Energie Windiger Widerstand wächst

HERMANN SORG 12.09.2013
Viele kennen das idyllische Tal der Blinden Rot im Nordwesten des Ostalbkreises. Bundespräsident Carstens hat es einst erwandert und gepriesen. Eisvogel und Schwarzstorch sind dort regelmäßig zu erleben.

Die Blinde Rot entspringt beim Hirschhof an der Gemeindegrenze von Rosenberg zu Frankenhardt und fließt 28 Kilometer überwiegend durch die Wälder des Virngrunds bis zur Mündung in den Kocher in Abtsgmünd. Das land- und forstwirtschaftlich geprägte Quellgebiet könnte bald mit zehn bis 20 Windkraftanlagen zugestellt sein, wenn die Pläne der Gemeinden Rosenberg, Frankenhardt, Bühlertann und Bühlerzell Realität werden.

Um dem Wildwuchs entgegenzusteuern, hat sich im April des Jahres eine Interessengemeinschaft (IG) aus Bewohnern der Ortschaften Fleckenbachersägmühle, Hirschhof, Vorder- und Hinteruhlberg, Betzenhof, Lindenhof und Hettensberg gebildet. Die Mitglieder dieser IG sind - so beteuern sie - keine Windkraftgegner, sondern Befürworter der Windenergie. Ihr Ziel ist es, die Abstände von Windkraftanlagen zu ihren Wohnungen zu vergrößern.

Üblich in Baden-Württemberg sind 700 Meter, die IG möchte jedoch 1000 Meter haben, um die Lebensqualität ihrer Wohngebiete nicht noch mehr zu schmälern. Der Gemeinderat von Frankenhardt hatte im Juli 2012 einen Abstand von 950 Meter beschlossen, machte den Beschluss jedoch im September 2012 auf Druck der Verwaltungsgemeinschaft Crailsheim wieder rückgängig und reduzierte ihn auf 700 Meter, weil er einen Bürgerwindpark ausweisen will.

Als schwierig sieht die IG auch das unübersichtliche Planungsverfahren in Baden-Württemberg. Jeder Regionalverband weist aufgrund des Windatlasses Wind-Vorranggebiete aus. Verwaltungsgemeinschaften und Gemeinden müssen diesen Planungen mehr oder weniger folgen und Konzentrationsgebiete beschließen. Und dann kommt es an den Verwaltungsgrenzen zu grotesken Situationen, weil - wie hier - der Ostalbkreis wesentlich weiter bei der Ausweisung von Konzentrationsflächen ist als der Landkreis Hall.

Weitere Konzentrationsfläche

Nach einer Konzentrationsfläche der Gemeinde Rosenberg westlich von Hummelsweiler ist ein halbes Jahr später von der Gemeinde Frankenhardt eine 109 Hektar große Fläche für zehn bis 12 Windanlagen im Gewann Schäfer hinzugekommen. Der Gemeindeverwaltungsverband Oberes Bühlertal, zu dem Bühlertann gehört, wird erst in den nächsten Wochen seine Gebiete beschließen. Es könnte dann sein, dass im Südwesten des Quellgebietes der Blinden Rot eine weitere Konzentrationsfläche hinzukommt. Dann wären die eingangs genannten Ortschaften teilweise von drei Seiten mit Windkraftanlagen zugestellt.

Zum Bürgerschaftsfest der IG am vergangenen Sonntag bei der Fleckenbachersägmühle kamen nach Aussage ihres Sprechers Peter Schneider rund 500 Menschen, um sich zu informieren und zu diskutieren. Auf großes Unverständnis stieß vor allem die Nichtanerkennung der Schwarzstorchbeobachtungen der IG-Mitglieder durch die Planungsbehörden in diesem Gebiet. Rund 20-mal wurde er nach Angaben der IG gesichtet und auch fotografiert. Eine Brut wurde aufgrund des schlechten Wetters im Frühjahr 2013 allerdings nicht festgestellt. Der erstmals beobachtete sehr seltene Wespenbussard fand ebenfalls keine Aufnahme in die Unterlagen der Planungsbehörden. "Der Schwarzstorch hat einen Schutzradius von drei Kilometern um seinen Horst, der Mensch jedoch nur 700 Meter! Ist das nicht eine Schizophrenie in den Köpfen der Windkraftplaner?", fragte ein Beteiligter.