Am Samstag fiel in Bönnigheim der Startschuss für eine neue Veranstaltungsreihe, die sich mit dem Weinausbau  auseinandersetzt. Die Vinothek Bönnigheim lud  zum Auftakt der Reihe „Vinothek vor Ort“ in die Weinkellerei Kölle im Schmiedsberger Weg ein. Gedacht ist die einstündige Veranstaltung, bei der natürlich die Weine der letzten Jahrgänge auch probiert werden, für Vinothekare und interessierte Besucher.

Der Andrang war groß: Dicht an dicht saßen die Besucher und freuten sich über die edlen Tropfen im Glas. Drei Weine präsentierte  Heinz Kölle Junior seinen Gäste  und nutzte die Gelegenheit, um Einblicke in seine ganz persönliche Weinphilosophie zu geben. Kölle trägt beim Weinausbau seine eigene Handschrift, wie wohl jeder Winzer, der etwas auf sich hält. Er ist äußerst experimentierfreudig, wie es sich im Laufe des Weinkollegs herausstellen sollte.

Zum Probieren schenkte er dreimal Schwarzriesling aus, einmal aus dem Jahr 2015, einmal aus dem wohl eindeutig klimatisch schwächeren Jahr 2016 und einmal aus dem Jahrhundertsommer 2018 und ließ seinen neugierigen Zuhörerkreis „über die Weine drüberprobieren“. Die Unterschiede  schmeckten rund 20 Teilnehmer direkt im Glas. Und so ist dieses Weinkolleg der Vinothek Bönnigheim auch künftig gedacht: eine Mischung aus Erklärungen zur Anbauphilosophie und Degustation.

Parallel zum Weinkolleg kürt die Vinothek weiterhin den Wein der Woche und setzt Themenschwerpunkte wie jetzt „Rote Spezialitäten“ und nimmt dabei den Schwarzriesling aktuell genau ins Visier. „In diesem Wein zeigt sich, dass auch unser bodenständiger Schwarzriesling dem Anspruch einer Spezialität gerecht wird“, stellte Vinothekar Joachim Mann fest.

„Dieser Schwarzriesling besticht durch seinen kräftigen, nachhaltigen Körper, eine leichte Eleganz und seinen feinen, samtigen Geschmack nach dunklen Kirschen, schwarzen Johannisbeeren und reifen Pflaumen“, unterstrich der Vinothekar.

Mehrmals im Jahr will die Vinothek nun „auf Reisen“ gehen und in engem Dialog mit den Winzern vor Ort und der Strombergkellerei Weine im Weinkolleg vorstellen.  „Mal soll eine Weinsorte im Vordergrund stehen, mal ein Erzeugungsprozess wie die Maischegärung. Gesprochen wird über Ausbaumethoden im Holzfass oder im großen Tank. Für uns Vinothekare ist das eine Lehrveranstaltung, die wir gerne besuchen, um unseren Kunden mehr über die Weine, die wir zum Verkauf anbieten, sagen zu können“, erklärte Hannelore Tiedke.

Die ehemalige Schulleiterin hat sich mit ihrem Eintritt ins Rentenalter zur Vinothekarin ausbilden lassen und freut sich nun auch über die Gelegenheit, im Weinberg mitarbeiten zu können. „Ich bin eine klassische Quereinsteigerin. Vor 2014 habe ich nur Bier getrunken“, lacht Hannelore Tiedke heute. Was speziell dieses Weinkolleg besonders interessant macht: Heinz Kölle vermittelt deutlich, dass es ihm um den Ausbau extrem trockener Weine geht. „Trockene Weine sind bekömmliche Weine“, betont der Erzeuger  und erklärt, das er selbst einen Rotwein nur aus dem Holözfass haben möchte. Dazu nimmt er bis zu 20 Jahre alte Holzfässer, die er mehrfach belegt, immer wieder mit neuen Weinen, die dann drei bis vier Jahre reifen, bevor sie in Flaschen abgefüllt werden.

Ein großes Thema bei diesem ersten Weinkolleg war auch die Maischegärung.  Als nächstes soll es auch Jungweinproben  im Rahmen des Weinkollegs Vinothek unterwegs geben, denn auch die ganz jungen Weine aus dem vergangenen Herbst haben schon eine Geschichte zu erzählen.

Info Die Öffnungszeiten der Vinothek sind Freitag von 14 bis  17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Während der Öffnungszeiten betreuen die Vinothekare auch das Museum Sophie La Roche und die Tourist-Information.