Fichtenau Wenn es schiefläuft auf der Baustelle

Da stimmt doch etwas mit der Querneigung des Gehweges nicht. Anwohner Wolfgang Walter misst nach.
Da stimmt doch etwas mit der Querneigung des Gehweges nicht. Anwohner Wolfgang Walter misst nach. © Foto: Jens Sitarek
Fichtenau / Jens Sitarek 07.09.2018
Die Sanierung des Lindenweges in Unterdeufstetten erhitzt die Gemüter im Gemeinderat und die von Anwohnern. Ein Baustellenbesuch mit der Bürgermeisterin und dem Ortsbaumeister.

Wir werden alles tun, um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, damit wir die vorgegebene Bauzeit einhalten oder vielleicht sogar verkürzen können“, so steht es in dem Schreiben der Baufirma vom 20. April dieses Jahres. „Dennoch wird die eine oder andere Unannehmlichkeit, welche eine Baustelle nun einmal mit sich bringt, unvermeidbar sein“, heißt es weiter. Betreff: Sanierung Lindenweg.

Derzeit ruht die Baustelle. Anfang/Mitte nächster Woche soll es weitergehen. Von unten bis zum Sportplatz ist der Lindenweg voll ausgebaut, vom Sportplatz bis zur Birkenwaldstraße wurde lediglich die Fahrbahndecke saniert. Das letzte Stück bis zum Wald steht noch aus. Und dann gibt es die eine oder andere Unannehmlichkeit, die Fragen aufwirft.

Ortstermin am Mittwoch dieser Woche mit Fichtenaus Bürgermeisterin Anja Wagemann und Ortsbaumeister Alfons Fischer. Die Baustelle laufe nach Plan, sagt Wagemann. Es gebe zwar „Mängel“, aber die würde es auf anderen Baustellen auch geben, „die werden von uns erfasst“.

„Sie lügen mich an“

Mit diesen Mängeln gingen „Emotionen“ einher, wie Wagemann es formuliert. Und damit meint sie nicht nur Anwohner, die sich beschweren. Das Thema Lindenweg gipfelte in der August-Sitzung des Gemeinderates, warum auch immer, in dem Satz „Sie lügen mich an“, mit dem Gemeinderat Herbert Kaspar Ortsbaumeister Alfons Fischer bedachte. Eine Baustelle, mehrere Meinungen.

Was die Arbeit für die Baufirma sicherlich nicht einfacher macht: Einige Anwohner arbeiten selber im Straßenbau. Aber man muss nicht vom Fach sein, um festzustellen, dass im Lindenweg etwas schiefgelaufen ist.

Mit dem Rollator auf die Straße

Bei Wolfgang Walter, Hausnummer 11, ist es der Gehweg. Walter misst nach und kommt „bei uns ums Eck“ auf eine Querneigung von zwölf Prozent. Bei seinem Nachbarn Josef Waizenhöfer ist es nicht ganz so steil. Aber es führt trotzdem dazu, dass Waizenhöfer mit seinem Rollator erst auf die Straße schiebt, um den Gehweg zu umgehen.

Als zu hoch und gefährlich sieht er zudem die Kante zwischen den Pflastersteinen und der Straßenberandung an. „Ich übernehme die Haftung nicht, wenn einer hinfällt“, sagt Waizenhöfer. Das ist noch nicht alles: Seit die Bagger da waren, wackelt sein Gartenzaun. Und in einer acht Zentimeter breiten Fuge zwischen Zaun und Gehweg, die vorher nicht da war, sammelt sich der Dreck.

Der Ortsbaumeister spricht von Mängelbeseitigung und sieht die ausführende Firma in der Pflicht. Nachfrage beim Bauleiter: Der erste Ansprechpartner bleibe die Gemeinde. Ansonsten kein Kommentar. „Nicht alles, was Sie sehen, ist endgültig“, sagt Fischer, und: „Wir werden das eine oder andere nachbessern.“

Vorher ein Höhenprofil erstellt

Die Abstimmung, gibt er zu, habe „nicht ganz gepasst“. Dabei hat Fischer vor Beginn der Arbeiten von einem Ingenieurbüro ein Höhenprofil des Lindenweges erstellen lassen. Demnächst soll es eine Zwischenabnahme mit der Baufirma geben. Dann werde verhandelt, so Fischer. „Wenn der Anwohner sich kümmern muss, wenn was schiefläuft, dann läuft was schief“, findet Wolfgang Walter. Wenn er selber nachmessen und recherchieren müsse.

Schöner als der Flickenteppich

Da, wo der Lindenweg oben auf die Birkenwaldstraße trifft, lässt sich auf drei Metern ein Höhenunterschied von 16 Zentimetern messen. Sprungschanze – das Wort macht die Runde. Dass das nicht so bleibt, versteht sich eigentlich von selbst, aber es sorgt für zusätzlich Gesprächsstoff. „Das ist was fürs Fernsehen“, sagt Gemeinderat Kaspar.

„Man kann es nicht allen Leuten recht machen“, weiß Bürgermeisterin Wagemann. Aber: „Die Straße schaut doch schöner aus als der Flickenteppich.“ Auf einer Bank vor einem Haus sitzen zwei Frauen und ein Mann. „Hier oben wohnen die zufriedenen Leute“, sagt der Mann. Früher habe sich an vielen Stellen das Wasser gestaut, berichtet Ortsbaumeister Fischer, die Entwässerung sei miserabel gewesen. Allerdings gehörten „Unwägbarkeiten“ zum Geschäft: „Wir arbeiten hier im Bestand. Manches sehen wir erst, wenn wir aufmachen.“

700 Tonnen der alten Asphaltdecke lagerten zwischenzeitlich vor dem Schützenhaus in Unterdeufstetten. Das Zeug musste für 55.000 Euro entsorgt werden, weil es Teer enthielt. Zu allem Überfluss ist auch der Unterbau belastet, in diesem Fall mit Sulfat, er wurde auf eine Wiese unweit des Sportplatzes abgekippt. Gips enthält Sulfate. Fischer vermutet, dass im Steinbruch eine Gipsschicht angekratzt wurde.

Parken auf den Gehwegen

Wie sagte Gemeinderat Gerald Ilg in der August-Sitzung? „Die Sache Lindenweg beschäftigt uns noch länger.“ Ein weiteres Problem ist, dass jetzt auf den neuen breiteren Gehwegen geparkt wird und nicht mehr auf der Straße. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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