Missbrauchsprozess Psychologin: Aussagen der Kinder sind glaubhaft

Stuttgart / Bernd Winckler 05.10.2018

Der Prozess wegen Kleinkindesmissbrauch gegen einen 21-jährigen Azubi einer Schwieberdinger Kindertagesstätte vor dem Stuttgarter Landgericht geht in die Endphase. Am Donnerstag waren – weiterhin in nichtöffentlicher Sitzung –  die letzten Zeugen, ein Gutachter und wohl auch die Plädoyers an der Reihe.

Nach dem Gutachten einer Kinderpsychologin sind die Äußerungen, die einige der mutmaßlich sexuell missbrauchten Kinder im März erstmals ihren Eltern berichteten, absolut glaubhaft. Glaubhaft auch deshalb, weil der 21-jährige Angeklagte selbst die Vorwürfe vor der Stuttgarter Jugendschutzkammer zugegeben hat. Doch die genauen Erkenntnisse der Gutachterin blieben hinter verschlossenen Gerichtstüren. Ebenso wie das psychiatrische Gutachten über den Angeklagten selbst, der nach ersten Erkenntnissen eines Fachmannes an einem Asperg-Syndrom leiden soll. Allein auf dieses Gutachten setzt der Verteidiger des Beschuldigten große Hoffnung, dass sein Mandant eventuell mit einer milderen Strafe davon kommt.

Da ja ein schwerer sexueller Missbrauch bei den kleinen Opfern offensichtlich nicht vorliegt (laut Gesetz: Eindringen in den Körper des Opfers), obwohl die Staatsanwaltschaft in zwei der Fälle je besonders schwere Verbrechen angeklagt hat, könnte das Gericht auf eine Strafe im unteren Bereich – bis hin zu einer Bewährungsstrafe – erkennen, falls der Sachverständige bei dem Angeklagten aufgrund seiner psychischen Probleme  verminderte Einsichts- und Schuldfähigkeit attestiert.

Zehn Jahre Jugendstrafe möglich

Auch über den Inhalt der Schlussplädoyers, die für den Donnerstag, also den vierten Prozesstag angesetzt waren, erfuhr die Öffentlichkeit nichts.  Der Staatsanwalt könnte nach den gesetzlichen Vorgaben höchstens bis zu zehn Jahre Jugendstrafe beantragen, da der Angeklagte zur der vorgeworfenen Tatzeit unter 21 Jahre alt war und als Heranwachsender galt. Aber auch eine Bewährungsstrafe wäre möglich. Allerdings wird der Staatsanwalt das Fotografieren und Filmen der Taten und die mögliche Verbreitung in einem Netzwerk in seinem Plädoyer nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zur Frage Jugend- oder Erwachsenenrecht wird das Gericht spätestens am nächsten Dienstag noch einen Vertreter der Schwieberdinger Jugendamtsbehörde hören.

Nach wie vor plant das Landgericht dann ebenfalls am kommenden Dienstag die Urteilsverkündung. Auch hier hat die Vorsitzende Richterin schon am ersten Verhandlungstag deutlich gemacht, dass – wenn überhaupt öffentlich – nur der Urteilstenor verkündet wird. Für die weiteren zu verkündenden Urteilsgründe im Detail würden sich dann die Türen wieder für die Öffentlichkeit verschließen.

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