Frankenhardt Wie viel Feuerwehr braucht Frankenhardt?

Mit regelmäßigen Übungen proben die Feuerwehrleute den Ernstfall – wie hier bei einer Übung der Abteilung Gründelhardt in Spaichbühl.
Mit regelmäßigen Übungen proben die Feuerwehrleute den Ernstfall – wie hier bei einer Übung der Abteilung Gründelhardt in Spaichbühl. © Foto: Christine Hofmann
Frankenhardt / Christine Hofmann 05.12.2018
Die jetzt vorgestellte Bedarfsplanung kommt zu dem Ergebnis: Die Flächengemeinde benötigt auch künftig drei Magazinstandorte.

Ist die Frankenhardter Feuerwehr gut aufgestellt und für die Zukunft gewappnet? Wo muss investiert werden? Und: Macht es Sinn, an den drei Standorten Honhardt, Gründelhardt und Oberspeltach festzuhalten? Diese Fragen beschäftigen die Gemeindeverwaltung und den Gemeinderat schon seit längerer Zeit.

Die Antworten lieferte jetzt der leitende Branddirektor der staatlichen Feuerwehrschule Würzburg, Dr. Roland Demke, der im Auftrag der Gemeinde Frankenhardt einen Feuerwehrbedarfsplan erstellt hat. In der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der eine große Zahl von Feuerwehrleuten in Dienstuniform die Zuhörersitze füllte, präsentierte Demke die Ergebnisse.

Frage der Sicherheit

Die wichtigste Feststellung: Um alle Weiler in der Flächengemeinde zehn Minuten nach Alarmierung erreichen zu können, braucht Frankenhardt alle drei Standorte. Ein Verzicht auf einen Standort oder gar der Bau eines einzigen Magazins im Zentrum der Gemeinde geht auf Kosten der Sicherheit. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass mit drei Standorten ein Erreichungsgrad in der vorgeschriebenen Zeit in 75 bis 80 Prozent gelinge, führte Demke aus: „Das sind ordentliche Werte.“

In Gesprächen mit den Feuerwehrkommandanten und bei Besichtigungsterminen vor Ort hatte der Experte die Personalstruktur der drei Abteilungen, die Gebäude, den Fuhrpark sowie die technische Ausstattung begutachtet. Dabei stellte er fest, dass die Abteilungen Honhardt und Oberspeltach personell gut aufgestellt sind, die Personaldecke in Gründelhardt jedoch etwas dünn ist.

Um vor allem die Tagesverfügbarkeit zu verbessern – die meisten Aktiven arbeiten außerhalb der Gemeinde Frankenhardt und benötigen bei Einsätzen tagsüber eine längere Anfahrtszeit – schlug Demke vor, gezielt Personen für die Feuerwehrarbeit zu gewinnen, die ihren Arbeitsplatz in der Gemeinde haben. „Es gibt momentan nur einen aktiven Feuerwehrmann, der im öffentlichen Dienst beschäftigt ist. Das Ziel ist, hier langfristig sechs Feuerwehrmänner zu haben.“

Positiv wertete Demke, dass die Feuerwehrler gut ausgebildet sind und in den letzten Jahren einige Neuzugänge verzeichnen konnten. „Frauen sind in der Frankenhardter Feuerwehr noch nicht so stark vertreten“, sagte der leitende Branddirektor. „Es gibt bisher nur eine Frau. Das ist eine Ressource, die man noch entwickeln kann.“ Wie Kommandant Jürgen Volland nach der Gemeinderatssitzung mitteilte, ist inzwischen eine zweite Feuerwehrfrau eingetreten.

Gut aufgestellt ist dagegen die Jugendfeuerwehr, die momentan 13 Mitglieder zählt. Hier werden Kinder und Jugendliche spielerisch an spätere Aufgaben herangeführt. Ziel ist, schon in jungen Jahren das Interesse für das Ehrenamt zu wecken.

Gebäude veraltet

Deutliches Verbesserungspotenzial gibt es bei den drei Feuerwehrhäusern. In Gründelhardt gibt es keinen separaten Umkleideraum und ein großes Platzproblem. „Es fehlen Stellplätze, Leiter und Schlauchwagen liegen im Weg herum, der Heizraum wurde als Lager umfunktioniert“, stellte der Fachmann fest und empfahl hier schnellsten zu investieren. Rund 300.000 Euro kostet ein An- und Umbau und eine Veränderung im Fahrzeugkonzept kann mehr Platz schaffen.

