Winterlingen Pauli: Kein Weg führt an Zentralklinikum vorbei

Winterlingen / Gudrun Stoll 24.01.2018
Landrat Günther-Martin Pauli erläuterte in Winterlingen, warum kein Weg am Zentralklinikum vorbei führt.

Gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor Michael Bitzer und Finanzdezernent Christoph Heneka legte Landrat Günther-Martin Pauli jetzt in Winterlingen die Gründe dar, warum der Landkreis auf Dauer keine zwei Krankenhausstandorte halten kann.

Die Raumschaft Winterlingen nimmt in der Diskussion eine durchaus komfortable Sonderrolle ein. Quasi vor der Haustür liegt für die Bürger das SRH-Klinikum Sigmaringen. Winterlingens Gemeinderäte haben, kurz bevor sich der Kreistag mit Mehrheitsvotum auf das an den Stadttoren von Albstadt und Balingen gelegene Gewann Firstäcker als den am besten geeigneten Standort für ein Zentralklinikum festgelegt hat, mahnend die Stimmen erhoben.

In dem gemeinsamen Schreiben an den Landrat legten die drei Gemeinderatsfraktionen Anfang Dezember dar, dass sie von einem Zentralklinikum nicht viel halten. Dies vor allem aus finanziellen Gründen, da auf die Gemeinde Winterlingen „katastrophale Folgen“ zukommen, wenn sie für den Bau des 196 Millionen Euro teuren Zentralklinikums zusätzlich zu den derzeit jährlich 2,4 Millionen Euro Kreisumlage weitere 400 000 Euro pro Jahr an den Landkreis abführen müsste.

Eine Sichtweise, für die der Landrat durchaus Verständnis zeigte. Aber in dieser Frage, bezog er klar Position, „habe ich die Kreisbrille auf“. Finanzdezernent Christoph Heneka zweifelte das Winterlinger Rechenbeispiel nicht an, relativierte allerdings die auf die Kommunen zukommenden Belastungen durch den Zeitfaktor.

Der Anteil der Gemeinde Winterlingen an der Kreisumlage betrage außerdem nur drei Prozent. Die Auswertung der Patientenströme zeige, dass die Winterlinger, trotz der Nähe zu Sigmaringen, das medizinische Angebot der Kliniken in Albstadt und Balingen nutzen.

Auf Dauer werde sich der Zollernalbkreis die Verteilung der medizinischen Disziplinen auf zwei Häuser allerdings nicht leisten können. Dabei fallen nicht nur die Kosten ins Gewicht, die Doppelstrukturen oder auch das Vorhalten von Personal verursachen. Professor Dr. Michael Bitzer verdeutlichte, dass Land und Fachgesellschaften auf die Erfüllung von Strukturvorgaben pochen und die Schrauben in Zukunft noch enger gezogen werden. Hochleistungsmedizin sei nur an einem Standort möglich, an dem die Rädchen der unterschiedlichen Disziplinen nahtlos ineinander greifen können.

Wer als Krankenhausträger diese Vorgaben nicht erfülle, werde sich schwer tun, gutes Personal zu gewinnen – angefangen von den Medizinstudenten, die Praktika absolvieren, bis hin zu den Chefärzten, die den Ruf eines Hauses prägen. Professor Bitzer verwies auf eine Umfrage unter den niedergelassenen Ärzten, von denen sich 90 Prozent für einen zentralen Neubau ausgesprochen hätten.

Pauli selbst gehörte, damals noch als Kreisrat, schon vor zwölf Jahren zu den Befürwortern eines Zentralklinikums. Der Zug nimmt nun mit Verspätung Fahrt auf. Der Landrat verteidigte dennoch die Investitionen in den Balinger Neubau, der 90 Millionen Euro gekostet hat, und in die Modernisierung des Albstädter Hauses. Denn es werden noch mindestens zehn Jahre ins Land gehen, bis der erste Spatenstich fällt. „Umsonst wurde nichts gebaut“, so Pauli. Die Haltbarkeit medizinischer Geräte liege im Schnitt bei 15 Jahren.

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