Du lässt sogar Wasser anbrennen!“ Diese Bemerkung hörte der Verfasser dieser Zeilen mehrmals im beginnenden Erwachsenenalter. Damit das Problem in der Küche nicht auftritt, kann der Besuch eines Kochkurses hilfreich sein. Eine der lustigsten Weiterbildungen dieser Art ist der Männerkochkurs in Blaufelden – was nicht nur an den Teilnehmern, sondern auch am Kochlöffel schwingenden Chef liegt.

Im Programm der VHS Blaufelden hat dieser Kurs seinen festen Platz. Die meisten der zehn Teilnehmer sind regelmäßig halbjährlich dabei. Matthias Strasser zeigt bei mehreren Volkshochschulen, wie Lebensmittel verarbeitet werden und sagt: „Mit Männern macht das Kochen Spaß, denn sie hören mir zu.“

Die Truppe während der vier Stunden in der Schulküche deckt eine breite Altersstruktur ab, vom 18-jährigen Oskar Schneiders aus Ruppertshofen bis zu Werner Götz (68) aus Mittelbach. Das Thema: Maultaschen. Zuerst als Suppe, dann mit Kartoffelsalat und gemischtem Salat. Als Nachtisch soll es einen Obstsalat mit frischen Früchten geben. Die Teilnahmegebühr beträgt 15 Euro plus die verarbeiteten Lebensmittel. Der jüngste Teilnehmer steht unter strenger Beobachtung: „Mein Schwiegervater in spe ist auch dabei.“ Gerhard Metzger lächelt kurz – und wird später die Kursgebühr von Oskar Schneiders übernehmen.

„Kommt mal her!“ schallt es vom Herd im zweiten Gang. Es herrscht ein verbindlicher Ton in der etwas in die Jahre gekommenen, aber funktionstüchtigen Küche. „Bitte“ und „danke“ werden nicht immer angefügt, die Männer kennen sich. „Da müsst ihr noch reindrücken.“ Matthias Strasser, pensionierter Lehrer und vielen Crailsheimer Schülern wohl bekannt, macht das Feintuning der Maultaschen im Topf. „Es ist etwas zu wenig Petersilie drin. Und die Zwiebeln im Kartoffelsalat sind ziemlich dick geschnitten.“ Die Männer, die für die entsprechenden Tätigkeiten verantwortlich waren, verhalten sich ruhig, einige nuckeln an ihrer Bierflasche. Wenn Strasser etwas sagt, hat es seine Berechtigung. Der ehemalige Biologielehrer und in Stuttgart Geborene hat jahrzehntelange Kocherfahrung. Der guten Stimmung tut feine Kritik keinen Abbruch. Nach knapp zwei Stunden freut sich die Gruppe auf das sich ankündigende gemeinsame Essen.

Rolf Knipphans (61) kam durch den Tipp seiner Frau zum VHS-Kurs. Mehrere Jüngere hören ihm gebannt zu, als er von früheren Erlebnisse erzählt: „1991 war ich mit meinem Schwager per Wohnmobil in Portugal unterwegs.“ Spontan beschlossen sie zu kochen. „Fett hatten wir keines dabei, das haben wir aus der Leberwurst rausgepresst.“ Zum Gulasch sollte es Spätzle geben. „Das hatte ich von meiner Oma gelernt.“ Also wurden sie per Hand geschabt. „Es sah ganz gut aus, doch beim Kochen wurden sie immer dicker. Zum Schluss haben wir die Spätzle über die Klippen geworfen. Die Möwen hatten Probleme, sie zu fressen.“

Knipphans mag vor allem europäische Küche. „Mein Lieblingsgericht ist Lende mit Spätzle“, bringt sich der Chefkoch ein, während er den grünen Salat abschmeckt und ruft: „Schaut mal her! Was nehme ich dazu?“ Ein Schuss Sprite sorgt durch den enthaltenen Zucker für den letzten Schliff.

„Wie sieht es mit dem Salat aus?“, fragt einer. „Männer, abtrocknen“, kommt es vom Chefkoch. Zuerst einmal werden die Arbeitsspuren in der Küche beseitigt, dann steht das Essen an. Nach einem kurzen Tischgebet herrscht plötzlich Ruhe. Jeder isst extrem langsam und beurteilt die Maultaschen. „Es ist gut geworden“, lobt Strasser. Danach überlegt man gemeinsam, welches Thema im nächsten VHS-Kochkurs anstehen könnte. „Fisch?“, fragt Strasser. „Gutes Essen braucht vier Beine“, schallt es aus der Runde. Letztlich einigt man sich auf einen Braten.

Dankbar für Tupperdosen

Kurz vor 22 Uhr sind noch immer nicht alle Maultaschen gegessen, doch Strasser kennt seine Pappenheimer. Einige haben Tupperdosen mitgebracht, die dankbar aufgefüllt werden. Die Frauen zu Hause sollen auch etwas von den Kochkünsten ihrer Männer erfahren. Schließlich lassen sie das Wasser nicht anbrennen.