Milch zählt nicht unbedingt zu den bevorzugten Getränken auf der Muswiese. Bei den Kundgebungen, die der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) seit einigen Jahren im Vorfeld des Jahrmarktes in der „Hofburg“ abhält, lässt sich allerdings vortrefflich darüber sinnieren, warum zwischen dem Verkaufspreis für einen Liter des weißen Goldes aus den Ställen und dem goldgelben Gerstensaft aus den Brauereien schier unglaubliche Welten liegen.

Noch weitaus desaströser sind allerdings schon seit vielen Jahren die Erzeugerpreise, die ein Milchbauer für sein Produkt erhält. Und auch ein Nicht-Landwirt gerät schwer ins Grübeln über die Frage, wie die Betriebe es überhaupt schaffen, angesichts solcher Zahlen nicht im tosenden Milchmeer des Weltmarktes zu ertrinken.

Bei seiner Gründung vor 20 Jahren hat es sich der BDM auf seine Fahnen geschrieben, sich mit aller Macht gegen diesen Preis-Skandal zu stemmen. Inzwischen vertritt der Verband als größter Konkurrent des Bauernverbandes die Interessen von rund einem Drittel der 90.000 deutschen Milchbauern. „Vom belächelten Enfant terrible haben wir uns zu einem anerkannten Fachverband entwickelt“, bilanzierte Daniel Kieß­ecker aus Wittenweiler in der „Hofburg“.

„Auf dem Rücken der Bauern“

Der Vorsitzende des BDM-Kreisverbandes Schwäbisch Hall-Hohenlohe nahm kein Blatt vor den Mund, was unsäglich niedrige Milchpreise ebenfalls bedeuten: „Eine dekadente Konsumgesellschaft, die immer weniger für Lebensmittel ausgeben muss, wird auch auf dem Rücken der Bauern erst ermöglicht.“

Wie dieser aufreibende, aber zäh geführte Kampf um faire, weil kostendeckende Milchpreise in den vergangenen 20 Jahren geführt wurde, rief Romuald Schaber in Erinnerung. Der streitbare Landwirt aus dem Allgäu stand bis zum Frühjahr an der Spitze des BDM-Bundesverbandes und wurde von Stefan Mann abgelöst.

Der BDM sei stolz darauf, seine Arbeit ohne jegliche staatliche Hilfen leisten zu können: „Da kann man den Mund aufmachen und sagen, was man denkt – ohne Gefahr zu laufen, bei nächster Gelegenheit gegängelt zu werden.“ 

Muswiese 2018

Bildergalerie Muswiese 2018

„Überlebenswichtig“ sei für den BDM der Milchstreik im Jahr 2008 gewesen, als die Preise ins Bodenlose stürzten. Über 27.000 Milchbauern protestierten damals bundesweit vor 100 Molkereien und lieferten keine Milch mehr ab.

Fachliche Informationen von Kurt Reinhardt von der CT-Agentur in Wolpertshausen zur neuen Düngeverordnung rundeten die BDM-Kundgebung ab.