Walddurchsuchung am Einkorn. Unschwer von der Straße aus zu erkennen ist ein orange-gelbes Farbenmeer, das sich zwischen Bäumen bewegt. Zahlreiche Personen stapfen über Geäst am Boden, bis sie sich an einer der unzähligen Tannen versammeln. Ihr Blick ist weit nach oben gerichtet. Zwischen den grünen Ästen schimmert es rot, ein Zeichen dafür, dass es der Tanne schlecht geht. Sie muss gefällt werden, ist das Urteil der Forstarbeiter.

Knapp 50 Interessierte, ein Fünftel von ihnen Frauen, sind vergangenen Freitag in Warnwesten zur Sommeraktion des Waldbauvereins Schwäbisch Hall in den Einkornwald gekommen. Sie möchten sich austauschen und von Revierförster Michael Mayr erfahren, wie sie schadhafte Bäume erkennen können.

Forstarbeit braucht Idealismus

„Wenn ein geschädigter Baum gefällt werden muss, ist das für den Wald keine Katastrophe, aber für den Besitzer“, erzählt Forstwirt und Vorarbeiter Michael Seeger. Oft hänge Herzblut daran, aber auch Vermögen. Waldbesitzer Dieter Aller aus Untermünkheim ist deshalb der Meinung, dass man Idealismus braucht, um Geld einzusetzen mit dem Wissen, dass für einen selbst nichts rauskommen wird. Die forstwirtschaftliche Nachhaltigkeit sei eben eine andere als in anderen Branchen, beschreibt Seeger. „Während ein Getränkehersteller mit Recyclingdosen wirbt, haben Waldbesitzer auch mal 30 Jahre oder länger keinen Nutzen. Deshalb wünschen wir uns schon auch eine Wertschätzung für die Arbeit.“ Georg Kiesel, Vorstand des Waldbauvereins Schwäbisch Hall, wünscht sich zusätzlich eine unbürokratische finanzielle Unterstützung für Waldbesitzer. Denn Trockenheit und Borkenkäferbefall haben den Wäldern in Deutschland zugesetzt und die Arbeit erschwert.

„Schwäbisch Hall kann schon stärker von Waldschäden betroffen sein als andere Landkreise in Baden-Württemberg“, mutmaßt Seeger. Das obere Bühlertal habe noch Glück, dort sei im letzten Jahr mehr Regen gefallen. Auch der Vorstand des Waldbauvereins bestätigt: „Der Schadholzanteil ist in der Region geringer.“

Deutschlandweit sind im vergangenen Jahr von rund elf Millionen Hektar Wald knapp 110.000 Hektar verloren gegangen, heißt es bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Für Waldbesitzer Aller ist die Situation frustrierend. Sein Privatwald bei Kupferzell-Goggenbach sehe noch eine Spur schlechter aus als der Einkornwald. Nun leide auch sein Buchenbestand mit rund 100 Jahre alten Bäumen unter dem Klimawandel. Stürme und Trockenheit haben die Schutzmechanismen geschwächt, Bäume können kein Harz bilden und werden so für Borkenkäfer zum gefundenen Fressen.

Verschiedene Indizien für Befall

Am Einkorn blicken die Teilnehmer von den roten Nadeln zurück auf den Boden. Denn Mayr erklärt, dass rote Nadeln nicht das einzige Indiz seien, das auf einen geschädigten Baum hinweist. „Wenn die Nadeln von der Tanne abfallen, sich Harztropfen bilden oder Bohrmehl am Boden liegt, könnten das alles Hinweise auf einen Befall sein.“ An einer Holzrinde zeigt der Forstrevierleiter das typische Brutbild eines Tannenborkenkäfers. Es sieht aus, als hätte jemand den Buchstaben „H“ in die Rinde geritzt und mit schwarzem Stift nachgezeichnet.

Dass sich so viele für die fachlich fundierten Beispiele interessieren, freut Waldbesitzer Aller besonders. Es zeige: Das Thema Wald bewegt. So auch in der Politik. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat bereits für September einen nationalen Waldgipfel angekündigt.

Das könnte dich auch interessieren:

Schwäbisch Hall

Landkreis Hall