Landkreis Wickel: Vorteile für beide Seiten Kartellamt will Änderungen beim Holzverkauf über das Forstamt Schwäbisch Hall

Nachschub für die Sägewerke: Im Wald bei Sulzbach-Laufen werden am Donnerstag Fichten gefällt. Foto: Ufuk Arslan
Nachschub für die Sägewerke: Im Wald bei Sulzbach-Laufen werden am Donnerstag Fichten gefällt. Foto: Ufuk Arslan
Landkreis / SIGRID BAUER 22.02.2014
Das Kartellamt kritisiert, dass die Forstämter in Baden-Württemberg auch Holz aus Gemeinde- und Privatwald verkaufen. Das sei ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. Bald soll es Einschränkungen geben.

Vorteilhaft ist die bisherige Regelung bei der Holzvermarktung vor allem für Besitzer kleinerer Waldflächen im Kreis Hall. "Durchschnittlich besitzen die Gemeinden rund 110 Hektar Wald", weiß der Haller Forstamtsleiter Andreas Wickel. So besitzt die Gemeinde Frankenhardt knapp über 100 Hektar Wald. "Wir lassen unser Holz über das Forstamt verkaufen und fühlen uns dort gut betreut", schildert Kämmerer Klaus Schüller. Wickel hofft, dass die Fläche, ab der Waldbesitzer zukünftig ihr Holz selbst vermarkten müssen, möglichst hoch angesetzt wird und nicht bei den anvisierten 100 Hektar bleibt.

Auch die rund 13000 kleinen Privatwaldbesitzer im Kreis, denen 47 Prozent des Waldes gehören, nehmen die Vermarktung über das Forstamt gern in Anspruch. Für sie wäre es schwierig, an Kunden heranzukommen, meint Wickel.

Das Kartellamt hat dabei nur das Nadelstammholz, das rund 70 Prozent der Wertschöpfung im Wald abdeckt, im Auge. Rund 140000 Festmeter sind es, die zwei Mitarbeiter des Haller Forstamts jährlich an kleine Sägewerke oder an internationale Unternehmen verkaufen.

Schon im Wald wird das Holz sortiert und ausgezeichnet. "Für den Käufer hat das nur Vorteile. Er hat quasi ein großes Warenlager zur Auswahl und bekommt das, was er braucht", erklärt der Forstexperte. Dabei könne das Holz bunt gemischt aus Staats-, Gemeinde- oder Privatwald sein. Bei der Abrechnung werde das genau beachtet.

Auch Christoph Zimmer vom Waldbauernverein Mainhardt sieht nur Vorteile mit der üblichen Praxis. "Kleine Privatbesitzer wären für Großkunden kein zuverlässiger Partner. Auch die Forstbetriebsgemeinschaft (ein Zusammenschluss Mainhardter Waldbauern) wäre das nicht", meint er. Die Waldbauern verkaufen über das Forstamt ihr Holz an die Klenk Holz AG in Oberrot. "Die brauchen jeden Monat die gleiche Qualität und Menge, das könnten wir allein nicht leisten", führt Zimmer aus. Das sieht das Oberroter Unternehmen genauso: "Für uns ist Forst-BW die zentrale Anlaufstelle beim Einkauf", meint Klenk-Vorstand Steffen Häusslein.

Auch als Betreiber eines kleinen Sägewerks befürwortet Christoph Zimmer den Verkauf übers Forstamt. So könne er mit dem Förster an einem Tag durch den Wald gehen und sich das nötige Holz aussuchen, egal wem es gehört. Im Mainhardter Wald sind Privat- und Staatswald nämlich innig vermischt. "Wenn ich zukünftig vom Land, von privat, von der Gemeinde und von der Hospitalstiftung extra kaufen muss, wird das schwierig und langwierig", befürchtet er. Ebenso große Preisschwankungen. "Dann wird es wohl Tagespreise geben", sagt er.

Er könnte sich auch vorstellen, dass es insgesamt weniger Bauholz geben würde. "Mancher Privatwaldbesitzer mit nur ein paar Stämmen macht dann vielleicht lieber gleich Brennholz, wenn die Preise für Bauholz unsicher sind", erklärt er.

In Mainhardt hat die Forstbetriebsgemeinschaft wegen der zunehmenden Nachfrage nach Holzhackschnitzeln eine Vermarktungsgesellschaft, die Howa, gegründet. "Je nach Ausgang des Kartellverfahrens kann der Howa für die Vermarktung des Holzes aus dem Gemeinde- und Privatwald eine wichtige Rolle zukommen", meint Forstamtschef Andreas Wickel dazu.

Nicht betroffen von den geplanten Einschränkungen durch das Kartellamt wäre die Gemeinde Obersontheim. Ernte und den Verkauf des Holzes übernimmt ein Dienstleistungsunternehmen.

Laut Bundeskartellamt haben die Landesforstbehörden mit 64 Prozent Marktanteil eine marktbeherrschende Stellung beim Verkauf von Nadelstammholz und verstoßen so gegen das Wettbewerbsrecht. Aus der Sicht des Haller Forstamtsleiters ist die gebündelte Holzvermarktung aber in großen Teilen des Landes eine sehr sinnvolle Regelung, weil es auf Grund der Realteilung (der gleichen Aufteilung von Flächen unter Erben) "unendlich viele kleine Privatwaldbesitzer gibt".