Wer an eine Miss Germany denkt oder sich die Schönheitsköniginnen der vergangenen Jahre anschaut, dem fällt auf: Sie alle haben Supermodelmaße, entsprechen den klassischen Schönheitsidealen.

Mit dem Motto „Empower authentic women“, also authentischen Frauen Macht zu geben, will der Wettbewerb in diesem Jahr nicht mehr nur allein das Aussehen in den Fokus rücken.

Lelia König will mit ihrer Persönlichkeit punkten

Frauen sollen eine Geschichte zu erzählen haben. An dieser Stelle fühlte sich Lelia König angesprochen.

Die 24-Jährige, die aus Meßstetten stammt und im fünften Semester in Jena studiert, tritt deshalb bei der Miss-Germany-Wahl für das Bundesland Thüringen an.

Online-Voting läuft bis Montagabend

Sie hatte sich wie rund 7500 andere im Frühjahr online beworben und ihre Geschichte erzählt. Damit hat sie es unter die 16 Finalistinnen für Thüringen geschafft und ist im Online-Voting bis Montag, 17 Uhr, auf ihre Fans, Freunde und Bekannten angewiesen, die täglich für sie abstimmen können, egal wo sie wohnen.

Dass sie wirklich Miss Germany wird, glaubt König aber nicht. „Ich schätze meine Chancen sehr gering ein, da ich mit den anderen Frauen sehr wenig gemeinsam habe“, sagt die 24-Jährige.

Was König von den anderen unterscheidet

Denn Schminke besitzt sie nicht, kam auch nicht mit einem Koffer voller neuer Kleidung angereist. Mit ihrem Äußeren ist die junge Frau, die Radrennen fährt und über den Sport darüber bloggt, aber zufrieden.

Denn dazu kommen noch Krafttraining, Joggen, Schwimmen und Bouldern, sagt König.

Sie wollte eine Veränderung

Ihre Geschichte ist keine gewöhnliche. 2017 hatte sie beschlossen, dass es Zeit für eine Veränderung ist: „Ich habe mich damals in meinem Job als Bankerin nicht wohl gefühlt, selbst in meiner Freizeit war ich dadurch ständig schlecht gelaunt.“

Nun studiert sie in Jena (Thüringen), hat ein Startup-Unternehmen gegründet und sagt: „Mein Studium habe ich voll auf meine Interessen ausgelegt und bin auf den Studiengang Sportmanagement gestoßen. Mit meiner Euphorie, spontan eine wichtige Entscheidung zu treffen, habe ich auch meinen Partner angesteckt. Ich wollte mehr als den typischen Weg, mit Schule, Studium und Arbeit bis zur Rente.“

Ihre Kernbotschaft als Miss-Germany-Kandidatin: „Was ich euch mitgeben möchte, ist, euch nicht mit dem Standard zufrieden zu geben. Spring und das Netz wird kommen, wage und gewinne. Mach deine Träume wahr!“

Was Thüringen für sie attraktiv macht

Vor ihrem Studium war sie weder in Jena, noch jemals in Ostdeutschland und trotzdem war sie eigenen Angaben zufolge direkt angetan von Thüringen und speziell Jena. „Denn Thüringen war für mich der optimale Ort, um meinen Radsport intensiv auszuüben“, sagt König auf der Webseite der Miss-Wahl.

Sie sieht sich aber noch immer auch als Meßstetterin, ist alle sechs bis acht Wochen auf der Alb, um Freunde und Familie zu sehen. Ihr Erstwohnsitz ist jedoch Jena, deshalb auch die Kandidatur für Thüringen.

Harte Kritik an der Wahl

Vor einigen Wochen war König im Vorfeld des Votings als Bundeslandfinalistin in Hamburg – mehr um den Tag dort mit ihrem Freund zu genießen, nicht mit absolutem Ehrgeiz.

Denn ihr gefällt nicht alles an dem Wettbewerb: „Die Welt dort war meiner Meinung nach sehr künstlich“, sagt König. Bei der Recherche der insgesamt 255 anderen Teilnehmerinnen, sei ihr aufgefallen, wie viel Schönheitsbehandlungen diese „Natürlichkeit“ brauche.

Von Werbung zum Lippenaufspritzen bis hin zu Brust-OPs könne man alles finden, sagt König. Dass die Teilnehmerinnen dann dazu motivieren wollen, sich selbst treu zu bleiben: „Für mich ein Widerspruch.“

König sieht wenig Veränderungen

Von dem Motto hatte sie mehr erwartet, möchte den Teilnehmerinnen anderen Frauen die Erfahrung, die man bei dem Wettbewerb sammeln könne, aber nicht im Voraus ausreden.

Viel geändert habe sich zu den Vorjahren aber nicht, meint König. Bis auf die Tatsache, dass das Bademoden-Schaulaufen weggefallen sei.

Bei einem Fotoshooting für einen Katalog für einen Sponsor habe man(n) dann „überraschenderweise“ die Mädels mit Modelmaßen ausgewählt, sagt König augenzwinkernd. Das steht nicht im Einklang mit dem Motto, findet König.

Bis König zur (Schönheits-)Königin werden kann, muss sie aber noch zwei Hürden überspringen: Zehn Kandidatinnen schaffen es aus dem Online-Voting in die nächste Runde, acht davon werden von den Fans bestimmt, zwei weitere unter anderem wegen ihrer Persönlichkeit ausgewählt, heißt es.

Dort müssen sie sich einer „qualifizierten Jury“ und den „speziell entwickelten Miss-Germany-Parametern“ stellen.

Nicht nur Aussehen soll im Fokus stehen

Hier stehen sogenannte „Social Performance Indicators“ wie Authentizität und Ausstrahlung, Kreativität und Unterhaltung, Professionalität und Expertise, Community-Care und Kritikfähigkeit im Mittelpunkt. So wollen die Veranstalter aller Kritik zum Trotz wohl das Motto unterstreichen.

Die Bundesland-Gewinnerinnen, sagt König, dürften dann in ein dreiwöchiges Camp zur Vorbereitung. Mitte Dezember ist dann offiziell, wer am 15. Februar im Finale zur neuen Miss Germany im Europa-Park in Rust kommen darf.

Wer die Miss-Wahl gewinnen soll

Den Sieg wünscht sie „einem der Mädels, die wirklich zu 100 Prozent gewinnen wollen und sich auf das Jahr als Miss Germany freuen“. Denn es gebe auch sehr viele nette, nicht klischeehafte Mädels, die für etwas stehen und eine tolle Geschichte haben.

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