Eine öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wird es in der württembergischen Landeskirche weiterhin nicht geben. Vor einigen Wochen fehlten bei einer Abstimmung in der Landessynode exakt zwei Stimmen, um die Zweidrittelmehrheit, die notwendig gewesen wäre, zu erreichen. Inzwischen aber formiert sich hiergegen Widerstand innerhalb der evangelischen Kirche.

Nachdem Dekane des Kirchensprengels Ulm in einem Brief an Landesbischof Frank Otfried July verkündet hatten, dass sie eine „kirchliche Amtshandlung zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare“ vermissen, folgten auch Dekane der Prälatur Reutlingen, unter ihnen auch der Dekan des Kirchenbezirks Balingen, Beatus Widmann.

Wie ist Ihre Position beim Thema Trauung homosexueller Paare?

Beatus Widmann: Ich bin dafür, dass unsere Landeskirche eine kirchliche Amtshandlung zur Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren entwickelt.

Wie empfinden Sie die aktuelle Situation innerhalb der evangelischen Landeskirche bezüglich der von der Landessynode knapp abgelehnten Trauung von homosexuellern Paaren?

Als Dekan bewegt mich die Unterschiedlichkeit in der Einstellung und Bewertung in den Gemeinden und in der Pfarrerschaft unseres Kirchenbezirkes. Es ist mir ein Anliegen, dass wir homosexuelle Paare mit ihrem Bedürfnis nach Segnung ernst nehmen, achten und kirchlich begleiten. Nach der jetzigen Entscheidung der Synode sehe ich angesichts der unterschiedlichen Sichtweisen eine verstärkte Notwendigkeit, neu und intensiv das Gespräch in gegenseitigem Respekt miteinander zu suchen und zu führen. Es liegt doch in unser aller gemeinsamen Verantwortung, dass wir einander nicht loslassen und die Einheit unserer Kirche bewahren.

Sehen Sie noch Chancen für einen Kompromiss, den alle Synodalen mittragen können? Wenn ja, wie könnte der aussehen?

Der vom Oberkirchenrat in die Synode eingebrachte Gesetzentwurf war schon ein Kompromiss. Konkret hätte er es den Kirchengemeinden ermöglicht, einen Gottesdienst anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zweier Personen gleichen Geschlechts einzuführen. Hätten nicht zwei Stimmen zur erforderlichen Zweidrittelmehrheit Mehrheit in der Synode gefehlt, dann hätten Kirchengemeinden die Möglichkeit gehabt, diese neue Amtshandlung in ihre Gottesdienstordnung aufzunehmen. Das wäre aber nicht automatisch geschehen, sondern auf Antrag des jeweiligen Pfarramts. Für den anschließenden Beschluss des Kirchengemeinderats wäre eine Dreiviertelmehrheit erforderlich gewesen. Der Gesetzentwurf hätte außerdem geregelt, dass niemand verpflichtet gewesen wäre, einen solchen Gottesdienst zu halten oder an ihm mitzuwirken. Dort, wo Gemeinden diese neue Amtshandlung nicht ermöglicht hätten, wäre es bei der bisherigen Praxis der Begleitung gleichgeschlechtlicher Paare in der Seelsorge geblieben, die mit einer Segnung verbunden sein kann. Nun muss der, der das Amt der Einheit inne hat, unser Landesbischof, neu auf die Landessynode zugehen und Möglichkeiten für einen Kompromiss ausloten, der Gemeinden, Pfarrerinnen und Pfarrern Raum für ihre Gewissensentscheidung lässt, gleichgeschlechtliche Paare in einem Gottesdienst zu segnen.

Was raten Sie Betroffenen, wenn bezüglich eines kirchlichen Segens angeklopft wird?

Dass eine öffentliche Segnung bei der momentanen Rechtslage noch nicht möglich ist, wohl aber ein Segen im Rahmen der kirchlichen Seelsorge.