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Gemeinderatswahl
Stimpfach / Ralf Mangold Einen kurzweiligen Abend erleben rund 120 Interessierte beim HT-Wahlforum im Stimpfacher Gemeindesaal, in dem Gemeinderatskandidaten sich und ihre Ziele den Wählern vorstellen.

Überwältigt vom Interesse der Stimpfacher an der bevorstehenden Gemeinderatswahl war HT-Redaktionsleiter Andreas Harthan. Rund 120 Bürgerinnen und Bürger fanden am Donnerstag den Weg in den Gemeindesaal, um zu hören, wie sich die Kandidaten zu wichtigen Themen der nächsten Jahre äußern. Vor fünf Jahren beim letzten HT-­Wahlforum waren es noch deutlich weniger. Ein sicherlich gewichtiger Grund für das gestiegene Interesse war, dass es erstmals seit über zwei Jahrzehnten zwei Listen mit Gemeinderatskandidaten gibt und damit auch wieder eine „richtige“ Wahl in Stimpfach bevorsteht.

Zu Beginn des Wahlforums hatten die Kandidaten die Gelegenheit, sich und ihre Ziele vorzustellen. Fast alle waren gekommen, nur ein paar ließen sich aus beruflichen Gründen entschuldigen. Die lockere Vorstellungsrunde war informativ, da zudem einige Bewerber erstmals antreten.

„Ich bin vor fünf Jahren ziemlich angegangen worden, weil es nur eine Liste gab“, erinnert sich Markus Esterle, der sich zusammen mit Timo Fuchs, Isabell Rath­geb und August Schirle den Fragen zur Kommunalpolitik auf dem Podium stellte. „Damals habe ich versprochen, dass wir eine zweite Liste bei der nächsten Wahl aufstellen werden.“ Und versprochen ist versprochen. „Seit Herbst suchen wir schon geeignete Kandidaten. Dabei hat sich gezeigt, dass die direkte Ansprache den größten Effekt hat.“ Wichtig sei ihm bei der Auswahl gewesen, dass alle Altersgruppen und eine gute Mischung an Fachkompetenz abgedeckt seien.  „Ich bin mir sicher, es gibt eine gute Wahl und daraus entsteht dann auch wieder ein gutes Team.“

Kommunalwahl Über 120 Besucher beim HT-Wahlforum in Stimpfach

Isabell Rathgeb freut sich darüber, dass unter den 23 Bewerbern sieben Frauen sind. Sie hat im Vorfeld intensiv für mehr Frauen in der Kommunalpolitik geworben. „Eine Frauenliste wird es allerdings mit mir nie geben. Ich arbeite gerne mit den Männern zusammen.“ August Schirle betonte, dass es zwar bei der Wahl zwei Listen gebe, aber keine zwei Fraktionen. Es müsse immer um die Sache gehen und jeder solle unabhängig von Fraktionen oder Parteien seine Entscheidungen treffen.

Kleiner Handlungsspielraum

Erstmals kandidiert Timo Fuchs für den Gemeinderat. Er ist bereits Ortsvorsteher von Rechenberg. Der Neubau des Feuerwehrhauses ist für ihn ein ganz wichtiges Projekt. Seit 28 Jahren ist er selbst bei der Feuerwehr aktiv und kennt die schwierigen und beengten Verhältnisse der bisherigen Räumlichkeiten. Das Großprojekt schränkt den Handlungsspielraum der Gemeinde stark ein. „In den nächsten Jahren müssen wir kleinere Brötchen backen.“ Neben dem Großprojekt stehen auch noch unaufschiebbare Themen wie Wasser- oder Breitbandversorgung an.

„Das Breitband gehört zur Grundversorgung und ist ein wichtiger Punkt, um Menschen für den ländlichen Raum zu begeistern“, ergänzt Isabell Rathgeb. „Beim Breitband muss jetzt Geld in die Hand genommen werden, solange es die Bundesförderung gibt“, so Timo Fuchs, „auch wenn sich die Verschuldung dadurch beinahe verdoppelt.“

In Stimpfach gibt es seit langem wieder zwei Listen mit Kandidaten für den Gemeinderat und damit auch eine echte Wahl.

