Pädagogik Wildlinge stromern durch den Wald

Kreßberg / Luca Schmidt 28.07.2018
Die Gemeinschaft Tempelhof hat einen Waldkindergarten eröffnet. Die Kinder verbringen die meiste Zeit draußen – auch im Winter. Das Konzept: Der Wald als Bewegungs- und

Auf Bäume klettern, Häuser aus Holz bauen, im Matsch spielen – das machen die „Wildlinge“ in Kreßberg. Die Wildlinge, das sind die Kinder des Waldkindergartens der Gemeinschaft Tempelhof. Bei Wind und Wetter sind sie an einem ihrer Waldplätze und spielen an der frischen Luft.

Und so läuft der Tag für die Wildlinge ab: „Zwischen acht und halb neun haben wir die Bringzeit, in der die Kinder hier ankommen“, sagt Alexandra Schwarzer. Sie ist Sozial- und Waldpädagogin und eine der Begleiterinnen der Kinder.

Jeder in seinem Tempo

Es folgt der Morgenkreis, bei dem ein Lied gesungen wird. „Danach laufen wir zu einem unserer Waldplätze. Aber nicht alle gleichzeitig, sondern jedes Kind in seinem Tempo. Begleitet werden sie von drei pädagogischen Kräften“, erklärt Schwarzer.

Um halb Zehn, wenn alle da sind, gibt es den Frühstückskreis. „Jedes Kind hat ein Getränk und etwas zu Essen dabei“, so Schwarzer. Bis ungefähr viertel vor zwölf haben die Wildlinge Zeit, um zu spielen. Danach wird aufgeräumt und die Kinder werden um halb eins von ihren Eltern am Waldrand abgeholt.

Dabei gibt es im Wald kein Spielzeug für die Wildlinge. „In der freien Spielzeit schauen wir situativ, was die Kinder machen möchten“, sagt Schwarzer. „Wir nehmen Equipment mit und stellen das den Kindern zur Verfügung.“ Schwarzer hat beispielsweise Seile dabei, aus denen sie Spielgeräte wie kleine Brücken und Schaukeln bauen kann. So könne jeder seinen eigenen Ideen und Wünschen nachgehen. Auch Konflikte sollen die Kinder möglichst selbst lösen.

„Mit dem Waldkindergarten gestartet sind wir im März, damals noch mit acht Kindern“, sagt die Sozialpädagogin. Nach nur kurzer Zeit waren alle Plätze vergeben, auf der Warteliste stehen bereits einige Namen. Insgesamt bietet der Waldkindergarten Platz für 15 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. „Es sind vor allem Kinder aus der Gemeinschaft Tempelhof und von Eltern, die sich für das Konzept interessieren“, sagt Schwarzer. 200 Euro im Monat kostet der Kindergarten für die Zwei- bis Dreijährigen, für die Älteren sind es 150 Euro.

Begleiten, nicht erziehen

Alexandra Schwarzer lebt seit sechs Jahren auf dem Tempelhof und hat am Konzept Waldkindergarten mitgearbeitet. „Wir möchten die Kinder begleiten und sie nicht erziehen. Wir sorgen für eine entspannte Atmosphäre, in der sie lernen und sich entdecken können.“

Im Jahr 2002 hat Schwarzer einen Waldkindergarten in Köln gegründet. „Der Unterschied zu anderen Kindergärten ist die Umgebung. Der Wald ist ein Bewegungs- und Entdeckungsraum, in welchem die Kindern in ständigem Kontakt zur Natur stehen.“ Der Wald sei eine optimale Umgebung für Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. „Hier können sie ihre Potenziale in ihrer Geschwindigkeit entfalten.“

Und was passiert, wenn es hagelt, regnet oder stürmt? „Wir haben im Wald eine Regenplane und als Notunterkunft einen Bauwagen“, sagt Schwarzer. Aber eigentlich sei man immer draußen – bei Wind und Wetter. „Die richtige Kleidung ist wichtig“, sagt die Sozialpädagogin. Die Kinder ziehen sich im Idealfall nach dem Zwiebelprinzip an – es werden also mehrere Kleiderschichten übereinander angezogen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel