Kirche Ausstellung „Evanglisch in Hohenzollern“ macht Halt in Ebingen

Arbeiten bei den Vorbereitungen Hand in Hand (v.l.): Pfarrer Walter Schwaiger, Büchereileiterin Christine Widmann-Simon und Stadtarchivarin Dorothea Reuter.
Arbeiten bei den Vorbereitungen Hand in Hand (v.l.): Pfarrer Walter Schwaiger, Büchereileiterin Christine Widmann-Simon und Stadtarchivarin Dorothea Reuter. © Foto: Dagmar Stuhrmann
Ebingen / Dagmar Stuhrmann 26.01.2017

Wer über den württembergischen Tellerrand in hohenzollerische Lande hinüberblickt, kann durchaus eine Überraschung erleben: „Beim Besuch eines evangelischen Gottesdienstes beispielsweise in Sigmaringen oder Haigerloch kann man fast den Eindruck bekommen, man sei in einer katholischen Kirche“, sagt Pfarrer Walter Schwaiger von der Ebinger Martinskirchengemeinde schmunzelnd. Woran das liegt? Anders als in Altwürttemberg, also zum Beispiel in Ebingen, hat sich in Hohenzollern der Messgottesdienst nach preußischem Vorbild als übliche Gottesdienstform erhalten, der, wenn man so will, mit einer etwas üppigeren Liturgie verbunden ist. In den altwürttembergischen Städten wie Ebingen hingegen hat sich aus verschiedensten Gründen der Predigtgottesdienst durchgesetzt.

Ein Blick in die Geschichte: Im Herzogtum Württemberg, das 1534 evangelisch geworden ist, steht im Gottesdienst die Predigt im Zentrum. Anders als Württemberg, schlossen sich die Nachbarn im Fürstentum Hohenzollern der Reformation nicht an. „Dort blieb man altgläubig, also katholisch“, erklärt Pfarrer Schwaiger. Mit der Angliederung an Preußen 1850 entstanden in der Folge evangelische Kirchengemeinden im katholischen Hohenzollern. Pfarrer Schwaiger und Stadtarchivarin Dorothea Reuter sind Experten, wenn es um die Reformation und das Evangelischwerden an sich geht.

Was hat es mit dem preußischen Erbe der Hohenzollern auf sich? Wieso haben evangelische Gemeinden im Norden Deutschlands später auf die lutherische Form der Messe umgestellt, während man in den hohenzollerischen Gemeinden bis heute bei der preußischen Messform blieb? „Das Eintauchen in diese komplexe Thematik hilft einem auch, den Zollernalbkreis besser zu verstehen“, sagt Dorothea Reuter.

Wenn sie und Pfarrer Schwaiger aus dem Nähkästchen plaudern, wird es auf jeden Fall spannend. So lässt sich die bevorstehende Ausstellung in den größeren Zusammenhang einbetten: Das Reformationsjubiläum ist für den Evangelischen Kirchenbezirk Balingen und das Staatsarchiv Sigmaringen Anlass, an die Besonderheit evangelischen Lebens im deutschen Südwesten zu erinnern. Die Ausstellung „Evangelisch in Hohenzollern“ dokumentiert die Geschichte der Protestanten und ihrer kirchlichen Organisation im katholischen Hohenzollern von den Anfängen – durch die 1850 erfolgte Angliederung an Preußen – bis zur Eingliederung der hohenzollerischen Kirchengemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg in die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Die Ausstellung wird in zehn Gemeinden im Kirchenbezirk gezeigt und macht ab 8. Februar in Ebingen Station. Federführend für die Präsentation sind die Stadtbücherei, in deren Räumen die Ausstellung aufgebaut wird, die Heimatkundliche Vereinigung und die Evangelische Kirchengemeinde. Im Begleitprogramm zur Ausstellung sind zwei Vorträge geplant: Am Mittwoch, 1. März, 19.30 Uhr, wird Dr. Walter Stäbler aus Neckartenzlingen über Philipp Matthäus Hahn sprechen (Ort: Stadtbücherei). Am Montag, 20. März, ebenfalls 19.30 Uhr, widmet sich Prof. Dr. Sabine Holtz aus Stuttgart im Gemeindehaus Spitalhof dem Thema „Reformation in Württemberg“.

Info Die Ausstellung „Evangelisch in Hohenzollern“ wird am Mittwoch, 8. Februar um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei in Ebingen eröffnet und läuft dann bis zum Freitag, 24. März. Den Einführungsvortrag am 8. Februar hält Dr. Volker Trugenberger vom Staatsarchiv in Sigmaringen.

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