Prozess Windpark-Prozess: Anleger steigt mit Kredit ein und verliert einen sechsstelligen Betrag

Blaufelden/Paderborn / ULRICH PFAFF 11.03.2014
Nach vier Monaten Verhandlungsmarathon spricht Mike Rico Trentzsch nur noch selten. Dafür erzählen die Zeugen umso mehr über den gescheiterten Windpark Wittenweiler und verschwundene Gelder.

Ein beredter Zeuge hatte sich auch am jüngsten Verhandlungstag vor dem Landgericht Paderborn eingefunden. Der 50-jährige Mann hat eine Menge Geld verloren, so viel, dass er einige der Fragen der Richter reichlich zerknirscht und selbstkritisch beantwortete.

Einen sechsstelligen Betrag hatte er dem 43-jährigen Angeklagten Trentzsch bereits Ende 2009 überlassen - er habe Anlagemöglichkeiten in Sachwerten gesucht und Windkraft für eine gute Investition gehalten, sagte der Zeuge. Dass er sich bei seinem finanziellen Engagement im Windpark Wittenweiler jedoch über die Bedenken seines Steuerberaters hinweggesetzt hatte, räumte der Mann erst auf Nachfragen der Staatsanwaltschaft ein.

Trentzsch habe bei einer Informationsveranstaltung auf ihn einen so seriösen und überzeugenden Eindruck gemacht, dass er sich trotz des Abratens entschieden habe, einzusteigen. Damit nicht genug: Im Jahr 2011 machte der Zeuge erneut, wie er sagte, "richtig viel Geld" locker, um sich ein ganzes Windrad zu sichern - die Summe hingegen hatte er nicht flüssig und nahm dafür einen Kredit auf. Erst später, als sich auf der Baustelle immer noch nichts tat und er die zunächst eingezahlten Gelder nicht zurückbekam - und auch nicht die versprochene Rendite - sei er misstrauisch geworden.

Verlust verkraften, Kredit abtragen

Auf Anraten eines Anwalts habe er sich schließlich Anfang 2013 mit Trentzsch nach längeren Verhandlungen darauf geeinigt, dass er für den Wert seiner Einlagen Projektrechte übertragen bekommen solle. "Der Anwalt wollte meine Einlagen insolvenzsicher machen", sagte der Zeuge aus. Ob das gelungen ist, muss noch geklärt werden, denn möglicherweise war die Übertragung der Projektrechte durch Trentzsch gar nicht rechtswirksam.

"Glauben Sie denn, dass Sie Inhaber der Projektrechte sind?", fragte der Vorsitzende Richter - "ich wünsche mir es", antwortete der 50-Jährige. Immerhin muss er bislang nicht nur den Verlust seiner Anlage verkraften, sondern auch den Kredit abtragen. Dies werde ihm vermutlich innerhalb von zehn Jahren gelingen, zeigte sich der Zeuge optimistisch.

Ein Teil der Einlagen des Zeugen sind vom Angeklagten möglicherweise statt in eines der Windräder in ein völlig anderes Projekt geflossen: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben ergeben, dass eine zweite Tranche für einen Kommanditanteil von Trentzsch zur Finanzierung des Erwerbs einer Villa im Ostseebad Kühlungsborn verwendet wurden. Der Zeuge beteuerte, er wisse davon nichts. "Was soll ich dazu sagen?" "Betrug, könnte man dazu sagen", entgegnete Oberstaatsanwalt Ralf Günther.

Weitere Verhandlungstage sind bis Ostern angesetzt. Die Erste Große Strafkammer rechnet dann jedoch noch nicht mit einem Ende des Verfahrens.