Sigmaringen Ausstellung: Alltag von einst auf der Alb

Sigmaringen / SWP 20.07.2018
Studierende der Universität Tübingen präsentieren Botho Walldorfs Alltagsfotografien im Staatsarchiv Sigmaringen.

Botho Walldorf hat mit seinen Fotografien eine einzigartige visuelle Dokumentation über die Lebensweise auf der Schwäbischen Alb geschaffen. Rund 50 seiner im Staatsarchiv Sigmaringen verwahrten Fotografien sind vom 26. Juli bis zum 5. Oktober in der Ausstellung „Alltag auf der Alb“ im Staatsarchiv Sigmaringen zu sehen. Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 9 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Der umfangreich illustrierte Katalog ist im Buchhandel sowie in der Ausstellung für zwölf Euro erhältlich.

Entstanden ist die Ausstellung im Rahmen eines Projektseminars am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen in Kooperation mit dem Staatsarchiv Sigmaringen. Beteiligt waren 25 Studierende des Masterstudiengangs Medienwissenschaft unter der Leitung von Ulrich Hägele.

Im Laufe von fast 60 Jahren fotografierte Botho Walldorf rund 100 000 Bilder von der Hohenzollerischen Landesbahn, ihrer Umgebung und den Menschen der Region. Statistisch gesehen drückte er sieben Mal am Tag auf den Auslöser. Zusätzlich trug Walldorf auch aus sonst unzugänglichen Privatschatullen Fotografien von Menschen, Gebäuden und Landschaften zusammen.

Mit dem Fotografieren begann er 1960. Einer seiner Lehrer hatte erkannt, dass die relativ ursprünglich erhaltene dörfliche Welt, wie sie damals existierte, bald nicht mehr sein würde. So führten Walldorfs erste Fotoexkursionen mit seiner Dacora Dignette-Kleinbildkamera durch seine Heimatgemeinde Gammertingen: Er fotografierte alte Gassen, Wirtshausschilder und Bauernhäuser. Wie so viele Jungen seines Alters träumte Walldorf davon, Lokführer zu werden. Er hatte das Glück, eine richtige Eisenbahn direkt vor seiner Haustüre zu haben: schnaubende Dampfloks, grün gestrichene Waggons, Gleisanlagen und einen Bahnhof. Walldorf erkannte die neuen visuellen Möglichkeiten, wenn Landschaft, Bahnarchitektur und die Eisenbahn im Bild verknüpft werden. Nach und nach wurde er ein Meister im Aufspüren und Dokumentieren von Artefakten des Alltags, von denen sonst niemand Notiz nahm.

Mit der Zeit entfernte sich Walldorf von der Bahn und näherte sich mit seinem Objektiv immer mehr dem Alltag in Dorf und Stadt. Mit seinem offenen und verbindlichen Naturell gelang ihm der Zugang zu den Menschen und damit ins Innere der ältesten Gebäude in und um Gammertingen. Er fotografierte die Bewohner zwischen Holzherd, Resopal-Tisch und Einmachgläsern. Den letzten Pferdepflug oder die urigen Ochsenkarren hielt Walldorf als Beispiele für die traditionelle Lebensweise auf der Alb fest – Alltag auf dem Land, das hieß lebenslanges Arbeiten in einer dörflich geprägten Welt.

Drei weitere Stationen der Ausstellung

Nach der Präsentation im Staatsarchiv Sigmaringen macht die Ausstellung „Alltag auf der Alb“ 2018 und 2019 auch noch in Dettenhausen, Gammertingen und Wannweil Station.

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