Stetten a.k.M / SUSANNE GRIMM Wären sie dazu in der Lage gewesen, hätten die Heiligenfiguren in Stettens katholischer Kirche große Augen gemacht, als am Freitag Kathy Kelly mit den "GloryFires" und den Zollerlandchören ein Konzert gab.

Was es beim Konzert von Kathy Kelly zu hören und zu erleben gab, war eine Wucht in Musikalität, Akustik und Stilrichtungen. Kathy Kelly, die Grand Dame des Folk-Pops, Frontfrau und Kopf der legendären Kelly-Family, hatte ihr Publikum in der nur zu zwei Dritteln ausverkauften St.-Mauritius-Kirche, schon nach dem ersten Lied gefangen genommen. Die Vollblutmusikerin mit der unglaublich wandlungsfähigen Stimme riss mit ihren Liedern die Menschen vom Fleck weg mit und zu Begeisterungsstürmen hin.

Die Sängerin faszinierte mit unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen, wobei sie das Ursprüngliche und Landestypische der jeweiligen Region sowohl in Stimme als auch im Ausdruck authentisch zu vermitteln verstand. Mal war sie heiße Flamencotänzerin, die spanisches Feuer hoch auflodern ließ, dann wieder kam die melancholische Irin zum Vorschein. Gospels, Blues, Spirituals, klassische Arien und Stücke von Andrew Lloyd Webber gehörten ebenso zu ihrem Repertoire, wie geistliche Musik, die sie auf ihre eigene Weise interpretierte. Natürlich fehlte auch der eine oder andere Kelly-Hit nicht, wie beispielsweise das berührende "Angel".

Einer der Höhepunkte war zweifellos das "Halleluja" von Leonard Cohen. Als die Mezzosopranistin diesen unter die Haut gehenden Song ankündigte, ging ein erwartungsvolles Aufstöhnen durch das Gewölbe der ehrwürdigen St.-Mauritius-Kirche, die eine solche Lautäußerung wohl noch nie vernommen hatte. Außerdem ließen Stimmvolumen und Rhythmik im Verbund mit den Begeisterungskundgebungen des Publikums sowohl die Gehörgänge als auch das Kirchenschiff erbeben, so dass beinah zu befürchten war, dass das erst kürzlich sanierte Gemäuer neuerlich Risse erleiden könnte.

Die Besucher jedenfalls focht das nicht an, sie waren hin und weg, zumal auch der Stettener Gospelchor "GloryFires" unter der Leitung von Anton Roggenstein zu Beginn des Konzerts und in der Mitte mit eigenen Beiträgen begeisternde Akzente setzte. Glanzvoller Höhepunkt und grandioser Schlussakkord des großartigen Konzerts war der gemeinsame Auftritt der Zollerlandchöre unter der Leitung von Josef Hutt, den "GloryFires" und Kathy Kelly. Neben der großen Musikerin gab es aber noch einen heimlichen Star, wenn auch ein kleiner. Doch gerade das machte den kleinen Stern namens Marlene Halder zu einem unübersehbaren Blickfang. Die eifrig auch komplizierte Melodien und Texte mitsingende Sechsjährige ist das jüngste Chormitglied der "GloryFires". Kathy Kelly war von der Kleinen sehr angetan, denn Marlene war schon immer mit dabei. Wenn Mama und ihre Geschwister zum Singen gingen, nahmen sie Baby Marlene jedes Mal mit. "Wie bei den Kellys", freute sich Kathy Kelly.