neu verlegt. Der besondere Clou bei den Duschen ist, dass Perschke das Wasser erwärmen kann, wenn die Außentemperaturen dementsprechend kühl sind.

Bald werden auch die Becken des Bades gefüllt. "Wir brauchen dafür zwischen vier bis sechs Wochen", informiert Jürgen Perschke. In der Zeit bringt das Bäderpersonal die Duschen und die Umkleideräume auf Vordermann. Noch liegt überall Laub herum. Außerdem sind an der großen Rutsche kleinere Schäden zu beseitigen.

Seit über 80 Jahren gibt es das Naturfreibad. 1933 hatte der damalige Bürgermeister Otto Butz durchgesetzt, dass mit Hilfe des "Freiwilligen Arbeitsdienstes" der ehemalige Wetteweiher umgebaut wurde. Das Ufer wurde mit Steinen befestigt, ein Holzsteg gebaut und ringsum Hecken gepflanzt. Die Kosten beliefen sich auf 20 000 Reichsmark. Nicht alle Winterlinger waren mit dieser doch erheblichen Ausgabe einverstanden. Auch das Balinger Oberamt rügte seinerzeit das teure Vorhaben. Die feierliche Einweihung fand am 11. Juni 1933 statt.