Auch in Honhardt fehlen Umkleideräume, was eine Unfall- und Gesundheitsgefährdung darstelle. Das Magazin soll gemeinsam mit dem Bauhof neu gebaut werden, was rund 1,5 Millionen Euro kosten wird.

Zwar ist das Gebäude in Oberspeltach das einzige mit einem Umkleideraum, es ist jedoch so klein dimensioniert, dass ein neues Fahrzeug – das alte Löschgruppenfahrzeug ist schon 27 Jahre alt – nicht mehr ins Magazin hinein passt. Da hier keine Um- und Anbauten möglich sind, kommen nur ein Neubau oder die Umnutzung eines bestehenden Gebäudes infrage.

Investiert werden soll auch in den Fuhrpark, der fünf Fahrzeuge umfasst. Der Feuerwehrbedarfsplan sieht die Neuanschaffung eines Löschgruppenfahrzeugs vor. Dies sollte in Gründelhardt stationiert werden. Das bisherige Gründelhardter Fahrzeug wechselt zur Abteilung Oberspeltach, deren Oldtimer außer Betrieb genommen werden soll. Außerdem sollen sämtliche Anhänger in einem Gerätewagen zusammengefasst werden, um Platz im Gründelhardter Magazin zu schaffen. Die Jugendfeuerwehr soll einen Anhänger bekommen.

„Der Plan bringt uns ein gutes Stück voran“, sagte Gemeinderat Reinhard Hassel und fragte nach Fördermöglichkeiten für die zahlreichen Investitionen. Darauf antwortete Kämmerer Jürgen Reichert, dass frühestens im Jahr 2020 ein Ausgleichsstock-Förderantrag gestellt werden könne, da im nächsten Jahr zunächst der Um- und Ausbau der Wilhelm-Sandberger-Schule anstehe. Für Fahrzeuge könne eine Fachförderung beantragt werden.

Gemeinderat Steffen Messerschmidt freute sich über das klare Bekenntnis: „Wir brauchen drei Standorte.“ Und Gemeinderat Achim Rupprecht, der Kommandant der Abteilung Oberspeltach ist, mahnte zur Abkehr vom Abteilungsdenken. „Wir sind eine Feuerwehr mit drei Standorten. Es darf keine Diskussion sein, dass eine Abteilung ein gebrauchtes Fahrzeug übernimmt.“ Wichtig sei es, die Feuerwehrmänner bei diesem Prozess mitzunehmen.

Neue Mitglieder gewinnen

Rupprecht machte auch deutlich, dass die Mitgliederwerbung schwierig sei. „Um neue Leute zu gewinnen, müssen wir Anreize schaffen, etwa in Form von Vergünstigungen“, forderte er.

Bürgermeister Jörg Schmidt versprach, das Thema transparent in der Öffentlichkeit zu behandeln. Die Feuerwehrler könnten den Bedarfsplan nun intern besprechen und anschließend eine Stellungnahme abgeben. Erst danach soll der Gemeinderat die Umsetzung des Plans beschließen. Schmidt: „Mit dem Gutachten haben wir eine sehr gute Grundlage für die nächsten Jahre und einen Maßnahmenkatalog, den wir abarbeiten können.“

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Durchschnittlich 20 Feuerwehreinsätze pro Jahr

Gefahrenpotenzial: Die Gemeinde Frankenhardt besitzt auf 70 Quadratkilometern 39 Ortsteile, darunter viele Weiler in Randlage. Die Anfahrtswege sind also weit. In den Ortskernen der Hauptorte gibt es eine dichte Bebauung mit zum Teil alten Häusern. Neben zwei Schulen, drei Kitas und einem Altenpflegeheim gibt es 60 landwirtschaftliche Betriebe.

Ereignisse: 20 Einsätze hat die Feuerwehr Frankenhardt durchschnittlich pro Jahr, davon die meisten (60 Prozent) in Gründelhardt, 30 Prozent in Honhardt und zehn Prozent in Oberspeltach.

Personal: Die Feuerwehr Frankenhardt zählt 77 aktive Mitglieder. Sie verteilen sich auf die Standorte Honhardt (29 Mitglieder), Oberspeltach (28 Mitglieder) und Gründelhardt (20 Mitglieder). hof

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