Balingen "Wir wollten ihm nur Angst machen"

Balingen / LYDIA WANIA 24.10.2015
Zu dritt sollen sie den Vater eines Kumpels in Balingen zusammengeschlagen haben. Einer der mutmaßlichen Täter steht seit Donnerstag vor Gericht.

Mehrere Faustschläge ins Gesicht und Tritte gegen den Körper - im September 2013 sollen drei Männer in ein Haus in einem Balinger Vorort eingebrochen sein und den Bewohner brutal zu Boden geschlagen haben. "Wir wollten ihm eigentlich nur Angst machen", sagte einer der mutmaßlichen Täter vor dem Hechinger Landgericht aus. Daraus sei dann aber mehr geworden. Er ist wegen schwerer Körperverletzung angeklagt.

Ein Kumpel, der Sohn des Opfers, habe ihn angerufen und um Hilfe gebeten, so der 30-jährige Angeklagte. Der Vater soll die Mutter geschlagen haben und deshalb eingeschüchtert werden, so dass dieser das nie wieder tue und die Familie in Ruhe lasse.

Gemeinsam mit einem weiteren Bekannten, dessen Identität nicht geklärt werden konnte, fuhren die drei mutmaßlichen Täter von He- chingen nach Balingen. Maskiert brachen sie durch ein Fenster in das Haus des Vaters ein, erzählte der Angeklagte. Seine Aufgabe sei es gewesen, die Situation abzusichern. Nur die beiden anderen hätten geschlagen, so der 30-Jährige.

"Das glaube ich Ihnen nicht", sagte der Vorsitzende. In einem vorherigen Gutachten hatte der Angeklagte bereits gestanden, auch zugeschlagen zu haben. "Ich bin mir da nicht mehr 100 Prozent sicher", erwiderte der Mann dann.

Das Opfer ging bei dem Übergriff zu Boden und erlitt erhebliche Frakturen im Gesicht sowie eine Gehirnerschütterung. Der Sohn des Verletzten kann nicht mehr vernommen werden. Er ist gestorben, wurde jedoch zuvor noch vom Amtsgericht befragt. Damals gab er an, dass er die Beobachterrolle eingenommen hätte und der jetzt Angeklagte sowie der andere Täter zugeschlagen hätten.

Der 30-Jährige schilderte vor Gericht, dass er während der Zeit heroinabhängig gewesen sei. Zudem konsumierte er mehrmals täglich illegal Substitutionsmittel. Auch am Tattag löste er entsprechende Tabletten auf und spritzte sie sich während der Arbeit in einer Bodelshausener Firma auf der Toilette.

Der Angeklagte ist deutscher Staatsbürger und zog im Alter von sechs Jahren von Kasachstan nach Raststatt und dann nach Hechingen. Er ist einschlägig vorbestraft Schon ab der dritten Klasse wurde er verhaltensauffällig. Kam in mehrere Erziehungseinrichtungen, weil er die Schule nicht mehr besuchte und immer wieder straffällig wurde.

Im Jahr 2003 wurde er zu einer zehnjährigen Jugendhaftstrafe wegen Mordesin Tateinheit mit schwerem Raub verurteilt. Damals prügelte er sammen mit zwei Freunden einen alkoholisierten Mann in Hechingen auf brutalste Art und Weise zuTode, um an sein Geld zu kommen. Das Gericht sah es als wiesen an, dass der heute 30-Jährige der Initiator und Urheber der Tat war.

Welche Rolle der Angeklagte in dem aktuell verhandelten Fall spielte, sollen zwe weitere Verhandlungstage am Hechinger Landgericht klären. Die Fortsetzung soll am Montag, 2. November, um 8.30 Uhr stattfinden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel