Fichtenau Landarbeit bei „Landleben live“

Fichtenau / Larissa Wörn 17.08.2018
Muriel Scharnagl aus Göppingen packt an: Bei „Landleben live“ verbringt sie zwei Wochen auf dem Milchhof Beck in Fichtenau-Fichtenhof.

Wer von Krettenbach nach Wäldershub gelangen möchte, der passiert unweigerlich Fichtenhof. Eine holprige Landstraße, die nicht viel zu bieten scheint. Nur ein Bauernhof auf dem Hügel zeugt von Zivilisation. Doch genau dort, auf dem Milchhof Beck, passiert so einiges. Und was genau passiert, das durfte die Göppingerin Muriel Scharnagl zwei Wochen lang miterleben.

Der urig-idyllische Kuhhof ist Heimat von drei Generationen der Familie Beck. Sissy Beck lebt dort mit Ehemann Roman Beck, dessen Eltern, der gemeinsamen Tochter Marie und rund 180 Rindern. „Die ganze Familie schafft“, lautet die Devise. Teil dieser Familie war für zwei Wochen auch Muriel.

Im Frühjahr hat die 16-Jährige ihren Realschulabschluss erworben. „Ich wusste nicht genau, was ich nach der Mittleren Reife machen möchte“, erzählte sie. Deshalb absolvierte sie zunächst ein Praktikum in einer Tierarztpraxis. Das sei eine schöne Erfahrung gewesen, aber sie habe mehr Orientierung benötigt.

Beim Surfen im Internet stieß die Göppingerin zufällig auf das Projekt Landleben-live des evangelischen Bauernwerkes in Württemberg. Die Organisation vermittelt Jugendliche an Landwirtsfamilien, die für einen gewissen Zeitraum bei dieser leben und arbeiten. „Das klingt cool – da mache ich einfach mal mit“, war Muriels erster Gedanke. Sie bewarb sich und wurde prompt vermittelt. Zunächst sollte sie ihren Landaufenthalt auf einem Pferdehof in der Schweiz verbringen, der Besitzer musste jedoch kurzfristig absagen. Das Projekt ge­riet ins Schwanken.

Zur selben Zeit erfuhr Sissy Beck von einer Bekannten von dem Praktikum der etwas anderen Art. Sofort war die Milchbäuerin Feuer und Flamme für die Idee. Nach kurzer Absprache mit Ehemann und Schwiegereltern war die Sache besiegelt. Die 31-Jährige meldete sich montags bei der Organisation, samstags war schon Muriels Anreisetag.

„Man sagte uns, dass es vermutlich erst nächstes Jahr klappen würde. Doch dann kam auf einmal Muriel ins Spiel“, erinnert sich die Landwirtin. „Zum Glück.“

Um 7.30 Uhr geht’s los

Und so hat es Muriel Scharnagl ins Ländle verschlagen. „Schön hier“, meint sie mit einem Grinsen im Gesicht. Bei Familie Beck fühlt sie sich wohl. Um 7.30 Uhr begann Muriels Arbeitstag. Als Erstes versorgte sie die Kälbchen, die „Moggeli“, mit Heu, Kraftfutter und dem sogenannten „Milchtaxi“, das die Milch automatisch auf die richtige Temperatur erwärmt und für jedes Jungtier die angemessene Menge Milch abgibt. Nach dem anschließendem Helfen beim Melken ging es zum gemeinsamen Frühstück.

Über den Mittag hat die 16-Jährige täglich neue Aufgaben erhalten: Egal ob Büroarbeiten, Putzen, Kochen oder Bulldog fahren – es gab immer etwas zu tun. „Muriel war immer fleißig am Werkeln und hat sich dabei nie beschwert“, sagt Gastmutter Sissy Beck.

Am Abend galt es schließlich, erneut bei der Melkerei zu helfen. Sissy Beck lobt Muriel vor allem hierbei: „Wir alle waren fasziniert, wie beherzt Muriel beim Melken mit anpackt. Das schaffen so schnell nicht viele Praktikanten.“ Für landwirtschaftliche Arbeiten müsse man geschaffen sein, Zimperlichkeit und Berührungsängste dürfe man nicht haben. Muriel hat damit keinerlei Probleme. Sie hat zwar noch nie ein Haustier besessen, „aber ich liebe Tiere und die Natur schon immer“, sagt die Kurzzeit-Landwirtin.

Die zwei Wochen auf dem konventionellen Kuhhof der Becks gaben ihr einen spannenden ersten Einblick ins Leben eines Landwirts. „Ich werde nun erst mal ein kaufmännisches Berufskolleg besuchen, aber danach kann ich mir durchaus vorstellen, einen Beruf im landwirtschaftlichen Bereich zu suchen.“

Große Schwester auf Zeit

Familie Beck ist von ihrem ersten Landleben-live-Gast  begeistert. Die zwei Wochen seien wie im Flug vergangen, das Zusammenleben habe problemlos funktioniert. Die vierjährige Tochter der Becks, Marie, freute sich über eine große Schwester auf Zeit. Auf dem Milchhof Beck sollen in Zukunft weitere Landleben-­live-Aufenthalte folgen.

Am Samstag reiste Muriel mit einem weinenden und einem lachenden Auge ab. „Natürlich freue ich mich auf zu Hause, aber hier war es einfach wunderschön.“ Sissy Beck erklärt, dass die Moggeli immer einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben der Mutterkuh erhalten. „Das nächste Kälbchen, dessen Mutter den Anfangsbuchstaben M hat, wird definitiv Muriel heißen.“

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