Der Andrang in der Festhalle war so groß, dass sich das Forum schnell füllte: Kabarettistin Lisa Fitz war zu Gast und erzählte bei den Winterkulturtagen „Flüsterwitze“, die sich scheinbar auch heute wieder nur unter vorgehaltener Hand erzählen lassen.

Geflüstert hat Lisa Fitz dabei allerdings nicht. Aus ihrem Herzen machte sie keine Mördergrube. Mit wenig spitzer Zunge, aber viel geistigem Witz brauchte es nicht viel, um das Publikum zu vereinnahmen. Auch der Erklärung des „Flüsterwitzes“ bedurfte es nicht. Eher einer Sinndeutung, was Demokratie bedeutet. Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus zog sie über hochmütige und ahnungslose Politiker her. Wahlbetrug gäbe es in einer Demokratie nicht, behauptete die Kabarettistin, und lieferte den Gegenbeweis dazu. „Den Wahlversprechen vor folge der Wahlbetrug nach der Wahl.“

Daraus entstünden Ängste und „fiese, fette Phobien“. Von 650 ermittelten Androphobien (Männerscheuheit) wären vor allem Frauen betroffen, erklärte die bekennende Feministin. Sie philosophierte über Mut und Gewalt, entdeckte in der Ahnungslosigkeit das gewalttätigste Element und versuchte, mit der Verschwörungstheorie, Mutti Merkel sei das Joy-Toy von Honecker gewesen, aufzuräumen.

Für die 68er zu spät dran

Auch zu Wissen, Bildung und Information hatte Lisa Fitz etwas zu sagen. An gruselig-dumben TV-Angeboten ließ sie keinen guten Faden. Hinter Fernsehsendungen vermutete sie, dass das Volk dumm gehalten werden soll: „Deppert bleibt deppert!“ Sie bedauerte, zur 68er-Revolution aufgrund ihres Geburtsjahrgangs zu spät dran gewesen zu sein, und wünschte sich eine neuerliche Massenerhebung, die in Deutschland allerdings bereits daran scheitern dürfte, „dass das Betreten des Rasens verboten ist“. Die Begeisterung für die Revolutionäre Che Guevara und Fidel Castro seien bei ihr und ihren Freundinnen in der Jugend groß gewesen. Einige hätten Che gerne geheiratet. Sie hätte jedoch eher Castro bevorzugt, unter der Bedingung, dass er ihren Namen angenommen hätte und dann als „Fidel Fitz“ in die Geschichte eingegangen wäre. Prustendes Gelächter im Saal.

Gelehrig dozierte die Kabarettistin über Populismus, dem sie im Wortsinne etwas Gutes abgewinnen konnte, wenn rechter und linker Populismus ignoriert werde: „Hautfarbe, Rasse und Glaube sind mir völlig egal, wenn gesellschaftliche Werte respektiert werden.“ Fitz bekräftigt ihre Aussage mit der Philosophie der Huna-Gemeinschaft auf Hawaii: „Verletze keinen Menschen, weder in Gedanken, Worten oder Gesinnung.“ Dem schickte sie deftig hinterher: „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche.“

Nicht nur ihre teils frivolen Gesten und Sprüche begleitete das Publikum mit aufbrausendem Beifall. Ihre Mimik bestärkte die kritischen Aussagen. Kein Wunder, kämen dabei nicht Talente ihrer Abstammung aus einer Künstler- und Schauspielerfamilie zum Vorschein. Keinesfalls verleugnete Lisa Fitz mit witzig-ironischen Pointen Dieter Hildebrandt, ihr großes Vorbild in der Kabarettszene.

Schnelle Kostümwechsel

Auch die Sitznachbarinnen waren nach dem Auftritt von Lisa Fitz begeistert, hatte sie ihre Sicht der Dinge doch voll umfänglich bestätigt. Eindrucksvoll waren auch die schnellen Kostümwechsel der Sängerin im Halbdunkel der Bühne, von der gediegenen Sängerin zur Rapperin. Mit ihren kritischen Liedern, gemischt mit Stanzeln, Songs von AC/DC und einem versöhnlichen „Die Gedanken sind frei“ rockte sie den Saal und das angestachelte Publikum. Flüsterwitze, wer erzählt denn so was?