Das Zollernalb-Klinikum hat eine Strategie entwickelt, mit der dem Pflegenotstand entgegengewirkt werden soll: Die Anzahl der Plätze für die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger wird aufgestockt. Außerdem will das Klinikum Quereinsteiger animieren, den Schritt in den Pflegeberuf zu wagen. Der Bedarf an Pflegekräften ist groß. Gleichzeitig ist jedoch, wie die Pflegedirektorin des Zollernalb-Klinikums, Blerta Muqaku, am Montag im Rahmen eines Pressegesprächs sagte, auch der Wettbewerb zwischen den Kliniken in diesem Bereich inzwischen sehr groß.

Sarah Binanzer ist eine klassische Quereinsteigerin. Die 27-Jährige, die aus dem Raum Böblingen stammt, ist gerade dabei, das Pflegekraftexamen abzulegen. Dabei hatte sie ursprünglich ganz andere Pläne: Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Doch dann hat sie sich entschieden, einen Neuanfang zu wagen. Sie habe eigentlich schon immer mit der Pflege geliebäugelt, erzählt sie. Nach der Bankausbildung habe sie dann endgültig gemerkt, dass sie sich nicht vorstellen konnte, ihr ganzes verbleibendes Arbeitsleben mit Beratung und Verkauf von Papieren zu verbringen.

„Es war eine Herzblut-Entscheidung“, sagt Sarah Binanzer. Der Umgang mit den Patienten ist das, was ihr Spaß macht und was sie schließlich auch veranlasste, den Schritt, in die Pflege zu wechseln, zu wagen. Die fundierte Ausbildung ist ein Punkt, der ihr wichtig ist: „Man lernt in den drei Jahren, wie man richtig auf die Patienten eingeht.“ Ein oft gehörtes Argument, das gegen Pflegeberufe ins Feld geführt wird, ist die schlechte Bezahlung. Doch das lässt Sarah Binanzer nicht gelten. „Ich verdiene jetzt mehr, als ich als Bankkauffrau verdient habe.

Die Schichtarbeit ist ein weiterer Punkt, der die Pflege nicht attraktiv erscheinen lässt. Das müsse man aber differenzierter sehen, erklärt Ulrike Treuz, Leiterin der Station 2 A/B am Klinikstandort Albstadt. „Wir haben Kolleginnen, denen die Nachtschichten sehr entgegen kommen, weil sie dann eben tagsüber frei haben“, sagt sie. Es komme eben auf die individuellen Lebenspläne an. Die Zielgruppe, die sich von dem Quereinsteiger-Modell angesprochen fühlen sollte, ist die Generation 35 plus. „Ich könnte mir vorstellen, dass viele junge Mütter wieder ins Berufsleben zurückwollen“, sagt Blerta Muqaku. „Ein Team profitiert immer davon, wenn es eine altersmäßige Mischung gibt“, bestätigt auch Ulrike Treuz.

Sie machte ihre Krankenschwesternausbildung 1977 bis 1980. Nach der Geburt ihres Kindes machte sie ein Jahr Pause. Seitdem arbeitet sie 100 Prozent. Ihr Werdegang zeigt, dass es in der Pflege Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Seit 1992 hat Ulrike Treuz die Stationsleitung inne. Dass sie nicht, wie sie es geplant hatte, Sportlehrerin wurde, sondern Krankenschwester, hat sie nie bereut. „Es ist ein sehr schöner, anspruchsvoller, verantwortungsvoller und abwechslungsreicher Beruf“, sagt sie. Man müsse sich jeden Tag auf neue Situationen, Menschen und Gegebenheiten einstellen.

„Wenn man zufrieden ist mit seiner Arbeit, dann sind das Geld und der Schichtdienst auch gar nicht mehr so wichtig.“

Informationen rund um die Ausbildung


Wer mehr Infos möchte, kann sich an die Pflegedirektorin wenden: blerta.muqaku@zollernalb-klinikum.de.