Albstadt Albstadt ist sein Lebenswerk

Mitten im Geschehen: Der ehemalige Albstädter Bürgermeister (links) Hans Hoss war Staatsmann und Mann des Volkes gleichermaßen. Archivfoto
Mitten im Geschehen: Der ehemalige Albstädter Bürgermeister (links) Hans Hoss war Staatsmann und Mann des Volkes gleichermaßen. Archivfoto
Albstadt / HOLGER MUCH 28.12.2013
Er war einer der ganz Großen der Albstädter Stadtgeschichte: Dr. Hans Hoss, einer der Väter Albstadts, letzter Ebinger Oberbürgermeister, erster Albstädter Oberbürgermeister, und Ehrenbürger ist gestorben.

Die Nachricht sorgt seit gestern in Albstadt für Trauer und Bestürzung: Mit Dr. Hans Hoss ist ein wahrhaft großer Bürger dieser Stadt von uns gegangen, ein Politiker mit Visionen und hehren Zielen, ein Staatsmann und Mann des Volkes gleichermaßen. Einer, der wie sonst kaum ein anderer Spuren hinterlassen hat, nicht nur in den heute noch wirkenden Taten, sondern auch in den Herzen der Menschen. Dr. Hans Hoss, der Ende August noch seinen 90. Geburtstag feiern konnte, verstarb in der Nacht von Donnerstag auf Freitag.

Neben allen großen, wegweisenden kommunalpolitischen Leistungen - und hier sei zuvorderst das Mitwirken an der Schaffung Albstadts genannt -, wird Dr. Hans Hoss jenen, die ihn kannten, als groß- und warmherziger Zeitgenosse in bester Erinnerung bleiben, als Mensch, dem "Humanitas", also Menschlichkeit, immer oberster Grundsatz war - ob in höchsten Kreisen oder auf Augenhöhe mit den Bürgern seiner Stadt.

Dr. Hans Hoss wurde am 30. August 1923 in Vaihingen an der Enz als Sohn eines Landrates geboren. Man kann also durchaus sagen, dass ihm die Politik mit diesem familiären Hintergrund sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied er sich für das Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg. Nach beruflichen Stationen in den Landratsämtern von Schwäbisch Hall und Heilbronn bekam er 1955 einen Posten im Bonner Innenministerium.

Im Jahr 1958 heiratete er seine Frau Margarethe. Drei Jahre später, 1961, trat der damals in Ebingen unbekannte Oberregierungsrat aus dem Bonner Innenministerium die Nachfolge von Walther Groz als Ebinger Oberbürgermeister an - die Ebinger schenkten dem Zugereisten im ersten Wahlgang ihr Vertrauen, so wie sie es acht Jahre später erneut taten. So lenkte Dr. Hans Hoss mit Sachverstand, Scharfblick und mit der in seinem Zusammenhang immer wieder erwähnten Menschlichkeit bis 1975 die Geschicke seines Ebingens. Es sind Begriffe wie "nobel" und "fein", mir denen er oft beschrieben wird.

In die "Ära Hoss" fiel die große Verwaltungsreform, die sowohl den Landkreisen als auch den Gemeinden ein neues Gepräge geben sollte. Dr. Hans Hoss war Mitglied in einer der Kommissionen zur Vorbereitung dieser am 1. Januar 1973 in Kraft getretenen Verwaltungsreform. So war er nicht nur der letzte Ebinger Oberbürgermeister, sondern auch der erste Albstädter Oberbürgermeister.

Denn er war es, der seinerzeit zusammen mit seinem Tailfinger Bürgermeisterkollegen Horst Kiesecker den Zusammenschluss von Ebingen und Tailfingen sowie der sieben anderen, heutigen Albstädter Teilgemeinden initiierte und verwirklichte. Eine "Liebesheirat" sei das damals nicht gewesen, räumte der Stadtvater ein. Aber gut durchdacht, wohl geplant und "vollauf gelungen". Der damalige Innenminister Dr. Thomas Schäuble lobte: "Es ist hauptsächlich Ihr Verdienst, dass im Rahmen der Gemeinde- und Gebietsreform durch die freiwillige Vereinigung der Städte Ebingen und Tailfingen sowie drei weiterer Gemeinden zum 1. Januar 1975 die Stadt Albstadt entstehen konnte."

Ein halbes Jahr bekleidete Dr. Hans Hoss das Amt des Albstädter Oberbürgermeisters, das er aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter führte. Sein Nachfolger wurde Hans Pfarr. Dr. Hans Hoss wurde an die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung berufen und 1982 zum Professor ernannt. Der Kommunalpolitik blieb er lange treu: bis zum Jahre 1994 saß er als Mitglied der Freien Wähler im Kreistag, am Ende desselben Jahres gab er den Vorsitz des Regionalverbandes Neckar-Alb ab. Seine außerordentlichen Leistungen wurden mehrfach ausgezeichnet: so erhielt er 1975 das Bundesverdienstkreuz. 1995 wurde er mit dem Bundesverdienstorden 1. Klasse ausgezeichnet. Zudem ist Dr. Hans Hoss Ehrenbürger von Ebingen. Gesundheitlich geht es ihm seit Jahren nicht so gut. Nach einem Schlaganfall und weiteren gesundheitlichen Einschränkungen hatte sich sein Lebensradius stark eingeschränkt.

Die Feier zur Erdbestattung findet kommenden Montag, 30. Dezember, um 14 Uhr auf dem Ebinger Friedhof statt.

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