Ellwangen Gartenschau: „Eine wahnsinnige Chance“

Die Jagst zwischen Campingplatz und Schrezheim fließt bislang noch im begradigten Bett. Wenn 2026 die Landesgartenschau eröffnet wird, soll der Fluss hier wieder in Mäandern fließen.
Die Jagst zwischen Campingplatz und Schrezheim fließt bislang noch im begradigten Bett. Wenn 2026 die Landesgartenschau eröffnet wird, soll der Fluss hier wieder in Mäandern fließen. © Foto: Archiv
Ellwangen / Fred Ohnewald 04.10.2018
Die Ellwanger Stadträte votieren – nach kurzer, kontroverser Debatte – mit deutlicher Mehrheit dafür, die Gartenbau-Ausstellung im Jahr 2026 auszurichten.

Diese Entscheidung ist von elementarer Bedeutung. Selten sind im Ellwanger Gemeinderat mal alle 35 Ratssitze belegt, am vergangenen Donnerstagabend aber fehlte kein einziger Stadtrat. Nachdem das Land der Stadt den Zuschlag für die Landesgartenschau 2026 bereits gegeben hat, bedurfte es nun noch der Entscheidung des Gemeinderates.

Aufgrund der zahlreichen Vorberatungen hatte man im Vorfeld ahnen können, dass es eine Mehrheit dafür geben würde. Aber die Frage war, wie deutlich sie ausfallen würde. Nach gerade mal etwa einem halben Dutzend Wortmeldungen leitete Oberbürgermeister Karl Hilsenbek die Abstimmung ein, und 24 Hände hoben sich pro Landesgartenschau: die der gesamten CDU-Fraktion sowie jene von Franz Ostermeier von den Freien Wählern/Freien Bürgern, von vier der fünf Grünen und dreien der vier SPD-Räte. Dagegen stimmten – bis auf Franz Ostermeier – alle „Freien“ und Rudi Kitzberger von den Grünen. Der Stimme enthielten sich Thomas Geist und Eva Schuster von der SPD. 24:9. Damit ist die Entscheidung gefallen: Ellwangen ist seit Donnerstag, 18.45 Uhr, Landesgartenschaustadt.

„Mantel der Geschichte“ wehte

Wer auf eine heftige Debatte gewartet hatte, sah sich getäuscht – natürlich, denn die Argumente waren längst ausgetauscht, die Sorgen benannt und Hoffnungen ausgemalt, keine neuen Gesichtspunkte aufgetaucht.

Stadtplaner Klaus Ehrmann und Oberbürgermeister Hilsenbek redeten noch mit Engelszungen für die Landesgartenschau – „Jetzt oder nie, sonst warten wir unter Umständen eine Ewigkeit“, sagte Hilsenbek; Ehrmann versprach Impulse für die Konversion des alten Kasernenareals, die Kernstadt und die gesamte Innenstadt, lange vor und weit über die Gartenschau hinaus. „Wenn Sie zustimmen, ist Ellwangen ab heute Gartenschaustadt“, sagte der OB. Und so kam es dann auch.

Berthold Weiß‘ (Grüne) Votum für die Gartenschau geriet regelrecht salbungsvoll, der „Mantel der Geschichte“ wurde gar zitiert. „Ein riesengroßes Infrastrukturprogramm“ für die Stadt, das „kein Hasardeurstück, sondern finanzierbar“ sei, argumentierte er dann, etwas mehr in Bodennähe.

Franz Josef Grill vertrat dagegen das fast durchgängige Nein der Freien Wähler/Freien Bürger. Er erinnerte an den Brief von Landwirtschaftsminister Hauk, der die Vergabe der Gartenschau an Ellwangen mit einem Erhalt der LEA verknüpft hatte (Hauk ist später zurückgerudert). Grill bezeichnete dies als „einzigen ehrlichen Brief, der in den letzten Jahren aus Stuttgart gekommen ist“ und meinte, Ellwangen hätte unter dieser Voraussetzung als Bewerbung auch ein leeres Blatt Papier abgeben können und die Gartenschau trotzdem bekommen. Die Berechnungen der Finanzierbarkeit und der Entwicklung der städtischen Finanzen, die zuvor Stadtkämmerer Joachim Koch ausgebreitet hatte, nannte Grill zu optimistisch, die Annahmen unseriös.

Dem widersprach Rolf Merz für die CDU-Fraktion: „Ich weiß nicht, was wir für ...“ – es folgte eine Kunstpause – „... kreative Geister hier im Gremium haben“, beschied er Grill. Die negativen Reaktionen, das „nur Runterreißen“, sei kleinkariert und ärgere einfach nur. Natürlich müsse man in finanzieller Hinsicht achtgeben, aber „ein bissle was“ müsse man in solch einem Fall schon ris­kieren.

Herbert Hieber (SPD) nannte die Gartenschau „eine Stadtentwicklung vom Feinsten“, allerdings dürfe man die anderen Aufgaben darüber nicht aus den Augen verlieren und er habe Sorge, ob die Stadt das „finanziell hinbekommt“. Geachtet werden müsse darauf, dass die Planung die Innenstadt so stark wie möglich an das Gartenschaugelände anbinde.

Frick: „Zweitklassig“

In die Gegenrichtung wies dann wieder Gunter Frick (Freie). Er habe „versucht, in die Bevölkerung einzutauchen“ und dort von dem Schwung, den der OB erlebt haben will, nichts verspürt. Den Brief von Minister Hauk nannte Frick einen „irreparablen Schaden“, der ihm die Annahme der Gartenschau unmöglich mache. Mit dieser Vorgeschichte bleibe es „eine zweitklassige Landesgartenschau“.

Auch die Grünen waren nicht ganz einig; Rudi Kitzberger schloss sich ausdrücklich „in Teilen Stadtrat Grill“ an. Die Kostenberechnungen hielt er für nicht realistisch, befürchtete stark eingeengte Handlungsspielräume der Stadt. „Da ka ma koi Gois bocka lass“, schloss er.

Auch Armin Burger (CDU) ergriff noch das Wort: Er wolle sich „der Angstmacherei und dem Schlechtreden“ nicht anschließen, die Gartenschau sei „eine wahnsinnige Chance“, und das ganze Land würde über Ellwangen lachen, wenn nun mit Nein gestimmt würde. Nun, so kam’s dann nicht. Die Landesgartenschau 2026 wird in Ellwangen stattfinden. Beschlossen.

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