Langenau Widerstand gegen Campingplatz-Standort

Manfred Strobel (links) und Harald Unseld sind die Sprecher der Interessengemeinschaft. 
Manfred Strobel (links) und Harald Unseld sind die Sprecher der Interessengemeinschaft.  © Foto: Barbara Hinzpeter
Langenau / Barbara Hinzpeter 06.10.2018
Eine Interessengemeinschaft wehrt sich gegen eine Anlage am Hartgartenweg in Langenau und sucht alternative Möglichkeiten.

Eine Freizeitanlage mit Zelt- und Wohnmobilplätzen am Hartgartenweg („Am Karren“) in Langenau würde die umliegenden Aussiedler-Höfe in ihrer Entwicklung hemmen oder sie sogar daran hindern. Davon ist Harald Unseld überzeugt. Er ist Sprecher der vor kurzem gegründeten „IG gegen einen Campingplatz Am Karren“.

Seine etwa 14 Mitstreiter sind hauptsächlich Landwirte, sie haben laut Unseld „zukunftsfähige Vollerwerbsbetriebe“. Ihre Höfe oder Äcker liegen in der Nähe der Wiese, auf der ein Campingplatz entstehen soll. Der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) hat in seiner jüngsten Sitzung einer Anlage an dieser Stelle mit knapper Mehrheit zugestimmt.

Damit wären nach Ansicht von Unseld und dem stellvertretenden IG-Vorsitzenden Manfred Strobel die Konflikte mit der Landwirtschaft programmiert: Unterhalb des Grundstücks liegt ein Schweinestall, oberhalb davon hält ein Landwirt  Milchvieh. „Morgens um halb fünf fangen die Maschinen an zu laufen“, sagt Harald Unseld. Sieben Tage in der Woche, das ganze Jahr über. Es sei schwer vorstellbar, dass das den Urlaubern gefällt.

Die müssten sich womöglich nicht nur die Ohren, sondern auch die Nasen zuhalten: Unterhalb des überplanten Areals steht Hans Erhardts Schweinestall, von dem jetzt schon Gerüche ausgehen. Erhardt habe wohl kaum noch Möglichkeiten, seinen Stall zu vergrößern, wenn ein Campingplatz angelegt sei, fürchtet Unseld. Es gehe um die Zukunft der Höfe, betont er. Denn die seien ja extra ausgesiedelt, weil sie im Ort gestört und keine Chance zur Erweiterung gesehen hatten.

Aus der Zeitung vom Campingplatz erfahren

Zur Ernte und Bodenbearbeitung sind sie mit großen Maschinen unterwegs. Unseld, der die Wiese Am Karren von der Stadt gepachtet und erst aus der Zeitung von der geplanten neuen Nutzung erfahren hat, sieht auf sich selbst wirtschaftliche Einbußen zukommen. Er füttert das Heu seinen Mutterkühen und verkauft den Überschuss an Pferdehalter. Für ihre Tiere ist das energiearme rohfaserige Heu ideal.

Unseld bewirtschaftet das Stück Land extensiv, er mäht es einmal im Jahr. Mit der Folge, dass hier – „auf der einzigen Magerwiese mit Jurakalk-Untergrund weit und breit“ – ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Insekten entstanden sei. Das Gras bei einem Campingplatz müsste dagegen einmal pro Woche geschnitten werden. Mit der Folge, dass sich das Ökosystem grundlegend änderte. Hinzu kommt: Die Anlage benötigt eine Abwassergrube – und diese ins Gestein zu sprengen, wäre nach Ansicht von Unseld teuer.

Nicht grundsätzlich dagegen

„Aber wir sind nicht grundsätzlich gegen einen Campingplatz in Langenau“, betont er. Die IG habe sich auf die Suche gemacht nach alternativen Standorten. Manfred Strobel bringt dabei die ausgebaggerten Kiesflächen südlich der Fischerhöfe ins Gespräch. Diese müssten ohnehin teilweise wieder zugeschüttet werden.

Eine weitere Alternative sieht er in der Verlängerung des jüngst beschlossenen künftigen Gewerbegebiets Kiesgräble III – auf dem ehemaligen Erdbeerfeld. Der Standort hätte seiner Ansicht nach auch den Vorteil, dass Wohnmobile und Touristen mit Zelten, die über die der A 7 kommen, schon vor der Stadt „abgefangen“ würden.

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Knappe Mehrheit im Ausschuss

Plan Mit sieben zu sechs Stimmen hatte sich der ATU dafür ausgesprochen, ein Bebauungsplanverfahren für einen Campingplatz am Hartgartenweg anzustreben. Wolfgang Milz und Britta Neubauer wollen ihn betreiben und haben ein Konzept ausgearbeitet. Es sieht 50 bis 70 Stellplätze für Wohnwagen vor sowie einige feste Hütten und eine Zeltwiese. Außerdem möchten sie ein Rezeptionsgebäude mit Sanitäranlagen und Betreiber-Wohnung bauen, einen öffentlichen Grill- und Spielpatz anlegen.

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