Prozess Bilanzfälschung: Prüfer räumt Fehler ein

Ellwangen/Stuttgart / Eugen Fallenbüchel 31.01.2019
Im Prozess gegen die ehemaligen Verantwortlichen der BAG Ellwangen hat der Verbandsprüfer im Zeugenstand eingestanden: „Im Nachhinein betrachtet, haben wir Fehler gemacht.“

Am zwölften Verhandlungstag im BAG-Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht rief der Vorsitzende der 10. Großen Strafkammer, Wolfgang Schwarz, den 56-jährigen Matthias H., Prüfer des Geno-Verbands, in den Zeugenstand. H. hatte, nachdem erste Unregelmäßigkeiten im Lagerbestand bekannt geworden waren, im August 2012 die Sonderprüfung bei der BAG Ellwangen geleitet.

Man habe damals eine unbelastete Person mit unbefangenem Blick gesucht. Der damalige Oberprüfer des Genossenschaftsverbands habe ihn mit den Worten: „Jetzt fahren Sie mal nach Ellwangen und prüfen Sie die festgestellten Manipulationen“, auf die Reise geschickt. Sein Kollege Rupert S., der die Jahresprüfung durchgeführt hatte, habe ihn mit den Fakten vertraut gemacht. Zum großen Erstaunen des Gerichts erklärte H., dass er die Prüfung nicht anhand eigenhändig erhobener Daten durchgeführt, sondern auf das vorhandene Zahlenmaterial seines Kollegen zurückgegriffen habe. Auf konkrete Nachfrage des Vorsitzenden, von wem die Passage „… kann nicht ausgeschlossen werden, dass Bestandsmengen manipuliert wurden ...“ stammt, erklärte H., dass das sein Kollege Rupert S. verfasst habe.

Schwarz: „Dann muss ich den ja nochmals als Zeugen vorladen.“ Der im Gerichtssaal anwesende ehemalige Verbandsprüfer wurde daraufhin vom Vorsitzenden „auf Abstand“ verwiesen. Er wird erneut als Zeuge geladen.

H. sagte, er habe festgestellt, dass bei der BAG Futtergerste unterpreisig gehandelt wurde. Diese habe man für 19 Euro ein- und für 16,99 Euro wieder verkauft, ohne Personal- und Transportkosten in Rechnung zu stellen. Seine Prüfung habe er an signifikanten Warenbeständen festgemacht und hochgerechnet, also nicht spezifisch erhoben.

Zwei Vorjahre miteinbezogen

In seine Prüfung habe er auch die Vorjahre 2010 und 2009 miteinbezogen. Diese zeitliche Vorgabe sei auf seinen Kollegen zurückzuführen. Noch weiter nach hinten zu graben, hätte keinen Sinn gemacht. Mit dem Vorstand sei abgestimmt gewesen, das gesamte, ermittelte Fehl im Jahresabschluss 2011 auszuweisen. Auch deswegen, weil als Tagessatz für einen Prüfer 780 Euro verrechnet werden.

Wolfgang Schwarz: „Da hat man in Ellwangen eine große Sache aufgedeckt, mit einem Schaden in Millionenhöhe und dann spart man dann am Prüfer. Das will mir jetzt partout nicht in den Kopf. Zumal die Gläubiger und Mitglieder durchaus ein berechtigtes Interesse gehabt haben zu wissen, mit wem man da in den letzten Jahren zusammengearbeitet hat.“

Der Prüfer führte weiter aus, dass sich seine Tätigkeit nur auf das Zahlenwerk, nicht auf einzelne Verantwortlichkeiten beschränkt habe. Man habe angenommen, mit der Prüfung der „losen Warenbestände“ etwa 90 Prozent der Defizite zu erfassen. Für den Genossenschaftsverband sei es außerhalb seiner Vorstellungswelt gewesen, dass auch Waren in anderen Beständen in einem solchen Maß manipuliert worden sind. „Im Nachhinein“, so Matthias H., „weiß ich auch, dass wir Fehler gemacht haben. Wir hätten zwingend eine Komplettinventur durchführen müssen. Grundsätzlich gehen wir Prüfer davon aus, dass das, was vorgelegt wird, auch seine Ordnung hat.“

Weiter führte er aus: „Mir war von Anfang an klar, dass das der entlassene Abteilungsleiter nicht allein gemacht hat.“ Völlig überraschend kam die Aussage, es seien bei der internen Aufarbeitung des Falls beim Genossenschaftsverband Personalmaßnahmen gegen einen Prüfer eingeleitet worden.

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Info

Der Prozess wird am 8. Februar mit der Anhörung eines weiteren Verbandsprüfers fortgesetzt.

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