Lautlingen / DAGMAR STUHRMANN  Uhr
Im Schloss fühlte er sich wohl: Der Sommersitz der Familie war für den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Zufluchtsort. Noch heute findet man in Lautlingen deutliche Spuren seiner Familie.

Wenn Geschichte an irgendeinem Ort greifbar wird, dann in Lautlingen: Die liebevoll gestaltete Gedenkstätte im Schloss ermöglicht dem Besucher einen tiefen Einblick in die Zeit, als die Familie Stauffenberg das Haus bewohnte - zeitweise zumindest. Das Lautlinger Schloss war der Sommersitz, an dem Claus und seine Brüder Berthold und Alexander einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend verbrachten. "Wann immer er konnte, wanderte er ausgiebig oder streifte in den Wäldern rings um Lautlingen umher", schreibt der Lautlinger Chronist Heiko Peter Melle über Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Dem Engagement des Hobby-Heimatforschers ist es zu verdanken, dass in der 2007 eröffneten Gedenkstätte zahlreiche Familienfotos zu sehen sind. Sie zeigen die noch kleinen Stauffenberg-Brüder am Springbrunnen im Schlossgarten, den heranwachsenden Claus mit seinem Cello, dazu Schnappschüsse mit Gästen auf der Freitreppe - unter anderem vom Besuch der württembergischen Königin Charlotte, mit der Claus" Mutter, die in Lautlingen sehr beliebte Gräfin Caroline, eine enge Freundschaft verband.

Als junger Mann hatte sich Claus im so genannten Teeturm ein Studierzimmer eingerichtet. Im Rahmen der Führungen durch die Gedenkstätte können Besucher auch einen Blick in diesen Turm werfen. Immer wieder suchte Claus Schenk Graf von Stauffenberg die Ruhe und Abgeschiedenheit des Sommersitzes: Im April 1943 wurde er bei einem Tieffliegerangriff schwer verletzt. Er verlor ein Auge, die rechte und zwei Finger der linken Hand. Zur Genesung kam er nach Lautlingen. Ein Foto, das ihn mit Augenklappe zusammen mit seinen Kindern zeigt, erinnert an diese Tage. Hier machte er sich auch im Sommer 1943 mit seinem Bruder Berthold Gedanken darüber, wie Deutschland nach einem Attentat auf Hitler aussehen könnte - so entstanden die "Lautlinger Leitsätze".

Wenn Ursula Eppler, die Gruppen durchs Schloss führt, anfängt, vom Leben der Stauffenbergs zu erzählen, hängen die Besucher gebannt an ihren Lippen. "Sie macht das mit Herzblut und großem Wissen", lobt Susanne Goebel, Leiterin der Museen Albstadts. "Es ist mir besonders wichtig", sagt Ursula Eppler, "dass die jungen Menschen, die hierher kommen, erfahren, wie das Leben im Nationalsozialismus war - dass einen schon eine falsche Äußerung das Leben kosten konnte."

Nach dem gescheiterten Attentat und Claus" Tod wurden zahlreiche Familienmitglieder "abgeholt". Als der Krieg vorbei war, kamen diejenigen, die überlebt hatten, wieder in Lautlingen zusammen. So lebte etwa auch Claus" Witwe Nina mit den Kindern bis in die 50er Jahre hinein in Lautlingen. 1970 wurde das Schloss an die damals noch selbstständige Gemeinde Lautlingen verkauft, heute befindet es sich im Eigentum der Stadt Albstadt.

Das Geschehen rund um das missglückte Attentat am 20. Juli 1944 beschäftigt noch heute die Historiker. Das Thema wurde auch mehrfach verfilmt. Selbst Hollywood hat sich an dem Stoff versucht und hat - was wegen dessen Engagement als Scientologe nicht unumstritten war - Superstar Tom Cruise die Hauptrolle in dem Streifen gegeben. Der Film mag das Seine dazu beigetragen haben, dass das Interesse an der Person Stauffenberg auch fast 70 Jahre nach seinem Tod nicht nachlässt: Der frühere Sommersitz der Familie Stauffenberg, das Lautlinger Schloss, gehört zu den meistbesuchten Museen in Albstadt. Alljährlich kommen zwischen 6000 und 7000 Besucher auf Spurensuche ins Schloss nach Lautlingen.