Stadtmarketing Wie macht man Ellwangen attraktiver?

Gut besetzte Straßencafés, bunte Läden, Passanten beim Einkaufsbummel: So stellt man sich Ellwangens Mitte gerne vor. Doch schon die Idylle auf diesem Bild trügt: Eines der Geschäfte im Hintergrund ist inzwischen geschlossen. Der Verbund „Pro Ellwangen“ will die Stadt attraktiver machen.
Gut besetzte Straßencafés, bunte Läden, Passanten beim Einkaufsbummel: So stellt man sich Ellwangens Mitte gerne vor. Doch schon die Idylle auf diesem Bild trügt: Eines der Geschäfte im Hintergrund ist inzwischen geschlossen. Der Verbund „Pro Ellwangen“ will die Stadt attraktiver machen. © Foto: Ohnewald
Ellwangen / Fred Ohnewald 06.09.2018

Manchmal hat man den Eindruck, um den Stadtmarketingverein „Pro Ellwangen“ sei es etwas stiller geworden, doch der ist weiterhin an der Arbeit. Jetzt unternimmt „Pro Ellwangen“ einen weiteren Anlauf, um die Innenstadt als Einkaufsmeile, aber auch das Gewerbe zu stärken, und das hat selbstverständlich auch mit der Landesgartenschau zu tun, die – sofern der Gemeinderat zustimmt – im Jahr 2026 in Ellwangen stattfinden soll.

Die Landesgartenschau könnte Ellwangen neue Besucherkreise erschließen, aber zuvor noch Ansporn sein, die Stadt und ihre Geschäfte erst tauglich für solch ein Ereignis mit voraussichtlich Hunderttausenden von Besuchern zu machen.

Der komplette Vorstand von „Pro Ellwangen“ (Thomas Markus, Karl Bux, Angelika Bopp-Seitzer und Xaver-Franz Weber) stellten der Presse jetzt ihre Ideen für die Stadt vor, wobei Karl Bux, der frühere Bürgermeister, schon einleitend bekannte, dass innerhalb des Stadtmarketingvereins die Interessenlage natürlich gemischt sei; zum Beispiel sei man sich nach wie vor nicht einig, was die Zulassung sogenannter „innenstadtrelevanter Sortimente“ außerhalb des Stadtkerns betrifft: Eine kleine Mehrheit im Verein sei nach wie vor dafür, solche direkte Konkurrenz für die Stadtkerngeschäfte an seiner Peripherie nicht zuzulassen.

Um es vorwegzunehmen: Den Stein der Weisen kann „Pro Ellwangen“ nicht vorlegen. Dass vor allem jüngere Leute Ellwangen oft nicht als Einkaufsstadt akzeptieren und dass es nicht gelingt, die Ladenöffnungszeiten zu harmonisieren und auszuweiten – vor allem am Samstag – sind harte Nüsse. Aber steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein, und so lässt „Pro Ellwangen“ in den Bemühungen auch nicht nach.

Touristen länger halten

„Der öffentliche Raum in Ellwangen ist eigentlich intakt“, sagt Karl Bux und meint damit die Optik der Innenstadt, die Gebäude sind hergerichtet, die Gastronomie einladend und die Übernachtungszahlen in der Stadt steigen. Was aber fehle, so Bux weiter, sei ein Konzept, wie man die Touristen länger als bloß ein paar Tage in Ellwangen halten könne. Dafür müsse die ganze Region einbezogen werden, Ellwangen sozusagen als Standort für die Erkundung des ganzen Umlandes genutzt werden.

Zum Zweiten sei Ellwangen nach wie vor eine Schulstadt. Was noch fehle, sei jedoch eine Hochschuleinrichtung. Baden-Württemberg solle sich ein Beispiel nehmen an Bayern, wo die Hochschulen auch „in die Fläche“ gehen. Die EATA (Europäische Ausbildungs- und Transferakademie) könnte ein Anfang sein, so Bux, aber ohne Land und Landkreis als Partner gehe in Sachen Hochschule nichts.

Ein anderes Kapitel beleuchtete Thomas Markus: den Arbeitsmarkt. Fachkräfte seien so gesucht, dass sich die Betriebe inzwischen zum Teil die Leute gegenseitig abspenstig machen. Ellwangen müsse deshalb von auswärts Fachkräfte anwerben. Ein wirklich lebenswertes Umfeld sei ein gutes Argument, aber mit einer Landesgartenschau lasse sich der Bekanntheitsgrad der Stadt zusätzlich erheblich vergrößern – und Ellwangen könne sich als Wohn- und Arbeitsstätte empfehlen.

Kosten noch Nebensache

Auch Karl Bux zeigt sich von den positiven Auswirkungen einer Gartenschau überzeugt. Die Kostenfrage wischte er beiseite, immerhin sei es noch acht Jahre hin bis zu dem Termin, da könne die Stadt Rücklagen bilden. Dann heftete Bux noch einen etwas kryptischen Satz an: „Muss man sich die Innenstadt vielleicht neu denken?“ Man müsse sich überlegen, erläuterte er vage, ob Ellwangen künftig eher eine Wohnstadt sein oder für Tourismus optimiert werden solle.

Mit dieser Frage beschäftige sich auch eine Arbeitsgruppe in der Stadt, die als „Dialogforum“  verschiedene Gruppen und Einzelpersonen zu Innenstadt- und Einzelhandelsthemen zusammenführe.

Fachliche Kompetenz

Angelika Bopp-Seitzer brach eine Lanze für die Einheimischen: „Wir müssen attraktiv sein für Leute, die schon in Ellwangen leben“, sagte sie. Als Idee nannte sie spezielle Stadtführungen, die unter anderem auch zu Geschäften mit interessanter Historie führen.

Dass so viele Ellwanger Geschäfte inhabergeführt sind, will Xaver-Franz Weber in den Vordergrund stellen, denn deren Kompetenz sei außerordentlich hoch. In einer Initiative will man deshalb nun verstärkt publizieren, was Ellwangen so alles zu bieten hat, inklusive einem Branchenverzeichnis mit mehr als 200 Einträgen. Ellwangen müsse „wie ein einziges großes Shoppingcenter“ auftreten.

Auch wolle man einzelnen Betrieben helfen, sich in der digitalen Welt zu präsentieren, etwa durch Kurse. Die Fragen, wie Ellwangen vielleicht doch noch einen „Magnetbetrieb“ erhalten könne, der die Kundenfrequenz in der Stadt erhöht – das hatte man sich einst von C&A erhofft – und ob das überhaupt wünschenswert wäre, und wie man die Jugend zum Einkaufen in Ellwangen bewegen könnte, blieben am Ende im Wesentlichen unbeantwortet. Angelika Bopp-Seitzer sah das eher gelassen: „Man kann eben nicht alle Probleme auf einmal lösen.“

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