Stimpfach Zündpapierle, Blasmusik und 90 Kilo Kartoffelsalat

Die Melodien erfreuen die Besucher, darunter Günter Schöller und seine Rechenberger Schlepperfreunde.
Die Melodien erfreuen die Besucher, darunter Günter Schöller und seine Rechenberger Schlepperfreunde. © Foto: Ursula Richter
Stimpfach / Ursula Richter 24.07.2018
Gutes Essen und „Melodien am Stausee“ erfreuen Besucher des Seefests der Musikkapelle Stimpfach.

„Heute wird in Stimpfach nicht gekocht.“ Josef Saur war sich zu Recht sicher, dass das regnerische Wetter am Sonntag die meisten nicht davon abhalten würde, an den Reiglersbachstausee zu kommen. „Hauptsache es ist nicht kalt“, fand der Dirigent der Musikkapelle.

Und das war es tatsächlich nicht. Man saß unter den Dächern der beiden Festzelte. Die Jugendkapelle spielte am Vormittag nach dem ökumenischen Kindergottesdienst unter einem orangeroten Schutzdach. Sie wurde nach dem Mittagessen von einer kleineren Besetzung der Musikkapelle abgelöst und war dann im Service beim Einsatz.

Über 30 Personen sind jeweils eingeteilt. „Das geht alles ruckzuck. Und das ist auch wichtig“, findet Josef Saur. Auch bei der Vorbereitung. Sonst zieht es sich so. „Den Kartoffelsalat machen zehn Frauen“, erzählte er. Dazu waren 90 Kilo Kartoffeln gekocht und geschält worden. Es ist alles handgemacht wie immer in den sechs Jahren, seit es das Fest gibt. Die vielen Kuchen für nachmittags sowieso. „Die Leute wollen das und schätzen das.“

Auch die Oldtimerbesitzer ließen sich das leckere Essen munden. Sie hatten einen kleinen Verzehrgutschein bekommen. Die Rechenberger Schlepperfreunde waren mit sieben Mann vorgefahren. In ihren einheitlich blauen Polos und dunkelblauen Sweatshirts saßen sie an einem Tisch zusammen, fachsimpelten ein bisschen und genossen den Tag.

Günter Schöller war mit seinem Allgäuer, Baujahr 1950, da. „Er ist zwei Jahre jünger als ich“, lächelte er. Für die fünf Kilometer haben sie eine halbe Stunde gebraucht. Das gehört alles dazu. Auch dass er, wenn er einen Liter Diesel tankt, zwei Liter Wasser nachfüllen muss. „Für die Verdampfungskühlung“, erklärte er. Er zog etwas aus der Hosentasche, was ein bisschen wie ein geschälter Zigarettenfilter aussieht und legte es auf den Tisch: ein Zündpapierle. „Das kann man wieder kaufen. In einer Dose sind 100 Stück. Die langen mir voll naus.“ Oldtimer sind im Trend.

Da freuen sich die Schlepperfreunde, dass sie die Fahrzeuge nicht weggegeben haben, als man damals die Höfe nur noch im Nebenerwerb weiterbetrieben hat. Heute sind es Raritäten, die sich manche extra aus Polen wieder zurückkaufen oder die dort sogar nachgebaut werden.

Es geht beim Allgäuer alles wie früher mit Ankurbeln und einem 50 Kilo schweren Schwungrad. Alle drei Jahre sind sie auf dem Volksfest in Crailsheim mit ihren sorgfältig gerichteten Fahrzeugen. Aber hier am See ist es auch schön.

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