Alle vier Kandidaten auf dem Podium waren sich einig, dass es auch zukünftig bei einer unechten Teilortswahl bleiben soll. Nur bei dieser Wahlform sei garantiert, dass die Interessen und Meinungen aller Teilorte im Gemeinderat vertreten seien, so Isabell Rathgeb. Und August Schirle betonte ergänzend: „Bisher sind wir gut damit gefahren und deshalb soll es auch so bleiben. Wichtig ist der Zusammenhalt in der Gemeinde.“ Auch Timo Fuchs will dieses Wahlverfahren zur Stärkung der Identität der Teilorte beibehalten. „Solange ich im Gemeinderat sitze, gibt es für die Abschaffung der unechten Teil­ortswahl sicherlich keine hundertprozentige Mehrheit“, legte sich Markus Esterle fest.

Mitteilungsblatt kostenlos?

Ein weiterer Themenschwerpunkt war das Gemeindeentwicklungskonzept „Stimpfach 2030“. Zur Umsetzung hofft Isabell Rath­geb auf ehrenamtliche Unterstützung. „Wir finden immer jemand, der mitmacht. Das macht uns als Ort auch liebenswert.“ Auf dieses Miteinander setzt Markus Esterle ebenfalls: „Die Bürger können und sollen sich weiterhin so gut einbringen. Ich bin froh, dass wir dieses Konzept jetzt auf den Weg gebracht haben.“ Timo Fuchs forderte, die Kommunikation mit den Bürgern noch zu verbessern und vor allem die Vereine mehr einzubinden. „Wir müssen das Gemeindeblatt aufwerten und wieder mehr über die Ortschafts- und Gemeinderatssitzungen informieren“, forderte Markus Esterle. Timo Fuchs ging sogar noch einen Schritt weiter und regte an, das Mitteilungsblatt zukünftig kostenlos an alle Haushalte zu verteilen.

In Vellberg hat der Gemeindewahlausschuss zwei Listen zugelassen. Sechs Gemeinderäte bewerben sich nicht erneut um ein Mandat. 14 Frauen und Männer auf der großen Liste stehen Jochen Berner gegenüber.

Interesse an Gemeindepolitik

Harald Munz kandidiert nicht mehr für den Gemeinderat, interessiert sich aber dennoch weiterhin für die Gemeindepolitik. „Das Wahlforum war gut, die wichtigsten Themen wurden angesprochen“, so der 61-Jährige. Vermisst habe er nur das Thema Landwirtschaft, „schließlich sind wir eine ländliche Gemeinde“. Ihm gefalle in Stimpfach, dass es keine Parteien gebe und alle offen miteinander redeten.

Auf frischen Wind im Gremium durch neue Gemeinderäte hofft Franz Schlosser. Die Informationsveranstaltung zur Wahl hat ihm gefallen. „Ich bin sehr interessiert daran, was in der Gemeinde los ist und spreche die Gemeinderäte an, wenn ich etwas auf dem Herzen habe.“ Seine Wünsche für die Zukunft sind zusätzliche Arbeitsplätze und vielleicht sogar wieder eine weiterführende Schule in Stimpfach.

Vanessa Schindler ist mit Anfang 20 eine Jungwählerin. „Ich finde es gut, dass es so eine Möglichkeit gibt, sich über Kommunalpolitik zu informieren.“ Sie ist besonders daran interessiert, ob es in naher Zukunft genügend Bauplätze geben wird. Der Abend habe ihr zudem bei der Wahlentscheidung geholfen. „Ich wünsche mir vor allem den Zusammenhalt in den Teilorten.“ Wichtig sei ihr zudem, dass auch jüngere Kandidaten in den Gemeinderat einziehen. „Ich habe aber auch volles Vertrauen in die langjährigen Gemeinderäte. Die machen ihre Sache gut.“

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Info

Auch für den Ortschaftsrat in Rechenberg gibt es erstmals seit Langem wieder zwei Listen. Zehn Kandidaten bewerben sich um die sechs Mandate im Gremium.