Wildenstein Wildenstein: Wenn Kai Gronbach eine Kuh zur Konfirmation kriegt

Wildenstein / JENS SITAREK 18.05.2015
Britta ist acht Jahre alt, kommt eigentlich aus dem Schwarzwald und ist noch neu in der Gemeinde Fichtenau. Sie ist eine ganz Hübsche, aber manchmal eben noch ein wenig stur. Und Hörner hat sie auch. Britta ist eine Kuh, genauer gesagt ein Hinterwälder-Rind, und sie gehört Kai Gronbach.

Der 13-Jährige aus Wildenstein hat Britta zu seiner Konfirmation vor zwei Wochen von seinem Großvater geschenkt bekommen. "Eine Kuh ist besser als ein PC", so sagt es sein Vater Matthias Gronbach.

Dazu muss man wissen, dass Kais Großvater öfter Urlaub im Schwarzwald macht und sich mit Kühen auskennt. Seit es Britta gibt, ist der Junge, das kann man sich gut vorstellen, die Attraktion im Ort. Wie er seine Britta an der Leine die Lange Straße hinunter zur Weide führt! "Was für ein schöner Anblick", sagen auch die Nachbarn.

"Alle hören auf und er fängt an"

Wer nicht gerade aus dem Fenster schaut, macht sich draußen selbst ein Bild und stellt fest, dass die Kuh wirklich echt ist. Vor allem die Älteren denken bei dem Anblick an früher zurück, da war das Alltag. Die Gebäude in der Langen Straße und deren Lage lassen auch heute noch erahnen, dass es die eine oder andere Kuh gegeben haben muss. "Alle hören auf und er fängt an" - die, die das sagt, heißt Claudia Gronbach und ist Kais Mutter. Die Begeisterung der Menschen in und um Wildenstein geht sogar so weit, dass sie Kai Melkzubehör schenken. So wie Erich Köhler aus Gunzach. "Weil der das auch so toll findet, dass der sich eine Kuh antut", betont Claudia Gronbach.

So lange noch Milch kommt...

Die Weide, die es für seine Heumilch braucht, hat Kai Gronbach übrigens selber eingezäunt, sie ist gleich in der Nähe. Da Britta von einer großen Herde kommt, hockt er sich meistens dazu und passt auf. "Die läuft sonst weg", befürchtet er. Manchmal übernimmt Uroma Thea das Aufpassen, so ist jedenfalls der Plan. Sie ist zwar schon 88 Jahre alt, aber Rumsitzen ist ihre Sache nicht. Zu Spitzenzeiten hatte sie früher selber fünf Kühe, sie weiß also, wie das ist. Der Tag von Thea Gronbach beginnt auch heute noch jeden Morgen um fünf Uhr, dann weckt sie immer ihren Urenkel, denn Britta muss vor der Schule ja gemolken werden. "Hauptberuflich lohnt sich das nicht", das weiß Kai Gronbach schon jetzt. Sein Hobby betreibt er trotzdem mit einer bemerkenswerten Ausdauer, Schwester Lea (11) und Bruder Max (4) weichen kaum von seiner Seite. Beim Melken sitzt jeder Handgriff. "Die hat schon a weng ausgelutschtes Euter", sagt Kai Gronbach, "aber so lange noch Milch kommt . . ."

Wenn Britta nicht auf der Weide steht, steht sie praktischerweise im Stall von der Uroma. Der ist zwar ein bisschen in die Jahre gekommen, aber für den Anfang reicht es. Eine Tränke gibt es auch. Und der Stall ist dank Kai voller Heu und Stroh. Derzeit träumt er von einer Urin-Rinne und davon, den Stall einmal auszubauen. Doch das ist Zukunftsmusik, zunächst gilt es die drei Tage zu überbrücken, an denen er auf Bläserausflug ist. Wie man hört, springt dann sein Nachbar beim Melken ein. Der heißt Tobias Dürr, ist auf einem Milchviehbetrieb aufgewachsen und arbeitet heute als Pfarrer - und er hat Kai konfirmiert.

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