Heimatgeschichte Wenn ein Bruder den anderen erschlägt

Roland Jakel und Pfarrer Markus Hammer sitzen unter dem alten Birnbaum am neuen Sühnekreuz.
Roland Jakel und Pfarrer Markus Hammer sitzen unter dem alten Birnbaum am neuen Sühnekreuz. © Foto: Birgit Trinkle
Wallhausen / Von Birgit Trinkle 16.06.2018

Durch diesen Hohlweg muss er kommen: So oder so ähnlich denkt es sich der Frankenbauer, der ins Dorf geheiratet hat, als er seinem Bruder auflauert, dem „Särbauer“, der den Hof der Familie übernommen hat. Der Hardthof war ein kleines Anwesen auf der Ziegenhöhe („Zinnhöhe“) bei Hengstfeld, an das längst nur noch einige alte Dokumente in den Archiven erinnern – das Ganze spielte sich ja auch vor fast 500 Jahren ab.

Bei der Plünderung des Klosters Anhausen 1525 hatte der Särbauer etwas gefunden. Einige Goldmünzen waren es wohl. Als er seine Beute auf Umwegen heimschaffen wollte – über die Brettach ging es, durch den großen Wald, von dem nur noch Zobels Hölzle und Winterhölzle zeugen, und auf engen Hohlwegen voller Spurrillen –, passte ihn sein Bruder ab. Der Särbauer, so erzählt es Roland Jakel, hatte so etwas befürchtet und die Münzen in der Hengstfelder Marienkapelle versteckt. Dort wurden sie viel später gefunden, aber das ist eine andere Geschichte.

Diese hier handelt von den beiden Brüdern: Der eine holte den anderen ein, stritt sich mit ihm um die Beute und schlug ihn schließlich tot. Eine Geschichte so alt wie die Menschheit, zudem eine, die nie gut endet. Zu diesem speziellen Ende gibt es Jakel zufolge gesicherte Fakten: Der Särbauer schleppte sich heim, zum Hardthof, und starb; der Frankenbauer musste ein Sühnekreuz stellen und wurde zum Tod verurteilt.

Wer von Wallhausen nach Hengstfeld fährt und am Ortseingang links abbiegt, steht im Kreuzgässle, das seinem Namen eben diesem Kreuz verdankt. Bis zur Flurbereinigung 1954 hat es an die Mordtat erinnert. Dann stand es dem Straßenbau im Weg, wurde abgebrochen und bei der Auffüllung des alten Hohlwegs vollends mit Bauschutt zugedeckt, weiß Roland Jakel, der sich auf die Quellenforschung des alten Dorflehrers Werfel und Otto Ströbels beruft.

Pensionär Jakel, früher Ortsvorsteher in Hengstfeld, interessiert sich sehr für die Geschichte seines Orts, für das alte Schulwesen, für den Komponisten Julius Wengert – beiden Themen schenkte er ein kleines Museum – und eben für die Geschichten, die verloren sind, wenn niemand mehr lebt, der sich daran erinnert. Aus der Archivarbeit Ströbels, vor allem aber von Alt-Bürgermeister Willi Pfeiffer und Fritz Utz erfuhr er mehr über das alte Kreuz, und der Gedanke, dass dem Ort etwas fehlt, ließ ihn nicht los. Der Original-Platz im Kirchgässle ist heute in Privatbesitz, aber ein Stück weiter Richtung Kochhecke, unter dem alten Birnbaum, inmitten von Rosenbeeten, fand Jakel einen idealen Platz für ein neues steinernes  Sühnekreuz. Ortsvorsteher Werner Gutmann und der Ortschaftsrat beteiligten sich an der Finanzierung. In Kürze wird es am in Satteldorf aus Granit hergestellten Gedenkstein eine Art Briefkasten geben, in dem Interessierte weitere Informationen finden.

Info  Morgen wird das Kreuz um 14.30 Uhr von Roland Jakel vorgestellt und von Pfarrer Markus Hammer eingeweiht. Bürgermeisterin Rita Behr-Martin spricht. Der Posaunenchor umrahmt die Veranstaltung.

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