Gleich zwei Keltern gibt es in Ingersheim. Beide werden heute nicht mehr von Wengertern genutzt, aber erfüllen andere Aufgaben für Vereine und die Gemeinde.

1618 entstand die Großingersheimer Kelter. Direkt von den Weinbergen wanderten die Trauben in das zentral gelegene Gebäude, wo dann der Großingersheimer Wein gekeltert wurde. Doch heute werden keine Trauben mehr in die alten Gemäuer gebracht. Nutzlos ist die Kelter deshalb trotzdem nicht geworden.

So fand die Freiwillige Feuerwehr ein Interimsquartier, bis sie 1998 in das Feuerwehrhaus an der Karl-Braun-Straße umzog. Nach kleineren Umbauten bezog der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes in der Kelter sein Quartier. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Standort. Auf der Bühne haben wir sogar eine Kleiderkammer eingerichtet, die wir immer nach Bedarf öffnen“, erzählt der DRK Ortsvereinsvorsitzende Walter Adler.

Auch andere Vereine, wie der Angelsportverein und die Gemeinde nutzen die geräumige Kelter als Lagerplatz. „Wir merken, dass diese Lagerflächen dringend benötigt werden und sind froh, dass wir sie auch so anbieten können“, sagt Harald Schnabel, Leiter des Liegenschaftsamts. Zwar hat sich die Nutzung des 1618 entstandenen Gebäudes sehr verändert, doch ein wichtiger Ort bleibt es für die Ingersheimer allemal.

Im 18. Jahrhundert entstand das Kleiningersheimer Pendant, das etwas kleiner ist, als die Kelter am Hindenburgplatz im größeren Ortsteil. An manchen Lesetagen standen die Fahrzeuge in Kleiningersheim von der Kelter über die Austraße bis in das Neckartal an, um ihre Trauben abzuliefern.

Doch 1993 wurde die Weingärtnergenossenschaft Kleiningersheim beim Amtsgericht Besigheim gelöscht. Rund 55 Jahre hatten die Kleiningersheimer ihren Wein selbst gekeltert und vermarktet. 2000 hatten rund 145 Ingersheimer Wengerter den Liefervertrag mit der Württembergischen Zentralgenossenschaft Möglingen gekündigt und sich der Besigheimer Felsengartenkellerei angeschlossen. 2002 wurden die letzten Trauben in der Kleiningersheimer Kelter zu Wein verarbeitet.

Heute wird das Gebäude, dass in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche steht, für Dorffeste und Konzerte der Musikschule genutzt. Auch für Sektempfänge bei Hochzeiten sei die Kleiningersheimer Kelter sehr beliebt, „allerdings ist es dort etwas schwierig mit einer anderen Nutzung, da wir nicht ausreichend Parkplätze haben“, so Schnabel.

An ein ganz besonderes Projekt erinnert sich der Amtsleiter gerne zurück: 2007 wurde das Musical „Der kleine Horrorladen“ in der Kleiningersheimer Kelter für mehrere Wochen aufgeführt. „Das war richtig klasse, mit aufwendigen Kulissen und einer tollen Inszenierung“, schwärmt Schnabel.

Damals hatten die Jugendarbeit und die Junge Chorgemeinschaft unter der Schirmherrschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Großingersheim das Projekt auf die Beine gestellt. „Die Kelter ist soweit saniert, dass man sie für kleinere Veranstaltungen wie den Konzerten und Dorffesten nutzen kann. Ein Umbau für eine andere Nutzung wäre viel zu kostspielig“, erklärt Harald Schnabel. Doch mit dieser Nutzung ist die Gemeindeverwaltung auch zufrieden.