Meßstetten 40 Jahre Stadt: Heimat braucht Gemeinschaft

Ausgerechnet zum Jubiläum suchte ein Kälteeinbruch den Heuberg heim. Der guten Stimmung im Festzelt tat's keinen Abbruch.
Ausgerechnet zum Jubiläum suchte ein Kälteeinbruch den Heuberg heim. Der guten Stimmung im Festzelt tat's keinen Abbruch. © Foto: Gudrun Stoll
Meßstetten / Gudrun Stoll 27.08.2018
40 Jahre Stadtrecht: Die Meßstetter starteten nachdenklich, aber auch optimistisch ins Schwabenalter.

Die höchste Schwabenstadt präsentierte sich zum 40. Geburtstag auf der Höhe der Zeit: die offizielle Feier wurde nicht ins vornehme Abseits eines geladenen Gästen vorbehaltenen Festaktes gerückt. Im 700 Leute fassenden, modern gestylten Festzelt, schlugen Bürgermeister Frank Schroft und Landrat Günther-Martin Pauli in launigen Reden wichtige Kapitel in der Stadtgeschichte auf. Der heutige Rathauschef ist 31 Jahre alt, war also noch nicht einmal geboren, als fast auf den Tag genau vor 40 Jahren der langjährige Meßstetter Bürgermeister Erwin Gomeringer vom damaligen Innenminister und späteren Ministerpräsidenten Lothar Späth die Stadterhebungsurkunde entgegen nahm.

Die Meßstetter habe dieses einst vom Kaiser erlassene Vorrecht mit Stolz erfüllt. Zu Recht, wie Schroft anmerkte, denn es war ja auch die Generation der Eltern und Großeltern, die durch solides und überlegtes Wirtschaften das Fundamt für die gute Entwicklung gelegt habe. Ein Kleinstadt wie Meßstetten, flocht der Bürgermeister Gedanken kluger Köpfe aus Sozialwissenschaft und Literatur ein, sei mehr als die Anhäufung von Bauwerken. Sie werde zur Heimat, wenn der Mensch Identität, Nachbarschaft, Gemeinschaft und Glück finde.

Aber eine Stadt im ländlichem Raum als Gegenentwurf zur anonymen Megacity müsse auf der Höhe der Zeit bleiben. Der Meßstetter Gemeinderat habe hierfür mit seiner „Agenda 2030“ das Fundament gelegt. Auf der To-do-Liste stehen eine intelligente Verkehrsführung, schnelles Breitband, attraktive Arbeitsplätze, bezahlbarer Wohnraum, ein breites Schulangebot, eine ausreichende Zahl an Kitaplätzen und Betreuungsmodelle für Senioren. Frank Schroft hat vor wenigen Tagen ungewollt live im Radio eine Breitseite gegen die Landespolitiker abgeschossen, was die Festgäste mit lautstarkem Beifall goutierten. Ohnehin bewegt im Jubiläumsjahr die bislang nicht geglückte Nachnutzung des leer stehenden Kasernengeländes die Meßstetter wie kein anderes Thema.

Schroft hofft nun, dass wenigstens den Lippenbekenntnissen von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Taten folgen, die bei ihrer Visite in Stetten a.k.M. vor aller Welt erklärt hat, dass dort, wo die Kommunalpolitik zur Bundeswehr steht, die Bundeswehr auch eine Zukunft haben wird. Wenn er die Ministerin richtig verstanden habe, dann stünde einer Reaktivierung des Bunkers Martin nichts entgegen, verwies Schroft auf die Loyalität der Meßstetter zur ihrer Luftwaffe, die seit 55 Jahren besteht und andauert.

Schroft spielte mit dieser Bemerkung Landrat Günther-Martin Pauli einen Ball zu, um den Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß in die Pflicht zu nehmen. Während Meßstetten feierte, weilte der parlamentarische Staatssekretär mit Bundeskanzlerin Merkel im Kaukasus. „Wir trauen ihm in Berlin die Durchschlagskraft und das Verhandlungsgeschick zu, sich zum Wohl seiner Heimatstadt für eine sinnvolle Nutzung zumindest von Teilen der Kaserne einzusetzen“, packte Pauli seine Aufforderung zum Handeln in diplomatische Worte.

An anderer Stelle wurde der Landrat deutlicher und bezeichnete die Schließung der voll intakten Zollernalbkaserne ebenso als einen groben Fehler wie das saubere Fernhalten der Verteidigungsministerin von Meßstetten und dem Geißbühl. Als historischen Fehler brandmarkte Pauli, dass seit 2016 aktive Bürgermeister nicht mehr in den Landtag gewählt werden dürfen. Die enge Verzahnung zwischen Kommunalpolitik und der Bundes- und Landespolitik gehe dadurch verloren. Meßstetten stehe hierfür beispielhaft mit seinen aktuellen Problemen, aber auch exemplarisch für frühere Zeiten, in denen der Dialog zum Besten von Stadt und Land geführt wurde und funktionierte.

Streitbar, klug, weitsichtig: So charakterisierte Günther-Martin Pauli die vier Rathauschefs, die Meßstetten seit der Stadterhebung gelenkt haben. Für Erwin Gomeringer markierte die Urkunde den krönenden Abschluss seines langjährigen Wirkens. Zu seinen Verdiensten zählt der lebensnotwendige Ausbau und die Sicherung der Wasserversorgung auf dem Großen Heuberg.

Willi Fischer sorgte als Bürgermeister und späterer Landrat für grundsolide Finanzen. In Lothar Mennigs Amtszeit fielen der Abzug der Bundeswehr und die turbulenten LEA-Jahre, in denen die Meßstetter Flüchtlinge aus aller Welt begleitet haben - pragmatisch, ehrenamtlich und im christlich geprägten Verständnis von Mitmenschlichkeit. Frank Schroft hat vor gut drei Jahren den guten Ruf der Menschen, ein komfortables Rathaus mit einem unvergleichlich attraktiven Sitzungssaal und solide Finanzen übernommen. Er scheint angekommen, hat im Jubiläumsjahr eine Meßstetterin geheiratet und ein Haus gekauft.

Das Rahmpogramm bot Überraschendes: Gerhard Zimmermann, Feuerschef a.D., stellte mit dem Meßstetter Heimatlied seine Talente als Sänger unter Beweis. Der MV Meßstetten unter Leitung von Andreas Bott glänzte mit einem Blasmusikpotpourri. Partystimmung zauberte zu späterer Stunde die Band „Hautnah“ ins proppenvolle Festzelt.

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