Gemeinschaft Windpark-Planungen: Auf Augenhöhe mit Konzernen

Satteldorf / HARALD ZIGAN 05.03.2013
Eine Schlüsselrolle bei den Windkraft-Plänen der Landesregierung spielt Hohenlohe - und damit die hiesigen Landwirte: Auf ihren Flächen wird sich wohl ein Großteil der geplanten Windräder drehen.

Der "Windatlas" für Baden-Württemberg löste im März 2011 eine Goldgräber-Stimmung in Hohenlohe aus: Auf den Karten wimmelt es zwischen Schrozberg und Stimpfach von windhöffigen Gebieten.

Dem Goldrausch folgte inzwischen eine gewisse Ernüchterung: Potenzielle Windmüller müssen einen komplizierten und langen Gang durch die Bürokratie antreten - und längst nicht alle möglichen Vorrangflächen dürften bei Kommunen und Regionalverband in den Genuss einer Genehmigung kommen.

Wie im Wilden Westen

Dessen ungeachtet geht es in manchen Dörfern beim Kampf um Pachtverträge schon seit Monaten wie im Wilden Westen zu. Dirk Schneider kann ein Lied davon singen: Als Steuerberater und Rechtsanwalt arbeitet er für die Steuerberatungsgesellschaft LGG, eine Tochterfirma des Bauernverbandes.

Auf seinem Schreibtisch liegen derzeit die Unterlagen für 100 Windrad-Projekte im Land. Mitglieder des Bauernverbandes nehmen die LGG-Dienste gerne in Anspruch, um im Dickicht von Paragrafen und ganz speziellen Pachtverträgen den Durchblick zu behalten.

Über den Tisch gezogen

An Fallstricken mangelt es jedenfalls nicht, wie Dirk Schneider bei einer Bezirksversammlung des Bauernverbandes im "Golden Nugget" in Satteldorf erklärte: "Ich habe da schon etliche Knaller erlebt, wie Bauern mit haltlosen Versprechungen über den Tisch gezogen worden sind."

Den Königsweg bei der künftigen Wind-Ernte sieht Dirk Schneider in Grundstücksgemeinschaften und in Bürgerwindrädern: "Wenn sich zehn kleine Indianer zusammenschließen, dann wird den Projektentwicklern und Konzernen auf Augenhöhe begegnet - und die Landwirte können nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden."

Unbedingt sollte bei den künftigen Pachtzahlungen ein Schlüssel verwendet werden, der die jeweiligen Anteile für einen direkten Windrad-Standort und die restlichen Flächen des Windparks festlegt. "Dabei sollten auch die Zuwege und die versiegelten Flächen berücksichtigt werden", sagte der Experte.

Eine Beteiligung der Bürger am üppig fließenden Strom-Geld hebe die Akzeptanz ("Meine eigene Kuh stinkt nicht") der Anlagen enorm. Dirk Schneider empfahl statt Darlehensmodellen eine direkte Beteiligung mit Eigenkapital: "Dann werden die Bürger zum Eigentümer des Windrades und können auch Einfluss auf die Standorte oder Abstände zum Dorf nehmen." Risiken sind damit aber noch lange nicht aus der Welt - etwa, wenn der Wind schwächelt. Dann können die Zinsen für Windrad-Kredite schon mal höher ausfallen als die Rendite.

Diese Erfahrung haben hohenlohische Windpark-Betreiber in diesem Jahr schon gemacht: Im Januar und Februar fehlten starke Brisen, die Stromerträge fielen bei manchen Anlagen im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent niedriger aus.

Das Strom-Geld und seine Folgen für den Windkraft-Ausbau

Der große Boom bei den Windrädern setzt nach Ansicht von Dirk Schneider erst ab dem Jahr 2015 im Land Baden-Württemberg ein - wenn überhaupt: "Falls Umweltminister Peter Altmaier dazwischenfunkt und die Einspeisevergütung für die Windkraft tatsächlich sinkt, wird in Hohenlohe fast gar kein Windrad mehr gebaut, weil sich dann die Anlagen schlicht nicht mehr rechnen dürften", wie der Experte von der LGG Steuerberatungsgesellschaft des Bauernverbandes bei seinem Vortrag in Satteldorf prognostizierte.