Landwirtschaft Wie der Umstieg gelingen kann

Michael Mack (hellgrüne Jacke ) vom Sternhof Weikersholz zwischen Helmut Heim (links) und Hans Schiefereder, Geschäftsführer im Biokreis- Erzeugerring Bayern. Sie stehen vor einer kameragestützten Unkrauthacke mit einer Arbeitsbreite von sechs Metern.
Michael Mack (hellgrüne Jacke ) vom Sternhof Weikersholz zwischen Helmut Heim (links) und Hans Schiefereder, Geschäftsführer im Biokreis- Erzeugerring Bayern. Sie stehen vor einer kameragestützten Unkrauthacke mit einer Arbeitsbreite von sechs Metern. © Foto: Pressefoto
Weikersholz / Ursula Richter 12.04.2017
Der Verband Biokreis stellt die Bedingungen und Chancen einer ökologischen Wirtschaftsweise und die Bedeutung der Wertschöpfungskette vor.

Es wird händeringend Ware gesucht.“ Roland Heim weiß, wovon er spricht. Er ist für die Bio-Sparte der „BAGeno“ in Bad Mergentheim zuständig. „Deutschland liegt nach den USA mit einem Umsatz von zehn Milliarden Euro an zweiter Stelle. Es boomt ohne Ende.“ Seine Beispiele sind überzeugend. Bio-Dinkel bringt 30 Euro, der konventionell erzeugte 14 Euro pro Doppelzentner. Die Nachfrage kann nur mit Importen aus der EU und verstärkt aus Osteuropa und sogar Russland befriedigt werden. „Ich will jeden überzeugen, dass er umstellt. Das ist die Zukunft“, sagt Roland Heim.

Deshalb ist er an diesem Nachmittag auch auf dem Sternhof in Weikersholz, wo Bio-Puten gehalten werden. Der Biokreis  gibt auf dem Hof der Familien Frank und Mack eine Einführung. Hans Schiefereder geht in seiner Präsentation konkret darauf ein, worauf es bei einer Umstellung auf ökologische Produktion ankommt. Der Geschäftsführer im Biokreis-Erzeugerring Bayern hat fünf Jahre lang in der Ökokon­trolle gearbeitet und 1500 Betriebe besucht. „Der ökologische Landbau funktioniert“, da ist er sich sicher. Er betont, dass bei Biokreis alle einen landwirtschaftlichen Hintergrund hätten und ein Vertrauensverhältnis bestünde. Und für ihn ist wichtig: „Die Wertschöpfungskette muss so weit wie möglich beim Bauern bleiben.“

Der Verband Biokreis verdient an der Einzelvermarktung nicht mit. Man schaut die Ist-Situation des Hofes an, ist der Betrieb geeignet? „Die Entscheidung muss von innen kommen, sonst wird man kein guter Biobauer.“ Schiefereder teilt eine fünfseitige Checkliste aus. Er gibt Auskunft über Umstellungszeitpunkte und -fristen, Fördermittel, die Vermarktung von Umstellungsprodukten, die Reihenfolge der Umstellung (erst Pflanzen, dann Tiere). Er weist auf Marktnischen wie beispielsweise Kapselmohn oder auch Biozuckerrüben und Biobraugerste hin.

Wie sich die Bedingungen  für die Produktion ändern, wird anschaulich bei der Betriebsbesichtigung. Michael Mack erläutert die Aufzucht der Bio-Puten. Es ist sofort zu erkennen, dass die Stallbelegung sehr viel niedriger ist. Die Puten haben zehn Quadratmeter Grünauslauf. Die 22.000 vermarkteten Tiere pro Jahr haben mehr Platz – und mehr Zeit.

Auch in der Pflanzenproduktion ändert sich vieles, vor allem bei der Düngung und Unkrautbekämpfung. Die mechanische Unkrautbekämpfung ist auf dem Sternhof modernisiert worden. Zusammen mit zwei andern Biobauern hat man sich eine Unkrauthacke angeschafft. Das Gerät wird auf einem Feld mit Winterweizen vorgeführt. Die Schwierigkeit, die Saatreihen zu erkennen und beim Durchfahren nicht zu verletzen, wird mit einer Kamera gelöst. Sie scannt drei Reihen gleichzeitig ab und steuert das sechs Meter breite Hackgerät über einen Verschieberahmen. Neueste Technik wird damit auf Feldern angewendet, die teilweise seit 1973 biologisch bearbeitet werden – die Gruppe ist beeindruckt.

Die Verbände rings um den Öko-Landbau

Biokreis ist einer der ökologischen Hersteller- und Erzeugerverbände. Demeter ist der Pionier der Bio-Branche (seit 1924). Grundlage ist die anthroposophische Weltanschauung Rudolf Steiners. Bioland (1971) ist mit insgesamt mehr als 7800 Mitgliedern der größte Verband in Deutschland. Naturland (1982) engagiert sich zusammen mit der GEPA auch für den fairen Handel weltweit. Der Biokreis (Gründung 1979 in Bayern) bildet ein Netzwerk aus Landwirten, Verarbeitern und  Verbrauchern. Er hat derzeit die größten Zuwächse. Die Mitglieder können ihre Betriebsmittel frei beziehen und ihre Produkte frei vermarkten, ohne Vermarktungsgebühren an den Verband zu entrichten. Der Regionalverband der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall heißt Ecoland (gegründet 1997). Der nächste Umstellungstag findet am 8. Juni auf dem Sternhof in Rot am See-­Weikersholz statt. urs