Zwischen 120.000 und 150.000 Euro kostet es, einen 1000 Meter langen Kreisstraßenabschnitt per Deckenerneuerung zu sanieren. Das neue Verfahren der Asphalt-Konservierung hingegen würde auf einer ebenso langen Strecke nur 25.000 bis 30.000 Euro kosten, sagt Erwin Tiroke. Der Leiter der Amtes für Straßenbau und Nahverkehr des Landkreises Schwäbisch Hall stellte bei der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses ein neues Verfahren zur Konservierung von Asphaltdeckschichten vor.

Straßenbelag altert schnell

Asphalt unterliege einer ständigen Alterung, die bereits nach dem Einbau beginne. Ursache hierfür sei der Verschleiß des Bindemittels (Bitumen), so Tiroke. Durch die Bindemittelverhärtung und -versprödung komme es zu Kornablösungen und Rissbildungen. Dies führe schließlich mit der Zeit zur kompletten Zerstörung der Deckschichten – Schlaglöcher und große Risse entstünden. Dieser Alterungsprozess trete schon nach sieben bis acht Jahren Straßennutzung auf, auch dann, wenn bei Herstellung, Qualitätskontrollen und Überwachung sorgfältig gearbeitet würde, ist der Amtsleiter überzeugt.

Das Verfahren zur Asphalt-Konservierung soll dem Alterungsprozess entgegenwirken. Dabei werden die Deckschichten durch eine Versiegelung geschützt. Das Bindemittel soll dadurch flexibel bleiben und seine Klebekraft zum Einbinden der Gesteinskörnungen behalten – Wassereintritt in den Asphalt wird verhindert. Ziel ist, die Nutzung und Lebensdauer durch die Konservierung zu verlängern.

Angewandt werden soll die Sanierungsmethode bei Deckschichten, die kleinere Risse oder Versprödungen aufweisen. Das Konservierungsmittel wird mit einer Spritzrampe aufgebracht, und schon nach zwei Stunden kann die Baustrecke wieder befahren werden. Bei größeren Rissen oder Schlaglöchern hingegen bringt die Methode nichts mehr.

Konservierung kann wiederholt werden

Die Konservierung könne nach sechs bis acht Jahren wiederholt werden, wodurch „eine sehr lange Nutzungsdauer des Asphalts“ zu erreichen sei, ist Tiroke überzeugt. Ein weiterer Vorteil sei, dass im Vergleich zu Deckenerneuerungen der Maschineneinsatz weitaus geringer sei.

In Rheinland-Pfalz sei die Konservierungsmethode bereits verbreitet, in Baden-Württemberg hingegen bislang nur einmal am Autobahnkreuz Weinsberg zum Einsatz gekommen. Informiert habe man sich bei der Firma Possehl Spezialbau aus Sprendlingen nahe Mainz. Sieben Kreisstraßen-Abschnitte habe man gemeinsam mit Firmenvertretern besichtigt und eine Konservierung noch in diesem Jahr oder im nächsten Jahr ins Auge gefasst. Erstmals zum Einsatz kommen soll das Verfahren noch im ersten Halbjahr 2019 auf dem 1,3 Kilometer langen Abschnitt zwischen den Haller Ortsteilen Matheshörlebach und Jagstrot.

Kreisrat Kurt Wackler (Freie) bezweifelte bei der Ausschusssitzung, dass der Asphalt nach der Konservierung noch eine ausreichend hohe Griffigkeit aufweist. „Wir sind da sehr skeptisch“, betonte Wackler. Tiroke versicherte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Konservierungsarbeiten von Griffigkeitsmessungen begleitet würden.

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Auf sieben Abschnitten könnte getestet werden


Für folgende Strecken zieht die Kreisverwaltung das neue Verfahren 2019/2020 in Erwägung: Matheshörlebach-Jagstrot (1,3 Kilometer), Jagstrot-Oberscheffach (1,7 Kilometer), Oberscheffach-Großaltdorf (1,6 Kilometer), Kreuzung K 2627/L 1060-Herlebach (2,7 Kilometer), Ruppertshofen-Leofels (1,7 Kilometer), Satteldorf-Bronnholzheim (2,6 Kilometer) und Satteldorf-Ellrichshausen (4,2 Kilometer).