Ob den baden-württembergischen Christdemokraten eine Wurzelbehandlung wieder zu mehr Wohlbefinden verhelfen würde, vermögen der Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten, die Landtagsmitglieder Helmut Rüeck und Arnulf von Eyb (alle CDU) nicht zu sagen.

Ist der ENBW-Aktiendeal des ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus ein Problem, das an der Wurzel gepackt werden kann? Die Abgeordneten haben unterschiedliche Sichtweisen auf den Handel, durch den das Land für 4,7 Milliarden Euro 45 Prozent des Energieversorgers ENBW zurückgekauft hat. Die Anklage der Stuttgarter Staatsanwaltschaft sowie die Ermittlungen eines Untersuchungsausschusses schwächen die CDU möglicherweise weiter. Die Partei ist nach der Wahlniederlage im letzten Jahr ohnehin in der Bredouille.

Bei Helmut Rüeck lässt die Wirkung der Spritze langsam nach, die Schmerzen kehren zurück. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem umstrittenen Aktien-Rückkauf, den Stefan Mappus nahezu im Alleingang bewerkstelligt hat. Dabei hat es den Eindruck, als habe sich der ehemalige Ministerpräsident von seinem Freund, dem Investment-Banker Dirk Notheis, steuern lassen. Für Verwunderung sorgten eine Reihe von Mails, die Notheis an Mappus sandte. So schrieb Notheis am 1. Dezember 2010: "Wenn Du ihn (den damaligen Finanzminister Willi Stächele/ Anmerkung der Redaktion) am Montagmorgen in den Griff bekommst, dann würde ich ihn doch nicht vorab informieren. Habe nochmals darüber nachgedacht."

Helmut Rüeck sagt Worte wie Verwunderung und Unverständnis. Mappus habe "nicht den Stil gepflegt, den wir kennen." Unfassbar sei der Ton in den E-Mails zwischen Stefan Mappus und Dirk Notheis. Rüeck ist nicht der Meinung, dass die Südwest-CDU Mappus zu lange unkritisch gefolgt ist. Diese Ansicht vertritt der Landesvorsitzende Thomas Strobl. Rüeck spricht vielmehr davon, dass Mappus das Grundvertrauen, das er genoss, enttäuscht habe. "Das steckt sehr tief." Grundsätzlich sei es richtig gewesen, die ENBW-Aktien zu kaufen, so der Abgeordnete aus Crailsheim.

In weiten Teilen stimmt Arnulf von Eyb, Landtagsabgeordneter des Hohenlohe-Kreises, Rüecks Sicht zu. Er verurteilt die Wortwahl in den Mails zwischen Mappus und Notheis, sei aber froh, dass die ENBW wieder in Landesbesitz ist. Grundsätzlich, so von Eyb, gehe es nicht ohne ein gewisses Maß an Vertrauen im täglichen Umgang. Das betreffe einen Lokführer ebenso wie einen Piloten oder eben einen Ministerpräsidenten. Die CDU befinde sich jetzt tatsächlich in einer schwierigen Lage. Von Eyb ist aber der Meinung, dass die Regierungsparteien Grüne und SPD den ENBW-Deal nutzen, um von eigenen Problemen abzulenken. Bewerten will der Jurist von Eyb die Angelegenheit erst, wenn die Ermittlungen des Untersuchungsausschusses abgeschlossen sind. "Es kann ja sein, dass das Ergebnis die Ehre von Stefan Mappus wieder herstellt."

"Ich war die ganze Woche im Wahlkreis unterwegs. Dabei habe ich nicht gespürt, dass die Menschen der CDU keine Politik mehr zutrauen", sagt Bundestagsabgeordneter Christian Freiherr von Stetten. Als Mitglied des Bundestag-Finanzausschusses setze er den Bohrer derzeit direkt an der Schulden- und Eurokrise an. Stefan Mappus aber scheint wegen des ENBW-Deals der Zahn gezogen.