Kultur Rot am See: Zuschauerin kämpft mit Lachkrampf

Fast wie Fernsehen: Theater in Rot am See.
Fast wie Fernsehen: Theater in Rot am See. © Foto: Gudio Seyerle
Rot am See / Guido Seyerle 17.04.2018
Theater Gribbl hat mit „Der Heiler von Rot am See“ Lacher auf seiner Seite. Vorverkauf hat sich bewährt.

Große Halle, viel Publikum? Oder kleine Halle, alle eng beieinander? Für die Theatergruppe des TV Rot am See ist die Entscheidung längst gefallen. Ins Vereinsheim passen 90 Zuschauer. Für die Schauspieler muss am Eingang ein Zelt aufgestellt werden, damit sie sich vorbereiten können. Wenn sich dann wie am Samstag bei der Abschlussvorstellung eine Zuschauerin vor Lachen nicht mehr halten kann und prustend in Richtung Ausgang rennt, dann wissen die Verantwortlichen: Alles richtig gemacht.

Statt ein Mal 400 Leute ins Forum kommen nun eben vier (oder fünf) Mal knapp 100 Besucher ins Vereinsheim. Seit vier Jahren ist das so. Und die Zuschauer lieben es, so eng bei den Akteuren an der Bühne zu sein. Das hat etwas von Wohnzimmeratmosphäre, man sitzt vor einer Art Riesenfernseher – und daraus fliegt sogar ab und an ein Fläschchen Schnaps.

Erstmals hatte die Theatergruppe auch den Vorverkauf anders organisiert. Früher gab es einen Vorverkaufstag, nach eineinhalb Stunden war man ausverkauft. Nun konnte man auch im Blumenladen im Ort Tickets kaufen. Das zahlte sich aus, als sich abzeichnete, dass die Nachfrage sehr groß war. „So konnten die Tickets für die Zusatzaufführung problemlos abgesetzt werden“, erzählt Kai Müller, der im „Heiler von Rot am See“ überzeugend den Dr. Bacchus gibt.

Die Schauspieler sorgen darüber hinaus für einen erheblichen Absatz der Eintrittskarten. Von Müller sind am Samstag 27 Freunde und Bekannte zu Gast, um zu sehen, wie sich der seit zehn Jahren Schauspielernde schlägt. Bernd May aus Buch am Wald ist voll des Lobes, als er in der Pause Chips und Spezi kauft: „Das ist zehnmal besser als Fernsehen.“

Regisseur Gerhard Kolb sitzt in der ersten Reihe. Ganz in der Mitte ist er an seiner giftgrünen Kleidung, die ihn als Teil der Schauspieltruppe ausweist, gut zu erkennen. In den zwei Pausen geht es auch darum, dass die Aktiven auf der Bühne verwöhnt werden. Deshalb holt immer einer vom Team den vorbereiteten Eimer mit Eiswürfeln und bringt ihn ins Zelt. „Wir glühen schon vor“, gibt Müller zu. Das hilft sicher auch etwas über die schwierige Zeit der Proben hinweg.

Nur drei Mal waren alle zwölf Akteure gleichzeitig verfügbar. Kolb erklärt: „Es waren immer welche nicht da – wegen Urlaub oder Weiterbildung.“ Geschadet hat es dem Zusammenhalt nicht, manche Proben wurden auch dank einer Lieferung Döner noch erfolgreich gestaltet.

Die Wahl des Stückes fiel auf einen Schwank. „Wir wollen nichts Hochgeistiges spielen“, sagt Müller. „Das ist eher was für die umliegenden Theatergruppen.“ Der Heiler von Rot am See schafft es, dass in seiner Gemeinde der niedrigste Krankenstand von ganz Deutschland herrscht. Sein Geheimnis: Bier heilt alles. Schluckimpfungen erfolgen per Probiergläschen. Nur beim Ehemann von Wilma Öfter funktioniert dies nicht. „Er ist schwer krank“, erklärt der Doktor. „Deshalb darf er keinesfalls mit Hausarbeiten beschäftigt werden.“

Damit ist Wilma, hervorragend verkörpert von Bianca Baumann, nicht einverstanden: „Bei den Männern ist es wie bei den Äpfeln, direkt nach der Reife kommt die Fäulnis.“ Wenn dann noch das Fräulein Röschensträußchen behandelt werden will, folgen Lacher auf Lacher. Wegen des Erfolgs will die Gruppe 2019 drei Wochen spielen.

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