Winterlingen / Von Gudrun Stoll  Uhr
Das Naturfreibad in Winterlingen wird fit gemacht für die Sommersaison. Saisoneröffnung ist am 1. Juni.

Allein der Anblick des leergepumpten Beckens ist ungewohnt und vermittelt eine ungefähre Ahnung von der tatsächlichen Dimension des Naturbades, das mit einigen Besonderheiten, Pluspunkten und – um es in der modernen Sprache der Touristiker zu sagen – Alleinstellungsmerkmalen aufwarten kann. Mit einer Wasserfläche von über 10 000 Quadratmetern gilt das Winterlinger Freibad als das größte Naturfreibad in Süddeutschland und dürfte in einer Lage von 798 Metern über Normalnull zumindest in der Region auch einen Höhenrekord halten.

Im Naturfreibad sind außerdem Bewohner zu Hause, die unter strengstem Schutz stehen: In der Hermann-Frey-Straße 7 befindet sich eines der größten Kammmolchbiotope Süddeutschlands. Aus einer Höhenlage von knapp 800 Metern sei deutschlandweit keine ähnlich große Population bekannt, erhalten die Freibadbesucher am Schwarzen Brett Auskunft, wer mit ihnen das chlorfreie Wasser teilt. Die menschlichen Wasserratten und die scheuen Lurche kommen bestens miteinander aus.

Aber wehe, ein Amphibienfreund käme auf die Idee, einen der Kammmolche zu stibitzen. Wer erwischt wird, „dem drohen bis zu 5000 Euro Strafe“, warnt Schwimmmeister Juan Garcia vor Leichtsinn und Übermut. Im Gewässer leben neben den Wasserdrachen auch Teichmolche und eine von den Naturschützern ebenfalls als bemerkenswert eingestufte Population an Bergmolchen.

Zurück. Wie zieht man an einem Freibad, das 12 000 Kubikmeter Wasser fasst, den Stöpsel? Juan Garcia schmunzelt bei diesem Vergleich mit der Badewanne im Eigenheim und klärt auf: Das Winterlinger Naturbad ist unterirdisch über Rohre mit dem Wasserleitungsnetz der Gemeinde verbunden. Wenn der Frühjahrsputz ansteht, wird das Wasser ganz langsam abgelassen – auf der Kläranlage soll es ja schließlich keine Überflutung geben. Dieser Prozess „dauert gut zwei Wochen“, informiert der 60-jährige Schwimmmeister, der seit vorigem Jahren in Diensten der Gemeinde steht und sich keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen kann.

Völlig leergepumpt wird das Bad nicht. „Wir benötigen kleine Tümpel, damit sich die Mikroorganismen für das Feuchtbiotop aufbauen können“, informiert Garcia. Die Molche sind durch das Ablassen des Wassers nicht gefährdet, sie überwintern auf den nahen Wiesen und in so manchem Keller und kehren erst im Frühjahr zur „Hochzeit“ in die Gewässer und zu ihren Laichplätzen zurück.

Nach dem Frühjahrsputz wird das Becken wieder mit 12 000 Kubikmeter frischem Wasser aus dem Kanalnetz gefüllt. Das dauert vier Wochen, denn allzu schnell werden auch bei diesem Prozess die Schleusen nicht geöffnet – es soll in den Straßenzügen rund ums Freibad ja keinen Druckabfall in den Hausleitungen geben. Ist es noch zeitgemäß, Jahr um Jahr eine solch große Menge an Wasser auszutauschen? Wo bleibt der Nachhaltigkeitsgedanke?

Das Bad in Winterlingen verfügt, anders als das Naturbad in Tailfingen, über keinen Regenerationsteich, in dem das Badewasser auf biologischem Wege von Schmutzpartikeln befreit wird und gereinigt in das große Becken zurückfließt. Aber Juan Garcia will einen Versuch starten und, sofern alle Verantwortlichen und Entscheidungsträger mitwirken, in diesem Jahr den Stöpsel drin lassen. Vorausgesetzt, die gezogenen Wasserqualitätsproben lassen dies zu.

Saisonstart ist am 1. Juni

Das Winterlinger Naturfreibad startet seit vielen Jahren am 1. Juni in die Saison. Diese dauert bis zum 31. August. Die Badegäste können Luftmatratze oder Schlauchboot mitbringen. Auf der Liegewiese befindet sich ein Beachvolleyballfeld, es gibt einen Spielplatz, Tischtennisplatten und so viele Schatten spendende Bäume, dass die Besucher „eigentlich gar keinen Sonnenschirm mitbringen müssen“, berichtet Juan Garcia.
In der Saison 2019 gibt es auch eine Neuerung: Im Brunnen inmitten des Badesees wird gepulst eine Wasserfontäne in die Höhe schießen. Ein Hingucker, der das Wasser aber auch mit Sauerstoff anreichert, was den Schwimmmeister hoffen lässt, dass sich die Wasserqualität künftig über zwei Jahre halten lässt.
Ändern werden sich in diesem Jahr die Öffnungszeiten: Das Winterlinger Naturbad hat täglich von 11 Uhr bis 19 Uhr geöffnet, in den Schulferien und am
Wochenende von 10 bis 20 Uhr.

Gesundheitsamt überwacht

Das Naturfreibad wird, wie die weiteren vier Badeseen im Zollernalbkreis, als EU-Badegewässer durch das Gesundheitsamt regelmäßig überwacht. Der mikrobiologische Zustand im Naturfreibad Winterlingen, am Schömberger Stausee, am Oberdigisheimer Stausee, am Fromerner Schiefersee und am Rangendinger Stausee wird schon seit Jahren als ausgezeichnet eingestuft. Für die Überprüfung aller Gewässer in Baden-Württemberg sind die jeweiligen Gesundheitsämter der Landkreise zuständig.