Windrad Windpark-Plan in Neustädtlein: Der reine Horror für Hoteliers

Fingerzeig von einem Balkon des "Vital-Hotels" in Fichtenau-Neustädtlein auf die geplanten Windrad-Standorte (von links): Fritz Meiser, der Landtagsabgeordnete Helmut W. Rüeck (CDU), Armin Meiser sowie die beiden Landtagsabgeordneten Arnulf Freiherr von Eyb (CDU) und Nikolaos Sakellariou (SPD), die den Petitionsausschuss repräsentierten.
Fingerzeig von einem Balkon des "Vital-Hotels" in Fichtenau-Neustädtlein auf die geplanten Windrad-Standorte (von links): Fritz Meiser, der Landtagsabgeordnete Helmut W. Rüeck (CDU), Armin Meiser sowie die beiden Landtagsabgeordneten Arnulf Freiherr von Eyb (CDU) und Nikolaos Sakellariou (SPD), die den Petitionsausschuss repräsentierten. © Foto: Harald Zigan
Wildenstein / HARALD ZIGAN 03.08.2015
Bleiben scharenweise Gäste weg, wenn Windräder kommen? Das befürchtet die Hoteliersfamilie Meiser aus Neustädtlein - und hofft in ihrer "existenziellen Not" auf die Hilfe des Petitionsausschusses.

Beim Lokaltermin des Petitionsausschusses im Rathaus in Wildenstein schälte sich die zentrale Frage, die von den Landtagsabgeordneten Nikolaos Sakellariou (SPD) und Arnulf von Eyb (CDU) nach der Sommerpause des Gremiums beantwortet werden muss, recht schnell heraus: Versetzt der Anblick von Windrädern dem Tourismus in einer Gegend den Todesstoß?

Davon ist die Familie Meiser aus Neustädtlein, die insgesamt elf Millionen Euro in ihr "Vital-Hotel" gesteckt hat, zutiefst überzeugt (das HT berichtete). Für Armin Meiser ist die Vorstellung, dass sich 1200 Meter von ihrem Vier-Sterne-Haus entfernt eines Tages vier Windräder drehen, der reine Horror. Bis zu 25 Prozent weniger Gäste befürchten die Hoteliers, das wäre eine "existenzielle Gefahr".

Tobias Zwiener vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) verwies auf Studien für den Schwarzwald, wonach ein Drittel der Urlauber nicht in Regionen mit einem gestörten Landschaftsbild reisen würde. Dr. Till Jenssen vom Umweltministerium in Stuttgart hielt Untersuchungen aus dem weitaus windmühlengewohnteren Norddeutschland dagegen, wonach sich nur rund vier Prozent der Touristen an den Rotoren stören.

Hotel durchaus im Blick

Die Rechtsanwältin Dr. Sylvia Meyerhuber aus Ansbach, die der Familie Meiser juristisch zur Seite steht, monierte die regionalen und kommunalen Planungen für Windrad-Standorte: "Existenzielle Tourismus-Interessen" wie bei ihren Mandaten seien hierbei "völlig unzulänglich oder auch gar nicht" berücksichtigt worden. Diesen Vorwurf wollte Klaus Mandel, Direktor des Regionalverbandes Heilbronn-Franken, nicht auf sich sitzen lassen: Bei den Planungen für das 24 Hektar große Vorranggebiet bei Neustädtlein "habe man das Hotel durchaus im Blick gehabt".

"Keine bedrängende Wirkung"

Letztlich sei aber der Regionalverband zu dem Schluss gekommen, dass Windräder an dieser Stelle keine "bedrängende Wirkung" ausüben. Die Ängste der Familie Meiser könne er "sehr wohl nachvollziehen", aber auch der Regionalverband müsse sich letztlich an gesetzliche Vorgaben halten.

Bürgermeister Robert Fischer aus Kreßberg (seine Gemeinde legt in der Verwaltungsgemeinschaft mit Fichtenau die Flächennutzungspläne für Windrad-Standorte fest) versicherte, dass für das Vorranggebiet bei Neustädtlein "objektive Kriterien" angelegt wurden. "Wir übten uns dabei in Schadensbegrenzung - die bösen Buben sind nicht die Kommunen und auch nicht der Regionalverband."

"Das Problem kann nicht planerisch, sondern nur politisch gelöst werden", sagte der CDU-Abgeordnete Helmut W. Rüeck, der als örtlicher Parlamentarier zu dem Lokaltermin erschien. Ein "Sonderstatus" für Fälle wie beim "Vital-Hotel" wäre für die neue Fichtenauer Bürgermeisterin Anja Wagemann wünschenswert: "Das ist aber eine politische Frage." Ob hier der Petitionsausschuss mit seiner begrenzten Macht landespolitische Berge versetzen kann, bleibt abzuwarten.

Widerstand auf breiter Front

In Neustädtlein haben Windräder offenbar nicht gerade viele Freunde: Ernst Reuter führt beim Lokaltermin des Petitionsausschusses 106 Bürger ins Feld, die per Unterschrift gegen das geplante ENBW-Projekt protestieren. Und Patrick Schichta, Mitarbeiter des "Vital-Hotels", hat die Petition unterzeichnet - mitsamt seinen 215 Kollegen, die nach Gesprächen mit Gästen "katastrophale Folgen" bei einem Windpark befürchten.

Harald Golly und Martin Borkmann von der Sportfliegergruppe Crailsheim verweisen auf die Wirbelschleppen der Rotoren, die Nachwuchspiloten beim Start im nahen Weipertshofen in die Bredouille bringen können.

Drastisch drückte Friedrich Barthelmeß, selbst ein windradgeschädigter Ferienhausbesitzer aus dem benachbarten Waldeck, die zusätzliche Belastung von Neustädtlein aus: "Zusammen mit der Lärm der A7 und dem Mobilfunkmast wird das Dorf zur Müllhalde."

HAZ

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