Reiten Wie Sudoku für Pferde

Alexandra Stegmaier mit ihrer Hündin Annabell vor einem der Hindernisse im neuen Extreme-Trail-Park. Die Pferde müssen an dieser Stelle einmal um den Stein in der Mitte laufen.
Alexandra Stegmaier mit ihrer Hündin Annabell vor einem der Hindernisse im neuen Extreme-Trail-Park. Die Pferde müssen an dieser Stelle einmal um den Stein in der Mitte laufen. © Foto: Luca Schmidt
Kirchberg / Luca Schmidt 15.09.2018
Alexandra Stegmaier baut in Kirchberg einen Extreme-Trail-Park – von denen gibt es bundesweit gerade einmal fünf Stück. Auch andere Tiere können über den Parcours geführt werden.

Die Stadt Kirchberg ist bald um eine Attraktion reicher: Alexandra Stegmaier baut auf einer Fläche von rund 10 000 Quadratmetern gegenüber der Erlebnisherberge einen Extreme-Trail-Park. Dazu gehören ein überdachter Reitplatz, eine Wiese und ein Stallgebäude. Die offizielle Eröffnung ist am Mittwoch, 1. Mai 2019. Stegmaier arbeitet mit der „European Extreme-Trail-Association“, kurz EETA, zusammen. In der Stadt entsteht die bundesweit fünfte dieser Anlagen.

Sogar Hängebrücken möglich

Ein Extreme-Trail-Park besteht aus Naturhindernissen, sagt die 24-Jährige. „Das sind zum Beispiel schmale Balken oder ein enger Pfad im Gelände.“ Aber auch Hängebrücken können Teil des Hindernisparcours sein. In Kirchberg sollen zunächst 20 Hindernisse entstehen, nach und nach kämen dann neue hinzu.

Wichtig sei vor allem die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter, sagt Stegmaier. Im Vordergrund stehen Teamwork und ein artgerechter Umgang. Im Parcours komme es vor allem auf das Zusammenspiel von Pferd und Reiter an. Sie selbst hat ihr erstes Pferd, einen Hannoveraner, zum zehnten Geburtstag bekommen. „Er war auf Turnieren aber immer so aufgeregt, dass mir Spaß und Freude daran etwas verloren gegangen sind“, sagt sie. Vor zehn Jahren habe sie dann einen Kaltblüter als Zweitpferd bekommen. „Die wurden früher vor allem für die Arbeit auf dem Acker gezüchtet“, erklärt die 24-Jährige. Im Vergleich zu Warmblütern mit rund 600 Kilogramm wiegen die Kaltblüter im Schnitt 800 Kilogramm, ihrer sogar 1000 Kilo. Zum Springen seien die Tiere damit nicht geeignet. Gleichwohl hätten sie eine hohe Intelligenz.

Um ihr Kaltblut körperlich und geistig auszulasten, besuchte Alexandra Stegmaier vor fünf Jahren einen Extreme-Trail-Park bei Fulda. Anschließend sei das Pferd glücklich und zufrieden gewesen. So kam sie auf die Idee, einen ähnlichen Trail in Kirchberg zu bauen. Der Parcours ist aber nicht nur für Kaltblüter gedacht. „Auch zur Auslastung von Shetlandponys ist er geeignet. Die kann man nicht reiten“, sagt sie. Generell stehe der Extreme-Trail-Park aber nicht nur allen Pferderassen und für alle Reitweisen, sondern allen Tieren offen. Stegmaier gibt individuelle Trainingstipps und kennt die richtigen Übungen für den Muskelaufbau der Tiere. Schließlich ist sie Tierphysiotherapeutin und -osteopathin. Für Anfänger laufen Zwei-Tages-Kurse so ab: „Am ersten Tag macht man alles vom Boden aus und führt die Pferde durch den Parcours. Am zweiten Tag wird dann geritten“, erklärt Stegmaier – das sei aber kein Muss.

Gefährlich sei das für die Pferde nicht – die Hindernisse seien so gebaut, dass keine scharfen Ecken und Kanten hervorstehen. „Außerdem sind die Pferde immer aufmerksam. Das merkt man daran, dass sie im Trail ihre Ohren aufgestellt haben“, weiß die junge Frau. Es könne natürlich trotzdem passieren, dass ein Pferd mal abrutsche oder sich vertrete. Deshalb müssten alle Pferde einen Beinschutz tragen und die Reiter einen Helm. „Ich empfehle, dass die Pferde mindestens drei Jahre alt sein sollten, wenn sie den Extreme-Trail-Park begehen“, sagt Stegmaier.

Die 1st European EXTREME TRAIL Association e.V., kurz EETA, verkörpert eine besondere Lebensphilosophie der Arbeit mit Pferden – artgerechte Beschäftigung in Einklang mit den Interessen sowohl der Freizeitreiter als auch derer, die im Turniersport tätig sind. Das ist EXTREME TRAIL - Europas neue Freizeit-,Trainings- und Turnierdisziplin, offen für alle Rassen und Reitweisen. Fasziniert den Geländereiter der sichere Umgang bei der täglichen Arbeit in schwierigem Gelände, so fühlen sich viele Turnierreiter - egal aus welchen Bereichen des Reitsports -  besonders von der Vielfalt der unterschiedlichen Schwierigkeits-Klassen im EXTREME TRAIL angesprochen. Das was bei den Geübten so mühelos und einfach aussieht, ist nur mit einer gehörigen und nachhaltigen Portion Training und Einfühlungsvermögen seinem Partner Pferd gegenüber möglich. Die 1st European EXTREME TRAIL Association e.V. ist Europas erster Verband von Extreme Trail Interessierten, Betreibern von Extreme Trail Anlagen und Freunden der Disziplin. Die EETA wurde am 21. September 2013 in 91257 Pegnitz, Bayern, Deutschland gegründet. Sinn und Zweck ist die Verbreitung und Förderung der Disziplin EXTREME TRAIL nach den Richtlinien der EETA. Der Verband vertritt die in Deutschland und Europa geltenden Tierschutzbestimmungen. In Europa gibt es derzeit rund ein Dutzend Extreme Trail Parks, so viele wie nirgendwo sonst außerhalb des amerikanischen Kontinents (hier beläuft sich die Anzahl solcher Anlagen auf etwa 150). Und die Disziplin erfreut sich wachsender Beliebtheit. Mit Ihren einzelnen Mitglieds-Ländern ist die EETA in nahezu ganz Europa präsent.

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